2018 | Schweiz & Oberitalienische Seen | Tour-Tagebuch

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6. Tag (Donnerstag, 06. September 2018)

Agriturismo Giacomino – Hotel Edelweiß, Schlinig

„Die Freuden und Leiden der Kleinen Hondi“.
Ich glaube, ich muss mich erstmal kurz vorstellen.
Ich bin die kleine CBF, ich möchte aber lieber Hondi genannt werden. CBF klingt fast so schrecklich wie GS oder ZR, ätzend, deshalb lieber Hondi.
Mein Besitzer ist auch dieses Jahr wieder auf einer Pilgerfahrt unterwegs. Und dazu braucht er mich. Ich finde es immer spannend, bevor es losgeht. Dann gibt es frisches Öl und dieses Jahr gab es auch ein Paar neue Schuhe…

Jetzt sind wir aber schon seit einigen Tagen unterwegs und in Italien angekommen. Wie ihr sicher wisst: ich habe italienisches Blut in mir. Ach war das schön, mal wieder die Kurven ausfahren zu können. Letzte Nacht habe ich ja schön geschützt unter einem Dach geparkt. Aber am Morgen war ich doch etwas unruhig. Plötzlich standen so viele nackte Schafe um mich herum und schnupperten an mir. Bääh!!!! Gut, dass ich keine kleinen Köddel abbekommen habe.
Mein Fahrer war währenddessen mit dem Zündfunken beschäftigt:
Wo will ich ankommen?
Wer bin ich?
Das sind ganz schön schwierige Fragen, auf die ich so auch keine Antworten parat habe.
Heute wollen wir jedenfalls erstmal wieder Richtung Heimat in den schönen Vintschgau fahren.
Nach der schönen, jetzt schon fast bekannten Abfahrt zum Comer See geht es erstmal im italienischen Gewusel Richtung Maloja-Pass - schön, dass wir hinter Chiavenna wieder freie Fahrt haben. In Bondo passieren wir den mächtigen Gebirgssturz von 2017. Es liegen immer noch mächtige Geröllmassen im Dorf und in der Nähe der Straße. Wie mächtig und auch schrecklich kann die Natur sein.

An einer kleinen schlichten Kirche ist ein kurzer Stopp, wo ich kurz verschnaufen kann. Als wir wieder in der Schweiz angekommen sind und die Passhöhe erreicht haben, öffnet sich das Tal. Ein strahlend türkisfarbener See tut sich auf. Am Silvaplanersee kann man sich sehen lassen und auch gesehen werden. Herrlich ist es auf den ordentlichen nicht so holprigen Straßen der Schweiz dahinzufahren. Aber ehrlich, in St. Moritz, dieser mondänen Welt möchte ich nicht Urlaub machen.
Schnell ist der Bernina-Pass erklommen, bei der Einfahrt in Livigno werde ich nun doch richtig nass. Vorher hatte mich auf der Bernina-Passstraße auch so ein blödes Straßenreinigungsfahrzeug schon ein wenig geduscht. Ich bin auch wieder etwas durstig geworden. Gott sei Dank steuert mein Besitzer eine Tankstelle an. Nach einigen technischen Problemen mit der Zapfsäule gibt es wieder etwas Sprit. Ich hoffe nur, es ist kein billiger Fusel, weil sich mein Fahrer über den günstigen Spritpreis freut.
Eine etwas längere Verdauungspause steht auch an, denn auch mein Fahrer muss wohl etwas trinken.

Gott sei Dank ist es auch schnell mit dem Regen vorbei. Etwas holperig geht es an einer Baustelle aus Livigno heraus, wie hasse ich das Stoppen und Anfahren im Stau. Kurz vor Bormio fahren wir auf einer genialen Abkürzung direkt auf die Stilfser-Joch-Straße. Schnell geht es weiter in die Höhe. Schnee- und Eisbedeckte Berge tauchen auf.
In einem schmalen Tunnel muss ich noch einmal kurz die Luft anhalten, ganz schön eng darin. Gut, dass jetzt hier eine Ampel installiert ist.
An einer Felswand kann man die Verwerfungen im Gestein deutlich erkennen. Mit welcher Kraft sind die Alpen in die Höhe gepresst worden.
Oben am Umbrailpass tauchen wieder dunkle Wolken auf. Rasch geht es deshalb runter ins Tal. Glück gehabt, nur einige Tropfen abbekommen! Unten angekommen sieht man schon von weitem den Vinschgauer Sonnenberg. Nur noch rasch in das Schlinig-Tal hinein, an der mächtigen Klosteranlage Marienberg vorbei.

Was war das wieder eine schöne Tour. Toll, was die Organisatoren von Pilgern mit PS immer wieder planen. Aber das Beste kommt wie immer zuletzt: Meine Garage, ich konnte es kaum glauben, ist wie ein Wohnzimmer für mich. Schön seine Räder nach so einer Tour auf einem Teppichboden ausstrecken zu können. Mein Besitzer muss wohl in der Küche schlafen.
Vielen Dank!

Stefan

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