2017 | Spurensuche | Tour-Tagebuch

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5. Tag (Mittwoch, 12. Juli 2017)

Landgut Ochsenkopf – Kloster Volkenroda

Hallo Lila, du liebes Tagebuch!

Dass ich heute ein paar Seiten in dir füllen darf, ist mir eine besondere Ehre! Denn ich bin noch nie im Leben so viel Motorrad gefahren, wie in den letzten fünf Tagen, 1175 km! Dabei war heute Mittag erst Bergfest, ob wir noch die 2000er Marke knacken?

Ja, Lila, ich durfte ganz viel lernen in den vergangenen Tagen, denn ich fahre erst seit 4 Jahren Motorrad, und das ist meine erste große Tour mit dieser Gruppe. Hier sind 24 nette und liebe Menschen auf Luthers Spuren unterwegs. Mit diesen Menschen macht es Freude zusammen zu sein. Das trifft besonders auf die vier Restlichen in meiner Gruppe zu. Ich fahre als Neuling in der Mitte, vor mir zwei BMWs. Sobald wir einen Ort verlassen und am Ortsausgangsschild sind, wird beschleunigt. Die 650-BMW röhrt dabei wie ein altes Dampfross, kein Wunder bei nur 1,9 ATÜ auf jedem Reifen. Beim Beschleunigen muss ich mich sehr anstrengen mit meinen 48 PS, aber ich komme mit. Hinten schirmen mich zwei nette Maschinen ab, besonders beim Überholen halten sie mir den Rücken frei, in dem sie früh auf die linke Seite ausscheren. Danke, liebe Gruppe für das Verständnis, wenn ich in den ersten Tagen etwas langsam war.

Nun zu heute! Wir steuern noch einmal Wittenberg an, wo vor 500 Jahren nicht nur die Kirche, sondern die Welt verändert wurde! Bei einer Ampel vor Wittenberg geht ein blinder Mensch über die Straße; er kann die Schönheit der Welt nicht sehen. Er kann die 254 km in 4,2 Stunden Fahrzeit nicht miterleben. Dabei mussten wir auf die leckere Bratwurst aus Thüringen und die Serpentinen des Kyffhäuser verzichten, denn es schüttete wie aus Kübeln, so dass wir unser Programm änderten und direkt über die Autobahn unser Ziel Volkenroda ansteuerten. Trotzdem erleben wir wieder ein reichhaltiges Picknick. Der Tisch war der Sitz eines Motorrads!
In Wittenberg entschädigte uns der Besuch der katholischen Mariengemeinde, wo wir einkehrten. Pfarrer Lorek erzählte, dass in Wittenberg 15 % Christen sind, 3 % Katholiken. 85 % gehören keiner Kirche an. Ein intensives Gespräch mit ihm, tolle Gastfreundschaft im Café. Am Ziel angekommen, fuhr Martin mit Rainer ins Krankenhaus wegen einem entzündeten Mückenstich. Rainer, gute Besserung, heute kannst du dich ja ausruhen, wir haben zwei Übernachtungen. Und übermorgen brauchst du dein linkes Bein nicht, deine Honda hat ja eine Schaltautomatik! So, lieber Gott, noch ein Wort an Dich persönlich: du hast uns heute mit so viel Wasser gesegnet, das reicht, segne uns heute bitte ohne Wasser.

• Sei vor uns und zeig uns den Weg auf Luthers Spuren
• Sei hinter uns und treib uns an bei Müdigkeit
• Sei neben uns, wenn wir vom Weg abkommen
• Sei unter uns und fange uns auf, wenn wir stürzen
• Sei über uns und segne uns, aber bitte wie gesagt, ohne Wasser!
• Segne uns die nächsten 5 Tage, du Vater, du Sohn, du hl. Geist.

Danke, dass ich euch kennenlernen durfte.

Euer Josef Becker

 

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