2019 | Karnische Alpen | Tour-Tagebuch

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Tagebuch der Teilnehmer an der Motorrad-Pilgerfahrt in die Karnischen Alpen

17.-25. August 2019


1. Tag (Samstag, 17. August 2019)

Hillige Seele - Oberschnorrhof

Heute geht es wieder los. Eigentlich ist es ja schon vor 5 Wochen beim Vortreffen gestartet. Mit dem Bilden der Gruppen haben sich auch die Erwartungen an die Tour gefügt. Und in den letzten Tagen wurden diese Erwartungen, Fragen und Hoffnungen immer konkreter. Wo liegen die Tagesziele, in 4 der Hotels war ich schon. Die Istrien Pilger haben auch schon von einem Hotel berichtet. Jeden Tag wurde die Wetterprognose abgerufen. Und dann kam der Tag.
Schon um 8.30 Uhr kam ich an der Hilligen Seele an. In der Erwartung das ich bestimmt der Erste bin und das Einlaufen der Anderen beobachten und sie einzeln begrüßen kann. Das war dann mal nichts, bestimmt die Hälfte der Gruppe war schon da. Aber was habe ich erwartet?
Um 9 Uhr versammelten wir uns, legten das Helmkreuz in der Kapelle, nahmen in den Bänken Platz. Die PimPS Routine kehrt ein. Ein Lied, ein Segen, der Tagesimpuls. Was macht diesen Tag für dich zu einem gelungenen Tag?
Das ist doch ein Tag, oder?
Schöne Strecken, harmonische Fahrt in der Gruppe, gute Gespräche und ein nettes Quartier am Abend.
Die PimPS Routine halt.
Aber was ist wenn etwas diese Routine stört? Eine Baustelle versperrt den Weg und Regen setzt ein. Ist der Tag dann nicht mehr gelungen? Setze ich mich mit meinen Erwartungen unter Druck und lasse es nicht mehr zu, dass das unverhoffte den Tag gelingen lässt?
Gegen 9.30 Uhr brechen wir in den drei Gruppen von Dörenhagen auf.
Es geht über kleine und kurvige Straßen, zu einem leckeren Mittagessen in Grünberg. Eine Baustelle lässt uns die Route leicht ändern und gegen 17 Uhr kommen wir in leichtem Regen im Oberschnorrhof an.
Alle sind glücklich dass es nur die letzten 10 km geregnet hat.
Ein guter Tag ist es geworden, weil wir uns gemeinsam und gegenseitig auf diese Etappe eingelassen haben.

 

Rainer

 


2. Tag (Sonntag, 18. August 2019)

Vom Oberschnorrhof in Dammbach nach Herrnwahlthann

Thomas hat sich wegen eines Trauerfalls in der Familie morgens verabschiedet. Natürlich zieht es ihn dorthin, wo er gebraucht wird – zur Familie.
Alles Gute Thomas – viel Kraft und viel Stärke.
Auch für unsere Gründer, die den Zündfunken moderieren, ist es keine Routine, nun zum Pilgeralltag zurück zu finden.
Unsere Aufgabe für heute: Achtsam sein – das Schöne genießen – mit allen Sinnen. Das ist ein Imperativ – genieße! Eine Aufgabe, der ich mich sehr gerne stelle! Joachim hat gleich am frühen Vormittag eine Überraschung für uns parat. Eine Fahrt mit der Fähre.
Mit etwas Nachdenken wäre man vielleicht darauf gekommen, welchen Fluss wir mit der Fähre überqueren – so in der Nähe von Frankfurt am … Aber Nachtanken – so kurz nach dem Frühstück? Also frage ich, wie der Fluss heißt. „Das ist der Mississippi“, informiert mich Heinz. Ich gucke wie Tom Sawyer in der Sonntagsschule und beschwere mich bei Melanie, weil ich mich nicht ernst genommen fühlte. Doch Melanie nickt bestätigend: „Mississippi!“ Oh Scheiße Joachim, verfahren? Das war die Geburtsstunde unseres Gruppennamens: Die Mississippis!
1. Pause 10.30 Uhr vor der freiwilligen Feuerwehr irgendwo.
„Leute, wir sollen genießen. Was bis jetzt waren eure Highlights?!
- Holger: die Fähre
- Jürgen: die Flussüberfahrt – meine Erste!
- Heinz: 100% ig alles!
- Melanie: der Duft eines Dillfeldes
- Joachim: der Dill und die Romantische Straße
Wir sitzen im Schatten und klären die Konfessionen. Sind die Katholischen wieder in der Überzahl? Nee- 3,5 zu 2,5 für die Protestanten. Wir sind uns einig, dass die Basis der Konfessionen sich versteht, tolerant ist, auch Fremdes akzeptiert. Heinz zitiert Mohammed Ali: „Religionen sind wie Flüsse – alle enden im Meer.“
Und weiter geht´s. Auf einmal fliegt mir bei Tempo 100 km/h etwas entgegen. Boah – das hat jemand vor mir verloren. Egal was das ist – ich muss anhalten. Gedacht – getan. Ich finde auf der Straße ein Roadbook der Seele, packe es ein. Und die Gruppe funktioniert! Alle stoppen vorschriftsmäßig – Joachim und Melanie kommen zurück, um den Grund des Stopps zu erfahren. „Joachim, ein Roadbook!“ „Ach ja, dann…“.
Zu Heinz fahre ich die B1, B236 und A40 oder A44, und keinen interessiert es. Hier fahre ich über die Romantische Straße, die Burgenstraße, die Deutsche Limes Straße – klingt viel besser als B1, woll? Ich weiß nur nicht, wie das jemand sieht, der in Oberfeckingen wohnt.
In Rothenburg ob der Tauber fahren wir an der „Linde“ vorbei. Erinnerungen an 2010 werden wach. An den Wirt, der uns mit frisch Gezapftem begrüßte.
Kurvenreich geht´s weiter durch den Wald, der sich öffnet und einen so was von geilen Blick auf kurvenreiche Straße frei gibt – Freude pur. Wie war das? Genieße! Ja doch, ja! Auch die Innenstädte von Leutershausen und Abenberg – rein durch die Stadttore, langsam übers Kopfsteinpflaster, raus durch´s Stadttor – das hat was. Genieße!
16 Uhr: letzte Pause im Benediktinerkloster Plankstetten. Sehr guter Kaffee und leckerer Kuchen. Genieße!
An der Altmühl entlang – später an der Donau…
Wie war das? „Altmühl, Naab und Regen fließen links dagegen!“ Oder rechts? Und wo gegen? Isar, Iller, Lech und Inn …? Reisen bildet.
Dieser Tag war – wie so viele bereits vorher – ein Geschenk! Ich habe genossen!
Danke an Joachim, danke an die Gruppe.
Genieße! Ja, aber bitte nicht nur heute, gerne auch den Rest der Woche und gerne darüber hinaus!

 

Martin

 


3. Tag (Montag, 19. August 2019)

Herrnwahlthann – Stuhlfelden

Hallo,
ich möchte mich zunächst auch vorstellen. Ich bin Tracy aus dem Haus der Yamis.
Ich bin zum ersten Mal auf einer großen Tour Richtung Süden unterwegs.
Ich hatte ja schon von meiner Vorgängerin „Hondi“ viel von den Alpenreisen gehört. Hondi war das Motorrad, welches mein Chef vorher gefahren war. Ich konnte sie kurz letztes Jahr noch in der Garage in Adlum kennenlernen, bevor sie ein anderes Zuhause gefunden hatte.
Nun bin ich bereits 10 Monate mit meinem neuen Besitzer unterwegs und das Leben macht mir viel Spaß. Dass es auf eine große Fahrt gehen würde, war mir schon im Juli aufgefallen. Es gab neues Öl, ich wurde geputzt und zum Schluss gab es gute neue Wanderschuhe. Das war auch bitter nötig, weil die alten schon ziemlich ausgelatscht waren.
Nun sind wir schon einige Tage unterwegs und es macht mir viel Spaß. Manches ist schon herausfordernd, aber eigentlich doch ganz spannend.
Erst die vielen Wasserduschen und dann gestern die Hitze, aber das ist wohl so, wenn es auf Reisen geht.
Eine Verwandte habe ich auch wieder getroffen. Aber ich glaube, die ist etwas eitel, sie nennt sich jetzt nämlich „Blaue Zora“. Ich weiß noch nicht was sie damit bezweckt.
Zwei andere Kumpels hatten gestern etwas Pech, ihr Schuhwerk hat sich verabschiedet. Sie mussten heute zum Verbandsplatz. Gott sei Dank ist Suzi heute Abend wieder zur Gruppe zurückgekommen.
Mit ihr habe ich mich schon etwas angefreundet, weil ich immer hinter ihr herfahren durfte.
Wir Yamis verstehen uns mit den Kawayamsuzi doch noch besser als mit den Boxer Typen, die hier doch eine starke Gruppe sind.
Aber nun mehr zu dem heutigen Tag.
In der Nacht hatte es stark gewittert und ich hatte schon Angst, dass es wieder so eine feuchte Rafting Tour wird wie vorgestern.
Aber Glück gehabt, nach ein paar Tropfen schien die Sonne, die Straße war bald trocken und die fast neuen Wanderschuhe griffen gut in den Asphalt.
Ja Asphalt, wie schön wäre es, wenn es nur solche Straßen geben würde.
Aber wer weiß was meinen Chef geritten hat. Ob er wieder einen neuen XXX (nicht lesbar) gehört hat. Jedenfalls, nach einer schöner Stunde Fahrt machte er plötzlich eine Ehrenrunde über einen Bauernhof, hielt kurz an, hatte eine kleine Besprechung mit den anderen Chefs und dann fuhr, ich glaub es nicht, über einen schlammigen Feldweg zu einem anderen Bauernhof.
Dabei hatten die doch auch eine schöne Teerstraße, zugegeben von der anderen Seite, aber das musste sein.
Ich werde es wohl nicht verstehen. Aber jedenfalls hat mein Chef mich gelobt, dass ich diesen Weg dann doch geschafft hatte.
Wenigstens etwas Wertschätzung.
Aber wie sehe ich jetzt aus. Alles voller Schlamm….
Bei einer kurzen Pause in Pfeffenhausen, konnte ich mich etwas erholen und etwas beruhigen. Jetzt sehe ich aus wie ein Weltreisender. Hat ja vielleicht auch etwas.
Es ging weiter Richtung Inn und plötzlich waren in der Ferne die Alpen zu erblicken. Ab dem Zeitpunkt ging es mir wirklich wieder gut.
Beim nächsten Stopp bekam ich auch etwas zur Stärkung, mein Tank war wieder voll und die Sonne schien. Was will ich mehr.
Aber über zwei Dinge möchte ich noch berichten.
Manchmal stehen an der Straße so runde Schilder, weiß mit einem roten Punkt. Irgendwie müssen die einen besonderen Anreiz auf die Chefs und Cefins ausüben. Scheinbar sind das Strecken, die man unbedingt fahren muss, um in ein anderes Spiellevel zu gelangen.
Am Morgen wurden noch einige dieser Sonderstecken ausgelassen, aber nach dem Mittag war dann doch wieder eine dieser Sonderwerkzeuge fällig.
Diesmal ging es wohl darum einem Gärtner auszuweichen, der in der Nähe gearbeitet hat. Aber wir waren zu schnell vorbei, bevor der Gärtner mit seinen Gerätschaften uns gefährlich werden konnte. Glück gehabt.
Das Zweite ist:
Die Menschen haben einen seltsamen Geruchsgeschmack. Heute war es wieder extrem. Überall parfümierten sie die Wiesen ringsrum.
Sie fahren dabei mit großen Treckern und Tanks quer über die grünen Wiesen. Ganz extrem war es dann in Österreich in der Nähe des Waldsees. Wie mit einem großen C-Rohr spritzte der Bauer direkt in hohem Bogen an der Straße auf das Feld und da musste ich direkt daran vorbei fahren. Man gut das der Wind aus eine anderen Richtung kam. Glück gehabt.
Aber genug davon.
Insgesamt war es ein schöner Tag mit dem Höhepunkt auf dem Pass Thurn mit dem schönen Blick in das Pinzgau und auf die Hohen Tauern.
Es ist einfach toll, so unterwegs zu sein und so viel zu erleben mit so vielen netten Begleitern.
Ich will mich jetzt etwas ausruhen. Morgen geht es auf dem Höhepunkt der Tour, über die Großglockner Hochalpenstraße.
Mein Chef hat auch noch meine Kette geschmiert, dann will ich ihn mal morgen darauf bringen.

 

Eure Tracy

 


4. Tag (Dienstag, 20. August 2019)

Stuhlfelden - Ovaro

Die Glocken läuten hören, es ist erst 6 Uhr, Zeit sich noch einmal im Bett umzudrehen. Beim Verstauen des Gepäcks auf den Motorrädern ein kurzer Plausch mit zwei älteren Herren, die in der Garage der Pension Schindeln zuschneiden. In der Wallfahrtskirche „Maria am Stein“ starten wir mit dem Zündfunken. Unsere heutige Gedankensammlung zu dem Thema „Wie gehen wir mit Herausforderungen um.“
Vor dem Start gehen Martin und Heinz noch einkaufen, für das geplante Picknick.
Die Sonne scheint und die Tour startet. Entspannt kamen wir an der Mautstation zur Großglockner Hochalpenstraße an. Dank der fürsorglichen Wirtin in der Pension, die uns allen Besucherkarten gab, entfällt für uns die Maut. Freie Fahrt bis hinauf zur Edelweißspitze. In den engen Kehren wird bestimmt so manches Stoßgebet gesprochen. Oben angekommen überwiegt die Freude. Eine weitere Herausforderung
„Nebel“
eine Sichtweite von ca. 10 m auf der Fahrt zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe. Jetzt erstmal Pause und ein Schälchen Kaffee. Die Bergabfahrt auf der Südseite war deutlich entspannter und an einem Fluss wurde ein sonniges Plätzchen zum Picknick gefunden. Weiterfahrt über Lienz zum Plöcken-Pass wieder in engen Kehren den Berg hinauf - wir sind in Italien - den Berg hinunter. Die Sehnsucht nach Kaffee ist groß und bald ist eine kleine Bar gefunden. Nach kurzer Rast werden die letzten 30 km in Angriff genommen. Gegen 18 Uhr kommen wir als 3.te Gruppe im Hotel Aplis an. Bei einem Bier werden die Erlebnisse ausgetauscht. Während des Abendessens kommt Günther an, der in Regensburg auf neue Reifen warten musste. Er hat eine ganz andere Geschichte zu erzählen.

 

Melanie, Sozia hinter Joachim

 


5. Tag (Mittwoch, 21. August 2019)

Ovaro - Bergfest

Heute ist der Tag, an dem wir ohne Gepäck fahren.
Gelassenheit herrscht vor, da die Motorräder nicht „aufgerödelt“ werden müssen.
Nach dem zum Teil sehr süßem Frühstück treffen wir uns pünktlich um 9 Uhr zum Zündfunken. Für den Gedanken unter dem Helm bekommt jeder eine Karte mit einem „Schlagwort“ und einem Bibelvers. Auf meiner Karte steht das Wort „Fokussiert“.
Dies passte für mich, da ich mich doch entschlossen hatte, mitzufahren, mich auf die Strecke einzulassen und keinen Ruhetag einzulegen. Das 1. Ziel war der Monte Zoncolan. Was für eine Strecke mit den engen Kurven, der Steigung und der Aussicht. Alles richtig gemacht, dass ich mitfuhr.
Der Tag versprach richtig gut zu werden.
Weiter fuhren wir über kleinste Straßen mit grandiosen Kurven.
Passend zur Mittagszeit machten wir in einer originellen italienischen Kneipe eine Pause. Es ging dort ziemlich rustikal zu. Die Wirtin sprach etwas deutsch und wir ja kein italienisch. Also verständigten wir uns irgendwie und bekamen tatsächlich unser Essen.
Nach diesem Erlebnis fuhren wir weiter auf einer wunderschönen Strecke durch die karnischen Alpen. Was für Bergmassive, Täler und Schluchten bekamen wir zusehen. Was für eine grandiose Landschaft ist uns da gegeben worden. Aber wir bekamen in dieser wunderschönen Gegend auch die Wucht der Zerstörung durch die diversen Stürme in der Vergangenheit mit. Die entwurzelten und abgestorbenen Bäume waren noch nicht komplett aufgearbeitet worden. Dies stimmt mich nachdenklich…
Dann bekommen wir nach jeder Kurve wieder ein wunderschönes Panoramabild zu sehen. Alles sehr beeindruckend.
An dem Stausee Sauris machen wir eine letzte Pause, um diesen auf uns mit der türkisenen Wasserfarbe wirken zu lassen.
Weiter geht es, denn dunkle Regenwolken stehen inzwischen am Himmel und wir möchten in kein Gewitter kommen.
Gegen 17 Uhr kommen wir begeistert, glücklich und trocken am Hotel an.
Hier werden wir von Rita empfangen, die sich einen Ruhetag gegönnt hat.
Für mich war es ein erlebnis- und erfahrensreicher Tag, den ich nicht missen möchte.
Der Tag endete mit einem leckeren Abendessen und dem Nachtickern.

 

Gudrun

 


6. Tag (Donnerstag, 22. August 2019)

Von Ovaro nach zur Gaislachalm in Sölden

Nach dem Frühstück treffen sich alle Tourteilnehmer pünktlich um 9 Uhr zum Zündfunken. Nach dem Tagebuch und Segenswünschen wird der Leitgedanke für den Tag ausgegeben.
„Wo lassen wir unseren Glanz erstrahlen“
Mein erster Gedanke: Muss ich mich ja selbst positiv darstellen und ich habe mal gelernt: „Eigenlob stinkt“.
Ich bin gespannt auf das Nachtickern. Danach geht es in den Gruppen los und nach kurzer Strecke schon Tankstopp.
Die Kassiererin trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Tu alle Dinge mit Liebe“. Ob sie ihren Job mit Liebe machte, sah man ihr nicht an, aber mir kam der Gedanke: Wie einfach wäre das Miteinander, wenn alle Menschen so handeln würden.
Dann hatten wir nach kurzer Zeit freie Fahrt über den Sella di Razzo, und dann über den Passo Sant`Antonio. Diese Fahrt wollte uns ein Auto mit 6-Zylinder-Diesel Motor vermiesen. Er hat aber feststellen müssen, dass auch Zwei- und Vierzylinder überlegen sein können.
In den Dolomiten nahm dann der Verkehr doch stark zu und es ging in ruhiger Fahrt, eingekeilt zwischen Blechkisten, weiter. Wir machten eine kurze Rast und fuhren durch Sexten, wo ein Wohnmobiltreffen stattfand, dementsprechend auch der Verkehr war. Als Entschädigung sahen wir aber tolle Häuser im wunderschönen sommerlichen Blumenschmuck.
Wir erreichten dann Südtirol und hatten dann von Bruneck wieder freie Fahrt ins Jochtal und weiter auf den Jaufenpass. Auf der Passhöhe machten wir eine Pause und dann trafen auch die anderen Gruppen ein.
Weiter ging es über das Timmelsjoch, wo so nehme ich an, unsere Organisatoren den Asphalt erneuern lassen haben, um uns ein tolles Fahrerlebnis zu ermöglichen. Bei dem ganzen Fahrspaß auf den Pässen sollten wir aber nicht vergessen, dass viele Pässe durch Zwangsarbeiter zu militärischen Zwecken gebaut wurden und somit auch viel Elend und Trauer verursachten.
Der schwierigste Teil des Tages wartete aber noch auf uns. Die Auffahrt zu unserem heutigen Quartier – der Gaislachalm – war wohl die größte Herausforderung der bisherigen Tour. Wir kamen aber alle heil oben an und hoffen, die Abfahrt ebenso zu meistern. Für die gelungene Auffahrt dankten wir in einem andächtigen Gebet vor unserem gemeinsamen Abendessen.
Wie erwartet, gestaltete sich das Thema des Zündfunkens beim Nachtickern als anfänglich schwierig, da es doch auch ein wenig Selbstdarstellung bedurfte, was ja auch nicht unbedingt einfach ist.
An dieser Stelle möchte ich aber auch meine Hochachtung und Respekt an unsere Planer und Guides aussprechen, da ja alles bisher sehr gut organisiert und geklappt hat.
Dazu möchte ich euch mit den Worten von Hans Rosenthal sagen:
„Ihr seid spitze“

Eine gute Abfahrt wünscht Euch allen

 

Günther

 


7. Tag (Freitag, 23. August 2019)

Von der Gaislachalm zum Hotel Sonne in Dillingen

Zündfunke um 8.30 Uhr. Warum denn das? 9 Uhr ist doch eine - eigentlich – in Stein gemeißelte Zeit. Wegen der Organisation der doch recht anspruchsvollen Schotterabfahrt von der Gaislach-Alm. Günther hatte gestern von der wohl „größten Herausforderung“ geschrieben und die schwierige Auffahrt zum Hotel gemeint. Um die Soziuspaare zu entlasten, wurden u.a. die Sozias mit dem Hotelbus zurück in die Zivilisation gebracht. Und dann war Christians Reifen platt – Diagnose: Nagel. Therapie: Kompressor „klappt schon!“ Nee – klappte nicht. Christian hat im Laufe des Tages den Reifen gewechselt. Man erzählt sich: „… bei einem freundlichen Jausenwirt!“
Der Zündfunke – der Verfrühte – hatte es heute in sich. Christian liest zunächst einen Text von Madeleine Delbrêl. Es ging darum, dass Schwierigkeiten nicht dazu da sind, sie zu umgehen, sondern sie zu bewältigen. „Einen Berg umgeht man ja auch nicht, man überwindet ihn!“ Na ja – den Kyffhäuser kann man auch umgehen …
Im Ernst jetzt: Genau das war gestern Thema in unserer Gruppe beim Nachtickern. Mein Anspruch ist nicht, jede Schwierigkeit zu bewältigen – das würde mich frustrieren, weil ich´s nicht kann. Es gibt Schwierigkeiten, die lassen sich nicht bewältigen, und das – so denke ich – ist radikal zu akzeptieren.
Der Zündfunke ist aber noch lange nicht zu Ende – jetzt wurde die Frage gestellt: „Wie betest Du?“
Diese Frage hat mir noch niemand gestellt. Licht, ja – Herausforderung, ja – Genießen, ja … Über all das habe ich schon häufig nachgedacht. Aber: Wie bete ich? Das beschäftigt mich wirklich den ganzen Tag unterm Helm. Günther schrieb gestern: „Für die gelungene Auffahrt danken wir in einem andächtigen Gebet.“ Ist danach gefragt? Nach Attributen? „Andächtig“? Bete ich andächtig, inniglich, bittend, dankend? Und überhaupt: Wen bete ich an? Den Gott, den ich mir seit meiner Kindheit in meiner Phantasie vorstelle? Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Was sagt mir das? Ist das Göttliche in meinem Gegenüber? „Wie betest du?“ Wann überhaupt? Vor dem Essen, Luthers Morgensegen, Luthers Abendsegen? Bete ich vermehrt wenn es mir schlecht geht, eine Bitte um Besserung? Oder bete ich, wenn es mir gut geht – und in diesem Falle dankend?
Katholiken beten auch zu den Heiligen.
Und Atheisten? Können die ein Synonym für Gott finden – Leben, ich danke dir?
Ich muss mich mal ein bisschen auf´s Fahren konzentrieren, nicht, dass ich bei all den Gedanken dem Jürgen hinten drauf fahre. Holger habe ich beim Tanken schon gestreift – nix passiert: „Danke, Gott“?
Ach ja: Moped gefahren sind wir auch. Bei der Auffahrt zum Hahntennjoch treffen wir eine freundliche holländische Familie. PimPS Karte in die Hand gedrückt. Vielleicht wird PimPS ja bald international. Um 14 Uhr empfängt uns Deutschland wolkenverhangen. Pause unweit von Neuschwanstein, wo wir auch vorbei gefahren sind. Nur vorbei gefahren – meine Güte: was für ein Betrieb.
Und zum Schluss dann noch einige km auf der Schnellstraße – klappt auch in der Gruppe.
Also: Wie bete ich eigentlich? Auf jeden Fall überzeugt davon, dass da jemand ist, der mir zuhört!

 

Martin

 


8. Tag (Samstag, 24. August 2019)

Dillingen – Brachttal
nicht zur Sonne – sondern von Sonne zu Bäcker

Peter beginnt den Zündfunken mit dem Hinweis, dass dies der Vorletzte sei. Widerspruch regt sich in mir: von vorletztem oder letztem Tag will ich nichts hören. Wir haben wieder einen Tag, genauer den 8.ten, vor uns, der trocken, sonnig und wieder spannend zu werden verspricht, ein neuer Tag auf dieser an Erlebnissen und Ereignissen nicht gerade armen Fahrt. O.K. nicht für alle. Nachdem Thomas bereits am 2.ten Tag sich von uns verabschieden musste, war heute Jürgen dran. Eine letzte Umarmung, gute Reisewünsche und das Vergnügen, abends ein Ankommensbier auf ihn zu trinken – was unsere Gruppe dann auch tat.
Also ein neuer Tag, zwar nicht wie in den letzten Tagen mit Gipfel-Panorama, tiefen Tälern und Schluchten, türkisfarbenen Seen und Hinweis auf 36 Tornantes. Nein, das nicht, aber es sind die Kleinigkeiten, die den Tag interessant machen: ein großer Hund in der Rezeption, den ein Kindergitter im Türrahmen von den Gästen fern hält – oder war es umgekehrt?
• ein Spinnennetz zwischen Rainers Spiegel und Gasgriff – wie fährt Rainer denn neuerdings??
• ein Bildstock direkt an der Tankstelle
• auf der Strecke ein alter Borgward
• eine Oldie-Rallye von alten Nutzfahrzeugen mit Firmennamen, die längst untergegangen sind, z.B. „Büssing“
• ein gepflasterter Schattenwurf der ehemaligen Synagoge in Wertheim als Zeichen der Erinnerung
• Paragleiter über uns und trockene Straßen unter uns
• vor mir eine inzwischen eingespielte Gruppe, die mit gleicher Distanz und Fahrweise in gepflegter Zügigkeit die herrlichen Schwünge des Straßenverlaufs mitnimmt.
Und überhaupt ist es schön, dass der Traum eines 12-jährigen, der sehnsüchtig auf die Kreidler Florett des Nachbarn schielte, in Erfüllung gegangen ist. Und ich bin dankbar, dass ich noch das Gelichgewicht halten kann, beim Anfahren, Wenden und Kurven fahren. Ich hatte vor einiger Zeit mal Gleichgewichtsstörungen, die, wie mein Hausarzt meinte, bei älteren Menschen, und denen muss ich mich ja auch langsam zuordnen, durch Ablagerung von kleinen Kristallen auf den Sensorhärchen des Gleichgewichtsorgans hervorgerufen werden. Und ich kann euch sagen, dass ist ein Sch….Gefühl, wenn du wankst, bis dir schlecht wird, wohl gemerkt ohne Alkohol.
Zurück zum Zündfunken. In einem Text wird ein Reha-Trainer zitiert. Du stehst immer auf 3 Punkten – Ferse, Ballen, Außenrand, deine „Stand“-Punkte. Mir erscheint das zu einfach. Sicher ergeben 3 Punkte einen sicheren Stand, jedes Fotostativ hat 3 Beine. Aber der Mensch steht nicht auf einem Fuß, sondern auf 2. Wenn man den Betrachtungsmaßstab ändert verschwimmen die 3 Punkte eines Fußes zu einem einzigen Punkt. D.h. bei 2 Füßen eine 2 Punkt-Lagerung – ein instabiles System. Die Umfaller dieser Tour können ein Lied davon singen. Aber trotzdem können wir stehen. Wir stehen, weil wir uns bewegen! Wir brauchen uns nur hier im Kreis umschauen. Der Grund im Steuerungsmechanismus bestehend aus Muskeln und Gleichgewichtssinn, der unbewusst im Hintergrund arbeitet. So ähnlich sehe ich es auch für mein Leben. Wie schon beim Thema Licht und Leuchten angerissen, bin ich meinen Eltern für sehr vieles dankbar, insbesondere für
• Liebe, die in mir ein gewisses Maß an Urvertrauen wachsen lassen konnten
• Bildung, die es mir ermöglicht Vorgänge und Themen zu differenzieren und Unterscheidungen zu treffen.
• Glauben, der wie gestern besprochen bei aller Floskelhaftigkeit mit trotzdem ein Menschenbild gegeben hat.
Aber all das steht nicht in einer statischen Beziehung zu einander, sondern muss laufend dynamisch abgeglichen, justiert, relativiert werden. Das kann geschehen durch Bücher, durch Bibeltexte, die sich plötzlich durch eine neue persönliche Erfahrung ganz anders erschließen, oder durch Gespräche, z.B. hier. Wenn ich meine, ich hätte eine besondere Last zu tragen und höre dann die Lebensgeschichten anderer, dann relativiert sich meine Last ganz schnell, u.U. wird sie sogar leichter. Auf jeden Fall verschiebt sich mein Standpunkt, der Gleichgewichtsmechanismus greift. Daher finde ich Begegnungen wie hier mit Erzählungen, Austausch und Diskussionen extrem wichtig, zur Schärfung meines Standpunktes oder besser meiner Standpunkte.
Wie „standfest“ dieses Gebilde letztlich ist, wage ich nicht zu sagen. Eine Prüfung der Standpunkte, wie sie unserer Elterngeneration auferlegt wurde, weiß ich nicht zu bestehen.
Ich danke Gott – wem soll ich sonst danken – dass das in dieser extremen Form bisher nicht notwendig war!!

 

Ulrich

 


 9. Tag (Sonntag, 25. August 2019)

Brachttal / Hotel zum Bäcker – Hillige Seele

Es war schon etwas komisch als ich gegen kurz vor 7 Uhr die Augen aufschlug. Eine Woche lang hat sich das gleiche Ritual am Morgen abgespielt. „Gehst du als Erster ins Bad“, „Hast du schon mal raus geschaut wie das Wetter wird“, „Welche Route habt ihr für heute geplant?“
Heute das letzte Mal und es ist schon nach dem Wachwerden anders. Die Unterhaltung geht um die Ereignisse und Erlebnisse der Woche.
Drei Reifenpannen (bis dahin), steile Auffahrten zu den Hotels und kleine Straßen mit engen Kehren. Und was nehme ich aus der Woche mit? Wo wurde mein Glaube angesprochen und wie wurde die Seele berührt? Schnell sind wir im Gespräch bei der Gruppe die Vertrauen vermittelt. In den Kehren und im Gespräch. Wie bekommt man das jemandem vermittelt der noch nie in einer solchen Gemeinschaft unterwegs war? Jetzt wird es Zeit ins Bad zu kommen, die letzten Sachen zu packen, sonst verpassen wir das Frühstück und das wäre hier wirklich schade. Ein reichliches Buffet verspricht einen guten Einstieg in den letzten Fahrtag.
Als ich nach dem Frühstück mein Gepäck weg bringe, stehen schon einige Mitpilger um ein einzelnes Motorrad. Der Blick auf das Hinterrad zeigt einen dicken Nagel im Gummi der Lauffläche. Wie lange der da wohl schon mitfährt? Was wir so alles mit uns herumfahren? Im Reifen und im Kopf.
Es wird kurz geprüft, ob der Reifen noch Druck hat und das, schon von den anderen Pannen bekannte, Reparaturset übergeben. Die Entscheidung steht, gelegentliches Prüfen des Reifendrucks und keine schnelle Fahrten, dann hält der Reifen hoffentlich bis nach Hause. Das sollte auch in unserem Leben Druck halten.
Um 9 Uhr stehen wir wieder im Kreis und halten den letzten Zündfunken. Diesen beschließen wir mit einem gemeinsamen Vaterunser.
Nun geht es an die Verabschiedungsrunde. Gegenseitig umarmen wir uns, bedanken uns für die gemeinsame Zeit und das einander entgegengebrachten Vertrauen. Es ist ja nicht immer selbstverständlich, dass alle die engen Kurven kriegen.

Gegen 9.30 Uhr geht es in neuen Fahrtkonstellationen Richtung Heimatgarage.
Ich bin in einer Vierergruppe unterwegs und gemeinsam haben wir noch eine schwungvollen Fahrtag. Es wird mal wieder über 30 Grad.
In Frankenberg machen wir Rast und essen einen Eisbecher. Die Terrasse des Cafés ist überspannt mit vielen bunten Regenschirmen. Hier hängt der Himmel also voller Schirme. Wir sind also beschirmt, aber nicht nur hier fühle ich mich so. Die gesamte Reise stand unter einem Schirm.
Kurz nach 2 Uhr erreichen wir mit der Hilligen Seele den Startpunkt.
Somit schließt sich im Großen der Kreis der Pilgerfahrt, so wie wir jeden Morgen beim Zündfunken der Kreis im Kleinen geschlossen wurde.
Dem kurzen Dankgebet von Peter in der Kapelle möchte ich mich mit meinem Dank anschließen. Dank an das Tourguideteam mit der Orga im Hintergrund. Dank an alle die uns beherbergt haben und die, die uns auf der Tour begegnet sind. Dank an die, die mit mir diese Tour gefahren sind.
Und Dank an den Herren, der uns die ganze Tour begleitet hat.

 

Rainer

 

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