2018 | Spurensuche - Europas Kultourerbe | Tour-Tagebuch

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8. Tag (Samstag, 2. Juni 2018)

"Hallo, liebes Tagebuch",
ich rede dich mal vorsichtshalber auch so an, wie die anderen vorher. So wird es ja wohl richtig sein. Erlaube mir bitte trotzdem die Frage: "Wer bist du eigentlich?" Wen füttere ich hier? Oder mit wem rede ich bzw. schreibe ich? Bist du ein imaginäres Wesen oder bist du stellvertretend für alle anderen Biker-Pilger der Ansprechpartner unserer Tour? Oder steckt hinter dir auch so was wie ein Geist, vielleicht sogar wie der Heilige Geist? Du bist ganz sicher nicht nur Papier-Materie. Wir "Futtergeber" oder "Fütterer" bekommen keine direkte Antwort von dir, aber ich glaube schon, dass irgendetwas passiert. Ach ja, zumindest gab es immer einen freundlichen Applaus. Aber den meine ich natürlich nicht. Nein, jetzt ist es mir ganz klar geworden, du bist der Verteiler und Vermehrer der Gedanken, Worte und Gefühle der Fütterer. Dazu fällt mir spontan die wunderbare Brotvermehrung ein. Na ja, Schluss jetzt mit dem Philosophieren, ich versuche endlich loszulegen, bevor du voll bist.

Der letzte Morgen, das letzte Frühstück, der letzte Zündfunke nach einer Woche, die unbeschreiblich schön und wertvoll war. Ich freue mich nun auch wieder auf zu Hause und weiß von einigen anderen, dass es ihnen auch so geht. Aber ..... vorher heißt es, Abschied zu nehmen. Und das fällt mir sehr schwer. So ist meine Stimmung entsprechend gedrückt, traurig und gleichzeitig voller Dankbarkeit und Glück.

Nach dem Zündfunken mit dem nahegehenden Lied "Möge die Straße uns zusammenführen ..... und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!" folgt zum Abschluss ein "Vater unser". Dann erst mal Abschied nehmen von Sechsen, die jeweils von hier auf direktem Weg nach Hause oder zu einem anderen Ziel fahren. Das sind Alexander, Andreas, Marita und Matthias sowie Reinhard und Rainer. So manche Träne fließt beim herzlichen
Abschied und Danke, man sagt auch dazu: "Die hatten Pipi inne Augen".

Alle anderen 13 wollen noch zum Altenberger Dom fahren, um dort gemeinsam Abschied zu nehmen. Die Idee, mit den restlichen Fahrern nur zwei Gruppen zu bilden, wird verworfen.
Da der "Schwund" die drei bisherigen Gruppen gleichmäßig betrifft, wird nicht umgestellt.
Die Gruppen fahren wie folgt:
Martin mit Barbara, Dietmar und Markus
Michael mit Regina, Conny, Wolfgang und Thomas
Tim mit Dagmar, Josef und Joachim

Mein Gruppenführer Martin zieht in Anbetracht des Wolken verhangenen Himmels direkt morgens die Hosen-Pelle über, Dietmar auch. Es ist kühler als in den letzten Tagen. Wird es Regen geben oder bleiben wir verschont? Ich will keinen Regen! Also erst mal keine Pelle!
Ich höre von weitem, dass Josef sagt: "Die schwerste Entscheidung beim Motorradfahren ist: Pelle an oder aus?!" Finde ich auch (grins). Martin sagt zu uns, dass wir zuerst zu einem "Aldi, Lidl, Penny, Netto, Rewe oder Edeka" fahren, um die Getränke-Pfandflaschen der ganzen Woche loszuwerden. Es taucht aber lange nichts dergleichen auf.

Die Straßen sind am Morgen schön leer. Das verleitet, viele Gedanken durch den Kopf laufen zu lassen. Natürlich taucht wieder mein Begleiter auf, mein "tock tock-tock - rumpelrumpel-rumpel - du-dumm-du-dumm-du-dumm - bumm-bumm-bumm usw." Leider hat er relativ viel Gedankenzeit in dieser Woche beansprucht bzw. geklaut. Schade! Aber gut, dass sich meine Befürchtungen nicht realisiert haben.

Wir kommen zum Nürburgring. "Siedend heiß" fällt mir ein, dass Tim zu mir im Hambacher Schloss gesagt hat, dass ich Martin sagen solle, dass wir dort nicht entlangfahren sollten, weil dort "Rock am Ring" - also eine riesengroße Veranstaltung ist. Das habe ich vergessen. "Au, Mist"! Hoffentlich geht es gut, und wir kommen gut durch! Wir wundern uns nur über die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h in dem Bereich über eine längere Strecke, obwohl es sich um eine breite Straße handelt. Und eine Kolonne Oldtimer-Autos tuckert mehr oder weniger langsam vor uns her. Sie versetzen meine Gedanken in die Zeit vor "1000" Jahren, als ich auch solche Autos hatte.

Dann ist Zeit für eine kurze Pause. Martin packt die letzten Kekse von Marita aus, und wir teilen sie uns und denken an Marita und Matthias. In dem Moment fährt Michas Gruppe vorbei und winkt fröhlich. Dietmar - von Martin Ditze genannt - hat keine Geschwindigkeitsanzeige mehr am Mopped - wie ich so am Rande mitbekomme. Er sagt, die Tachowelle ist weg, hat sich wohl versteckt. Man kommt nicht dran. Ich habe ja keine Ahnung von so was! Martin meint nur: "das spart Kilometer". Markus steht derweil mit nackten Beinen da, weil er sich eine Jeans unter der Motorradhose anzieht - "wegens die Kälte". Da ich mich nicht traue, das zu fotografieren, muss ich es wenigstens hier erwähnen.

Bei der Weiterfahrt suchen wir immer noch nach einem Aldi etc. Es regnet zum Glück bisher noch nicht. Wir können schön zügig fahren. Dabei vermisse ich wieder, wie öfter mal, einen 7. Gang. Ich versuche zu schalten, aber es geht nix mehr.

Dann endlich taucht doch noch ein Rewe auf. Aber - oh je - die Pfandflaschen-Automaten sind blockiert, also wieder nix. Dafür trinken wir einen leckeren Kaffee und Cappuccino an den Moppeds. Uiii, da fällt die Packung mit den letzten drei Keksen von Martin, die Sorte mit den 52 Zacken pro Stück, vom Mopped. Darüber können sich nun die Vögel freuen. Markus kauft eine leckere Schokolade seiner Spezialmarke, Ditze kauft leckere kleine rote Gummiteilchen. Dabei kommt die Sonne durch - schön, aber direkt sehr warm - zu warm "für ohne Fahrtwind". Ditze findet auf einmal sein Roadbook der Seele unter seinem Nierengurt, den er umhat. Gutes Versteck! Während wir so dastehen, kommt ein alter Mann zu uns und fragt, wo wir denn herkommen. Ich sage "aus dem Ruhrgebiet". Da sagt er doch tatsächlich: "Da war ich noch nie!" Unglaublich! Das geht ja "gaaaanich"! Dann erzählt er was von seinem alten Motorrad, das er aber nicht mehr fährt. Ich erzähle ihm von unserem christlichen Hintergrund beim Motorradfahren. Er meint "nee, jetzt im Alter hab ich damit nicht mehr so viel am Hut. Die Kirche hat in letzter Zeit so viel negativ verändert." Ich will gerade anfangen zu missionieren, da meint er zu Markus, dass er ein Haar an der Nase hätte. Markus sagt, dass
sein Rasierer da nicht so gut drankäme. Der Mann sagt, er solle sich einen Braun-Rasierer kaufen, damit könnte man alles rasieren und sogar Muster machen und Figuren schneiden.
So kann man auch die Pausen verbringen - und sich köstlich amüsieren.

Gut gelaunt fahren wir weiter Richtung Rheinfähre Linz-Kripp, die nicht mehr weit weg ist. Als wir ankommen und uns direkt an die Auffahrt zur Fähre hinstellen, sehen wir Tims Gruppe am Imbiss. Joachim kommt grinsend und meint: "Man denkt an nichts Böses - und dann kommt ihr!"

Nach der kurzen Rheinüberquerung ist es noch ein Stündchen bis zum Altenberger Dom. Wir brauchen eine "Tanke". Die Suche ist bald erfolgreich. Mir ist es lästig, dass ich selbst bezahlen muss. Wenn ich mit Micha zusammen fahre, bezahlt er immer für mich mit. Martin meint, dann werden wir nächstes Jahr alle bei Micha mitfahren. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch die Toilette dort "inspizieren". Dies ist leider nicht möglich, weil der Besitzer weggefahren ist und den Schlüssel irrtümlich mitgenommen hat. Was will man machen? Wir suchen eine andere, dieses Mal in der Natur. Ich frage Martin, wo hier im Wald denn die Damentoilette sei. Ditze zeigt auf einen Abfalleimer und meint: "da - es fehlt nur die Brille". Ich bevorzuge eine etwas entfernt liegende Stelle. Die drei Herren suchen auch jeder eine
eigene. Bei dieser Klärung und Unterscheidung stellen wir fest, dass wir drei BMWs sind und eine andere, dass wir drei Männer sind und eine andere, dass wir drei Kollegen sind und eine andere, dass wir drei Nichtraucher sind und ein anderer ........

Wir sind die erste Gruppe, die am Altenberger Dom gegen 14.15 Uhr ankommt. Trotzdem gibt es einen Empfang: Mike ist da! Die Freude ist groß. Er sagt, dass er die ganze Woche hier auf uns gewartet hat! Es findet gerade eine Hochzeit statt. Dadurch können wir nicht auf den Domplatz fahren und auch nicht in den Dom gehen. Martin parkt "extra" auf einem Parkplatz mit Matsche, weil ihm die Stiefel von Ditze bisher zu sauber aussahen. Kurze Zeit später kommen die anderen beiden Gruppen mit Tim und Michael. Markus muss zuerst seine Jeans unter der Motorradhose ausziehen, es ist schön warm geworden. Dazu geht er in den
Beichtstuhl. (grins)

Wir übrig gebliebenen - und hier heil angekommenen Pilger (außer einem recht harmlosen, aber natürlich trotzdem etwas ärgerlichen Umfaller ist nichts Schlimmes passiert - Gott sei Dank) machen es uns draußen beim Restaurant - natürlich mit Mike - gemütlich mit viel Fröhlichkeit, Freude, Dankbarkeit, Lachen ...... und köstlichen Leckereien wie Kuchen, Torte, Eis ..... Nach etwa einem Stündchen kommt dann der endgültige Abschied in einer Runde mit Helmkreuz am Rande des Restaurants. Nach Texten und Gebet legen wir alle die rechte Hand auf die linke Schulter unseres rechten Nachbarn und die linke Hand auf den Rücken unseres linken Nachbarn - spüren uns - und sagen tschüs, macht´s gut, kommt gut heim.

Laber - laber - laber - jetzt ist Schluss. Ich möchte eigentlich noch passend zum Ausdruck bringen, wie gut und wertvoll und segensreich für mich diese 8 Tage waren, aber mir fehlen dazu leider die Worte, die das richtig zum Ausdruck bringen könnten. Ich schließe mich daher allen bisherigen "Lobeshymnen in vollem Umfang" an!

HERZLICHEN DANK euch allen und dem lieben Gott, der ja bekanntlich durch andere Menschen wirkt und für seinen Segen an allen Tagen und ganz besonders am/ab Mittwochabend - ihr wisst, was ich meine!

Nun kann ich nur noch hoffen, dass ich morgen nach dem Frühstück von dem Letzten, dem ich den Tagebucheintrag vorlese, auch einen Applaus bekomme.

Barbara

Ach, eine Frage muss ich unbedingt noch loswerden: Warum habe ich, wenn ich die Helme des Kreuzes morgens gezählt habe, immer nur 18 gezählt und nicht 19, auch wenn wir 19 Pilger waren? Dieses Rätsel wird mich sicher noch lange beschäftigen! (grins)

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