Tour-Tagebücher und mehr

2017 | Spurensuche | Tour-Tagebuch

Tagebuch der Teilnehmer an der Motorrad-Pilgerfahrt „Spurensuche“ - unterwegs auf Luthers und unseren eigenen Spuren…

8.-16. Juli 2017


1. Tag (Samstag, 08. Juli.2017)

Drüggelter Kapelle – Kloster Dalheim – Haus Iris, Sieber

 

Liebes Tagebuch „Lila“,

der Tag endete mit einer geselligen Runde von Fahrern aus verschiedenen KG´s, die Eindrücke von ihren Fahrten und witzige Anekdoten teilten. Stichwort „Pudding“ - hmm …. Gute Nacht :-)

Vorher war Abendbrot im „Kulmbacher Dachstuben“ und hier wurde ordentlich aufgetischt und, weil lecker, gerne verzehrt: Vorspeise: Hühnersuppe, Hauptgang: Schweinebraten mit Salzkartoffeln u. Rotkohl, Dessert: Schokoladenpudding mit Sahnetupferl.

Die Fahrten mit den Maschinen hatten uns trotz – oder wegen - des warmen und trockenen Wetters hungrig werden lassen. Unsere KG mit Tim als Tourguide (TG) hatte einen Umweg über Warburg gemacht, um für mich ein „Teilchen“ aus der Apotheke abzuholen und kam so auf 260 gefahrene Kilometer.

Vorher konnten alle Teilnehmer die Spurensuche im Kloster Dalheim, bei einer vielschichtigen Sicht auf das Leben/Wirken von Martin Luther, während einer ausgedehnten Führung in der Ausstellung, miterleben bzw. beginnen. Abschluss brachte ein kleiner Snack mit Kaffee und Kuchen sowie Gemüsesüppchen neben dem Klostergarten. Unsere Tourfahrten begannen aber natürlich vorher in der „Drüggelter Kapelle“. Thema unseres Zündfunkens war (lt. meiner Erinnerung) „Es ist nie zu spät etwas Neues zu beginnen!“ Auch wenn es für mich neu ist in solch einer Gruppe mitzufahren, auch wenn die Gruppe dich unterstützt, wenn du sie lässt - du bist derjenige der die Herausforderungen annimmt und auch schafft! Und genau dies macht auch echt viel Spaß.

Wilfried

 


2. Tag (Sonntag, 09. Juli 2017)

Haus Iris, Sieber – Kloster Helfta, Lutherstadt Eisleben

Good Morning, Lila.

Nach einer entspannten Nacht in der Herberge Sieber startet mein erster Zündfunke mit dem Strahlen meines Rücklichts. Was für ein leuchtender Tag, was für ein herrliches, köstliches Frühstück. Dankbarkeit steigt in mir auf. Ich darf mich einfach nur hinsetzten und genießen! Heute ist der Tag an dem du mich begleiten magst. Wir beiden auf den Spuren. Auf geht’s nach Elend. Was für ein seltsamer Name für einen kleinen Ort mit Harz. In der kleinsten Holzkirche Deutschlands werden wir einen Gottesdienst feiern. Es ist ein Ort der Stille, ein Ort der Gemeinschaft, ein Platz an dem wir uns und Gott begegnen werden. Die Feier ist stimmig mit schönen Texten und Gesang, begleitet vom Rhythmus der Gitarre. Ich fühle mich geborgen. Was für eine bewegende Gemeinschaft.

Wir machen uns auf zum Kloster Helfta in dem wir dann gemeinsam übernachten. Ich werde dich „Madame Lavendel“ in meinem Tankrucksack auf den Pfaden Martin Luthers durch die Straßen und Gassen zum Kloster bringen, vorbei an Feldern, Wäldern, Bächen und Seen, Hügel und Bergen. Auf geht’s! „Gute Fahrt“.
In Eisleben besuchen wir gemeinsam die Geburtsstätte und das Sterbehaus des Martin Luther. Beeindruckt bin ich von der Vielfalt seines Wirkens und den interessanten Ausführungen der Touristenführer. Was für ein Wissen steckt doch da in seiner Geschichte. Viele Bilder und Geschichten laufen in meinem Kopf umher. Erinnere dich an die Vergangenheit, träume von der Zukunft, aber lebe heute!

In der Kirche St. Petri-Pauli, in der Martin Luther getauft wurde, machen wir Rast. Ich öffne mit einem großen Metallschlüssel die Eingangstür um dich herein zu lassen. Eine schlichte Kirche mit wunderschönem Taufbecken. Ein helldurchfluteter Raum empfängt den Besucher. Ein Ort der Bewegung und der Stille. Diese Stille erfahre ich auch am Platz des Klosters. Eine spirituelle Kraft begleitet mich, ich spüre ganz deutlich meine weibliche Energie und fühle mich ein zweites Mal geborgen und getragen. Ein geschenkter wunderbarer Tag.

Sabine

 

 


3. Tag (Montag, 10. Juli 2017)

Kloster Helfta, Lutherstadt Eisleben (gepäckfrei)

Hallo Lila,

schön, dich kennenzulernen, hier bei dieser Pilgertour auf den Spuren Luthers. Ich hoffe, es ist dir heute nicht zu langweilig mit mir, im Kloster Helfta, den Tag zu verbringen. Ich habe in den letzten Tagen so viel von und über Luther gehört. Ich brauche eine Pause. Und hier auf der Bank im Labyrinth ist es wunderschön. Ein idealer Platz zum Innehalten.

Neue Erfahrungen für „Gashand, Geist und Seele“ steht auf meinem T-Shirt. Geist und Seele können sich an diesem Ort wirklich erholen. Mit der Gashand habe ich da so meine Schwierigkeiten. Ich bin nur eine Sozia. Meine Hand ist nicht am Gas. Meine Hände suchen Halt, wenn die Hand am Gas beschleunigt oder bremst. Ich bin nur eine Sozia. Aber ich habe Vertrauen in den Mann am Gas. Er wird es schon richtig machen, anziehen oder nachlassen. Auch damit mir nichts geschieht. Und ich habe Vertrauen in Gott, mit dem ich durchs Leben fahre und der mir Mut schenkt Gas zu geben, wenn ich noch zögere. Oder Besonnenheit, wenn ich mich mal wieder selbst überhole. Ich bin eine Sozia. Kein schlechter Platz! Denn ich fahre nie allein.

Marita

 


4. Tag (Dienstag, 11. Juli 2017)

Kloster Helfta – Landgut Ochsenkopf, Kemberg-Rotta

Liebes Tagebuch Lila,

heute habe ich dich im Gepäck. Wir haben die Klosteranlage Helfta verlassen, die uns zwei Tage als spiritueller Ort gedient hat. Vorbei ging es wieder an hügeligen Landschaften, an kleinen Seen, an Burgen und Schlössern – sogar Weinreben waren zu sehen.

Als Sozia kann man so eine Fahrt ganz anders genießen – den Fahrtwind – man kann seinen Gedanken nachhängen, immer hoffend, dass die Schutzengel mitkommen. Auf der „Straße der Romantik“ ging es ganz unromantisch an gedüngten Feldern vorbei. Ja, beim Motorradfahren werden alle Sinne angesprochen. Nach einer kulinarischen Pause erreichen wir unsere nächste Unterkunft, den idyllisch gelegenen Gasthof „Ochsenkopf“, wo wir freundlich empfangen werden. Was wird der Tag noch für uns bereithalten?

Nach einer kurzen Pause machten wir uns auf den Weg nach Wittenberg, wir sind schließlich auf den Spuren von Martin Luther. Zuerst ging es in ein 360 Grad Panorama-Museum, auf drei Ebenen zu besichtigen. Man taucht ein in das Leben in Wittenberg im 16. Jahrhundert. Es war sehr ergreifend, grandios und hat mich den weiteren Nachmittag sehr beschäftigt.

Nach der Besichtigung der Schlosskirche und des Lutherhauses haben wir in der Kleingruppe über das Tagesthema gesprochen (was verbindet – was trennt uns) und festgestellt, dass wir in der Gruppe weiter zusammenwachsen und uns besser verstehen. Das ist für mich eine schöne, erfreuliche Erfahrung. Nach dem Abendessen ging es beim „Nachtickern“ lebhaft zu. Das Thema (Verbindung-Trennung der Konfessionen) wird uns noch weiter beschäftigen. Es bleibt spannend.

Bärbel

 


5. Tag (Mittwoch, 12. Juli 2017)

Landgut Ochsenkopf – Kloster Volkenroda

Hallo Lila, du liebes Tagebuch!

Dass ich heute ein paar Seiten in dir füllen darf, ist mir eine besondere Ehre! Denn ich bin noch nie im Leben so viel Motorrad gefahren, wie in den letzten fünf Tagen, 1175 km! Dabei war heute Mittag erst Bergfest, ob wir noch die 2000er Marke knacken?

Ja, Lila, ich durfte ganz viel lernen in den vergangenen Tagen, denn ich fahre erst seit 4 Jahren Motorrad, und das ist meine erste große Tour mit dieser Gruppe. Hier sind 24 nette und liebe Menschen auf Luthers Spuren unterwegs. Mit diesen Menschen macht es Freude zusammen zu sein. Das trifft besonders auf die vier Restlichen in meiner Gruppe zu. Ich fahre als Neuling in der Mitte, vor mir zwei BMWs. Sobald wir einen Ort verlassen und am Ortsausgangsschild sind, wird beschleunigt. Die 650-BMW röhrt dabei wie ein altes Dampfross, kein Wunder bei nur 1,9 ATÜ auf jedem Reifen. Beim Beschleunigen muss ich mich sehr anstrengen mit meinen 48 PS, aber ich komme mit. Hinten schirmen mich zwei nette Maschinen ab, besonders beim Überholen halten sie mir den Rücken frei, in dem sie früh auf die linke Seite ausscheren. Danke, liebe Gruppe für das Verständnis, wenn ich in den ersten Tagen etwas langsam war.

Nun zu heute! Wir steuern noch einmal Wittenberg an, wo vor 500 Jahren nicht nur die Kirche, sondern die Welt verändert wurde! Bei einer Ampel vor Wittenberg geht ein blinder Mensch über die Straße; er kann die Schönheit der Welt nicht sehen. Er kann die 254 km in 4,2 Stunden Fahrzeit nicht miterleben. Dabei mussten wir auf die leckere Bratwurst aus Thüringen und die Serpentinen des Kyffhäuser verzichten, denn es schüttete wie aus Kübeln, so dass wir unser Programm änderten und direkt über die Autobahn unser Ziel Volkenroda ansteuerten. Trotzdem erleben wir wieder ein reichhaltiges Picknick. Der Tisch war der Sitz eines Motorrads!
In Wittenberg entschädigte uns der Besuch der katholischen Mariengemeinde, wo wir einkehrten. Pfarrer Lorek erzählte, dass in Wittenberg 15 % Christen sind, 3 % Katholiken. 85 % gehören keiner Kirche an. Ein intensives Gespräch mit ihm, tolle Gastfreundschaft im Café. Am Ziel angekommen, fuhr Martin mit Rainer ins Krankenhaus wegen einem entzündeten Mückenstich. Rainer, gute Besserung, heute kannst du dich ja ausruhen, wir haben zwei Übernachtungen. Und übermorgen brauchst du dein linkes Bein nicht, deine Honda hat ja eine Schaltautomatik! So, lieber Gott, noch ein Wort an Dich persönlich: du hast uns heute mit so viel Wasser gesegnet, das reicht, segne uns heute bitte ohne Wasser.

• Sei vor uns und zeig uns den Weg auf Luthers Spuren
• Sei hinter uns und treib uns an bei Müdigkeit
• Sei neben uns, wenn wir vom Weg abkommen
• Sei unter uns und fange uns auf, wenn wir stürzen
• Sei über uns und segne uns, aber bitte wie gesagt, ohne Wasser!
• Segne uns die nächsten 5 Tage, du Vater, du Sohn, du hl. Geist.

Danke, dass ich euch kennenlernen durfte.

Euer Josef Becker

 


6. Tag (Donnerstag, 13. Juli 2017)

in Volkenroda

Hallo Lila,

heute ist der 7. Tag unserer Pilgerreise „Spurensuche“. Unterwegs auf den Spuren Martin Luthers, den Spuren der Ökumene und auch auf unseren eigenen Spuren. Als der Tag für mich heute Morgen mit einem Gottesdienst um 7.30 Uhr begann, wusste ich noch nicht, dass ich heute Abend, anstatt zwei Bier zu trinken, euch liebe Mitpilgerinnen und –pilger ein paar Zeilen schreibe. Nach dem heutigen Frühstück starteten wir gleich mit der Klosterführung. Sehr interessant wurde uns die Geschichte der Klosteranlage über die Gründung durch die Zisterzienser, die Zerstörung sowie deren Wiederaufbau nähergebracht. Besonders interessant waren die Klosterkirche und der Christus-Pavillon. Dieser wurde als ehemaliges Ausstellungsstück von der Expo Hannover im Jahre 2001 in das Klostergelände integriert. Der Pavillon dient heute als Begegnungsstätte und für Konzerte und Ausstrahlungen und Gottesdienste. Da unser Redner Motorradfahrer ist, sehen wir ihn bestimmt mal bei einer PmPS-Tour. Nun müssen wir auch schon los, der nächste Termin wartet schon (Stress beim Pilgern, wer hätte das gedacht).

Mit leichtem Gepäck bei bewölktem Himmel und noch kühlen Temperaturen machen wir uns auf den Weg nach Eisenach zum Lutherhaus. Doch einer fehlt, Rainer, mein Hintermann, ungewohnt, aber OK, er nimmt sich heute eine Auszeit und stöbert wahrscheinlich nebenan im Gitarrenladen. Alle Gruppen dieser Tour erreichen die Ausstellung zur Ökumene pünktlich. Schnell die Sachen verstaut, noch eine bunte Brille geschnappt und schon geht es los. Eine sehr interessante Ausstellung, welche die Sichtweisen der beiden Kirchen, - evangelisch und katholisch – getrennt würdigt und in der Ökumene vereint. Aber da war ja noch die Sache mit der Brille, ein Glas rot, die Sicht der Katholiken, ein Glas blau, die Sicht der Evangelen. Und dazu passend rote und blaue Untermalungen in den Darstellungen, aber genau anders herum. Also, frisch ans Werk.
Kneife ich das eine Auge zu, sehe ich als Katholik, das andere als Evangele. Und wenn ich beide Augen öffne, so sehe ich rot und blau, das ergibt wiederum lila = ökumenisches Tagebuch.

Nach der Ausstellung trennen wir uns wieder in unsere Kleingruppen und sehen uns doch alle in den nahegelegenen Cafés wieder. Bei Eis, Kaffee und Kuchen, mit Karte, Navi und Lesebrille ausgestattet planen wir den weiteren Tagesablauf. Wir entscheiden uns für Fahren statt Laufen und starten bei optimalen Bedingungen Richtung Schmalkalden. Durch den Thüringer Wald, über weite Felder, schönen Kurven fahren wir über den Rennsteig. Wir sehen Sommer-Rodelbahn, Skispringschanze und Klettergarten. Doch zum Verweilen keine Zeit, heute sind Kurven angesagt. Und dann, nicht schon wieder, Anne hat wieder eine Baustraße entdeckt; Durchfahrt verboten. Leichtfertig setzt sie unseren Punktestand 3 : 1 aufs Spiel; soll heißen vier Baustellen und nur einmal mussten wir umkehren. Der 1. km läuft, keine Baumaschinen, nichts; dann LKW, Bagger, alles steht. Ein Bauarbeiter versperrt den Weg, erzählt von zurückschicken und 60 € usw. Aber - entweder war es Annes Blick, ich sage nur „blaue Augen“, weiblicher Charme halt, oder weil er selbst Motorrad fährt, wir dürfen vorbei. Ergebnis: fünf Versuche,
4 : 1, aber diesmal mit gelber Karte; oder mit zwei blauen Augen davon gekommen. Weiterfahrt bei schönstem Wetter, dann Pause, uns läuft die Zeit davon, 18.30 Uhr gibt es Essen „warm“.

Wir kehren um, noch ein kurzer Stopp am Wasserfall zum Wasserlassen und dann ging es aber zügigst los, Richtung Volkenroda. Anne hatte wohl mächtig Hunger und zog ordentlich am Kabel, ich als Letzter flog mehr, als dass ich fuhr. Selbst an den beiden Sozia-Maschinen konnte ich kaum dranbleiben. Aber es war geil, machte richtig Spaß. Nur leicht verspätet, „Danke Anne“, erreichten wir den Speisesaal. Schnell gestärkt stand schon der nächste Termin an. Abendandacht mit Rainer unserem Quotenpfarrer. Er hatte den Tag genutzt und einige Vor-bereitungen getroffen. Bei Gitarrenklängen und gemeinsamen Liedern konnte jeder für sich zur Halbzeit Resümee ziehen oder einen Ausblick geben. Ich für mich sage nur, gut, wie „Sahnetorte mit Cappuccino“. Und schon wartet das nächste Highlight: „DVD-Abend“ über das Pop-Oratorium Luther aus der Dortmunder Westfalenhalle, live Mitschnitt. Marita war live daran beteiligt. Tolles Konzert, so viele Chöre, Gänsehaut.
Am späten Abend wird in der Weinstube noch kreativ an einem Lied gedichtet. Da bin ich mal gespannt, ich freu mich drauf. So, das war‘s, der Tag ist rum, ein letztes Bier, eine geile Tour.
Ich schließe mit „Leila ist geiler“

Wolfgang Elfert

 


7. Tag (Freitag, 14. Juli 2017)

Kloster Volkenroda – Hotel Alt-Laubach, Laubach

Der Tag beginnt wie immer: aufwachen, Katzenwäsche, packen, Frühstück, Zündfunken, aufrödeln, Schlüsselabgabe, bezahlen. Für mich ist das ein sehr besonderer Ort, da, wo Altes und Neues, auch architektonisch wunderbar, zusammenfindet, wo Stille herrscht und Offenheit – ich komme wieder. Nach meinem Ruhetag gestern fühlt es sich gut an, wieder aufzubrechen, gemeinsam auf Spurensuche zur gehen. Die frische Morgenluft tut gut. Mein Schnabeltier, wie ich die große Dicke aus Bayern nenne, pfeift ihr Lied über die Straßen. Die Thüringer Landschaften gleiten vorbei. Hier ist man sehr nahe dran an den versprochenen blühenden Landschaften. Welch eine Wohltat für die Augen nach den sachsen-anhaltischen Agrar-Steppen! Bei einer kurzen Rast sehen wir Mutterkühe mit ihren noch kleinen Kälbern. Die tollen wild herum und schlagen aus. Die Mamas geben ihren Missfallen über so viel jugendlichem Ungestüm lauthals Ausdruck - das pralle Leben! Bei Steinbach halten wir an. Nach einem kleinen Fußweg - pilgern ohne PS und ohne GS - sind wir an der Stelle, wo aus Martin Luther Junker Jörg wurde. Von dort wurde er auf die Wartburg gebracht, wo er die Bibel vom Lateinischen ins Deutsche übersetzte. Das imponiert mir. Wir wissen heute, dass er damit Geschichte schrieb, auch für Deutschland. Auf eine innige Weise fühle ich mich Thüringen immer noch sehr verbunden. Dort habe ich in der Nachwendezeit gearbeitet, es hätte Heimat werden können. Unsere große Mittagspause haben wir in Bad Liebenstein. Wilfried bestellt ein Super-Dooper-Turbo-Mega-Burner-Burger. Der Preis lässt auf eine ansehnliche Größe schließen. Als das Teil auf dem Tisch abgeladen wird, wird seine Größe von Wilfrieds schreckgeweiteten Augen übertroffen. Na dann, Mahlzeit! Uns anderen werden nur geringfügig überschaubarere Mengen serviert. Ich neige nicht zu Übertreibungen, das Ergebnis wird für die Nachwelt fotografisch festgehalten und im Fotobuch zu bestaunen sein – Ende des Werbeblocks!
Dann geht es weiter, immer weiter, das Baustellenlotto steht 2 : 0 für die Pilger.
Ach übrigens: Gruppe? wird!

Die ehemalige innerdeutsche Grenze fliegt vorbei, sie ist nicht mehr sichtbar, aber noch in manchen Köpfen. Ich gerate in einen Flow, alles funktioniert wie von selbst, das obere und das untere Teil des Motorrads werden zu einem Ganzen. Mich erreicht mein Ordnungsruf: Menschlein, Menschlein, überschätze dich nicht. Ankunft in Laubach mit Einfüllen diverser Kaltgetränke.

Zwei Fragen haben mich den ganzen Tag über bewegt:
1. Stellen wir uns einmal vor, der ehrenwerte Professor Martin Luther säße als Ehrengast in der ersten Reihe, neben anderer Prominenz, in der Westfalenhalle mit 20.000 Menschen anlässlich der Uraufführung seines Pop-Oratoriums. Was hätte er wohl drüber gedacht? Eine Antwort könnte die sein, die auch im Text des Oratoriums zu hören ist: es geht nicht um mich! Ich denke, es geht um Glauben, um den persönlichen Glauben, um die Beziehung zu Gott. Das ist etwas, was in derartigen Großveranstaltungen zu kurz kommt. Es gibt sicher noch mehr Antworten, die muss jeder für sich finden. Jedenfalls fühle ich mich mit meinem Glauben auf dieser Reise besser aufgehoben.
2. Stellen wir uns einmal vor, der ehrenwerte Professor Martin Luther, wohl unter dem Decknamen Junker Jörg, wäre mit uns auf seiner Moto-Guzzi, oder sollte ich besser landestypisch
eine MZ nehmen, unterwegs auf Spurensuche. Ich behaupte: vermutlich wäre er ziemlich begeistert, über Spaß, gutes Essen (siehe heute Mittag), geistige Getränke und geistlichen Input.
Doch da fällt mir ein: er fährt ja tatsächlich mit, er ist der Rahmen unserer Reise, dazu braucht er weder Guzzi noch MZ.

Wir hingegen – ganz irdisch – geben morgen wieder den Zündfunken, denn die Spurensuche geht erfreulicherweise morgen wieder weiter und hört auch dann nicht auf.

Thomas aus dem Noch-Süden für Pilgern mit GS

 


8. Tag (Samstag, 15. Juli 2017)

Hotel Alt-Laubach – Hotel Burgklause, Nickenich

Spurensuche Martin Luther, wir suchen – wir finden, aber der Reihe nach.
Wie es sich gehört, möchte ich mich erstmal dafür bedanken, dass wir, also Du Lila und ich, zueinander gefunden haben. Gut, Martin hat da etwas nachgeholfen, aber ich freue mich drüber, denn somit hat für mich nun diese Reise alle Komponenten, die ich mit für diese Spurensuche gewünscht habe und die für mich zu einer tollen Tour dazu gehören.
• die Vorfreude war lang und intensiv
• das Vortreffen hat die Stimmung verstärkt
• der Start am 08.07.ist super verlaufen
• auf unserer Spurensuche sind wir häufig fündig geworden
• WIR haben zueinander gefunden
• …später wird das Fotobuch sicher folgen
d. h.: es ist angerichtet.

Aber nun zum heutigen Tag. Ich werde Dir Zahlen, Daten und Gedanken anvertrauen und Dich somit an meiner Freude und meiner Tour bzw. Reise teilhaben lassen.
6:40 Uhr ich wach auf mit dem Gefühl, wirklich gut geschlafen zu haben, doch meine Augen wollen sich noch nicht wirklich öffnen.
7:00 Uhr Duschen. Die Dusche tut echt gut, erfrischt und macht mich fit für den Tag.
8:00 Uhr Frühstück – reichhaltig und gut, es ist eigentlich für jeden etwas dabei.
9:00 Uhr Zündfunken

Mittlerweile sind unsere Mopeds startklar und warten auf uns, aber sie müssen sich noch etwas gedulden. Wir feiern den Zündfunken mit obligatorischem Helmkreuz auf einer kleinen Brücke hinterm Hotel.
Stichworte: Brücke gleich verbinden, da bietet sich der Gedanke der Verbindung von katholischer und evangelischer Kirche an, somit Ökumene. „Bridge over trouble waters.”.
Lied: „Am Anfang war das Wort“

Erster Abschied von der Gruppe, Marita und Matthias treten den Heimweg an – in Gedanken sind wir bei Euch (später beim Nachtickern erfahren wir, dass sie gut daheim angekommen sind, sich jedoch als „aus dem Nest gefallen“ fühlen – den Gedanken kann ich teilen, jedoch sind sie jederzeit herzlich willkommen).

9:30 Uhr Jetzt aber auf die Mopeds und los. Marita und Matthias winken uns zum Abschied zu, ein komisches Gefühl, doch ich bin mir sicher, wir werden uns wiedersehen.
9:48 Uhr Tanken in Laubach-Wetterfeld, 3 km, Super kostet 1,309, 7,32 Liter, Rechnungsbetrag 9,58 €, na ja, das geht ja noch.
Laubach-Wetterfeld? So wie man es spricht, als FELD, aber es geht schon wieder los mit den Wortspielen. Das Wetter wird nicht fallen, also nicht „Wetter fällt“, mit „ä“, es wird sich halten, ich bin mir sicher, und es wird sich als richtig bestätigen – Ich freue mich darüber, nicht über die Bestätigung, aber das es wirklich Top-Fahrwetter war.
10:00 Uhr Unsere Kleingruppe muss abrupt bremsen und halten. Tim steht als erster (ist ja unser Guide), ca. 50 m vor der Gruppe, Dagmar wirkt irritiert. Mist, sie hat ihren Tankdeckel an der Tanke vergessen – Schade. Wilfried als kühner Ritter eilt umgehend zur Tanke zurück, um den „Hinterliegengebliebenen“ zu holen – in dem Moment passiert uns die Gruppe von Martin. Wir winken uns freundlich zu, Daumen hoch und gute Fahrt.
ab 10 Uhr Gedanken
Seit dem 2ten Tag habe ich Wilfrieds Rucksack als Gepäck auf meinem Moped. Solch eine Reise mit Rucksack? Nein, das ist doch nix. Wenn ich so darüber nachdenke, frage ich mich doch, warum wir (also alle und so) uns nicht häufiger einfach mal helfen und unterstützen – das tut doch gar nicht weh. Ich nehme also seine Last von ihm, er freut sich, ich freue mich, und wir werden von der Gruppe getragen und die Last wird immer leichter. Die mathematische Ableitung dazu lasse ich hier mal weg. Du, das Tagebuch fährst ja übrigens auch nicht bei mir mit, sondern bei Tim im Luxus-Liner. Dir soll es auf der Reise ja gut ergehen und unbeschadet und ohne „Eselsohren“ unser Tagesziel in Nickenich erreichen. Aber es stellt sich mir folgende Frage. Tagebuch schreiben – will ich das eigentlich?
Tagebuch = Leistungsdruck = Termine = Erwartungsdruck => Pflicht?
Nein, wenn es um Pflicht geht. Ja, wenn ich es schreiben darf => und so ist es.
Ich mache mir Gedanken über das Fotobuch zur Reise. Will ich das eigentlich wirklich machen? Fotobuch => viel Arbeit => viel Zeit => die eigene Messlatte liegt hoch => Leistungsdruck => Erwartungshaltung => Termine => Pflicht? Will ich das?
Nein, wenn es um Pflicht geht. Ja, wenn ich es schreiben darf und kann. Eigene Zielvorgabe: noch in 2017 - sollte zu schaffen sein.
11:15 Uhr Kurze Pause. Beine vertreten, in die Büsche oder hinter einen Baum treten, kurz was Trinken, Essen, Rauchen und schon geht es weiter – der Zeitplan ist heute etwas straffer.
12.30 Uhr Pause in Niederelbert. Leberkäs-Brötchen (teilweise mit Senf) aus der Fleischerei Kilian, anschließend noch Eis und/oder Heißgetränke im Eis-Café Abrazzo gegenüber. Es geht weiter, also auf die Mopeds und los.

Gedanken
Morgen ist schon Sonntag und wir werden unser Ziel erreichen. Wir sind uns alle einig, wir wollen nicht am Ziel ankommen, sondern lieber auf der Durchreise sein und die Gedanken weitertragen.
Wir wollen in dieser Beziehung erfolgreich sein. Erfolgreich? Da ist es wieder – will ich das wirklich? Erfolgreich => Leistungsdruck => Will ich das? Eine Antwort habe ich nicht wirklich für mich, aber ich freue mich, wenn ich es schaffe und wäre sehr dankbar dafür.
Fotografieren
Ja, ich mach viele Fotos und habe Freude daran, die ich gerne mit meinen Mitfahrerinnen und –fahrern teile, aber wie empfinden es wohl die anderen? Stört es?
Eigentlich gibt mir die Gruppe ein positives Feedback. Von daher nehme ich es als „genehmigt“ und „akzeptiert“ auf. Einige davon werden sicher den Weg ins Fotobuch finden und ich hoffe, sie werden neue Freude und Erinnerungen er-wecken.
Mich beschäftigt eine WhatsApp eines guten Freundes, „Hatte einen Autoun-fall, keine Schuld, Auto Totalschaden, mir geht es gut.“ Ich vertraue seinen Worten, aber wie sagt man: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Werde ihn morgen nach meiner Rückkehr umgehend anrufen, denn ich kenne die Bilder und habe Bilder im Kopf.
12:40 Uhr 140 km gefahren. Wir sind in Koblenz eingetroffen. Koblenz = Großstadt, jetzt ist eine gute Fahrgruppe und Disziplin gefragt. Bisher war die Strecke echt toll. Abwechslungsreiche Straßen und Landschaften, doch nun haben wir andere Umstände und das Fahren bekommt eine neue Anforderung. Fahren in der Gruppe, jedoch häufig gebremst durch Autos, LKW, Bus oder auch Radfahrer. Ich werde etwas unruhig, aber das ist absolut unbegründet. Wir, ja WIR als Gruppe funktionieren und geben auf einander Acht. Auch diese Aufga-be/Prüfung bestehen wir gemeinsam ? Ich bin stolz auf uns, uns als Gruppe.
14:25 Uhr Ankommen am Hotel „Burgklause“ – 175 km gefahren, fix abpacken und es geht schon weiter – wir haben um 15 Uhr einen Termin.
14:48 Uhr Wir erreichen den Parkplatz vom Kloster Maria Laach. Ticket bezahlen und per Pedes hoch zur Pforte.
15:00 Uhr Geschafft – pünktlich sind wir am Etappenziel angekommen.
Dr. Lindfeld und Pater Augustinus begrüßen einander, dann werden wir begrüßt und schon beginnt für uns eine tolle Erfahrung. Wir dürfen uns die Wanderausstellung „Luther in Laach“ anschauen. Betonung liegt hier auf WIR.

Wir alle als Gruppe.
Das Besondere daran: Sie befindet sich in der historischen Jesuiten-Bibliothek, welche 260.000 Bände besitzt und davon ca. 50.000 in der Bibliothek uns tatsächlich zeigen – ein gewaltiger und überwältigender Anblick. Pa-ter Augustinus erläutert uns die Wanderausstellung sehr interessant und lebendig. Wollte ich hier Details berichten, so wäre die sicher ein eigenes Buch wert, daher hier nur ein paar Stichworte:
Zwei Grundfragen:
1. Woher hat Luther das, was er sagt?
2. Was wurde aus dem, was Luther gesagt hat?
Die Ausstellungsobjekte befinden sich in 11 Schaukästen die folgende Beschriftungen haben:
1. Im Dialog mit Luther
2. Luther im Dialog mit der Heiligen Schrift
3. Luther im Dialog mit Augustinus
4. Luther im Dialog mit Bernhard von Clairvaux
5. Kritischer Dialog
6. Übersetzung als Dialog
7. Luther im Dialog mit Luther
8. Bekenntnis im Dialog
9. Liturgie als Dialog
10. Verweigerter Dialog
11. Ökumenischer Dialog
Als Fazit der Ausstellung halt ich für mich fest: eine tolle Erfahrung, diese Ausstellung in diesen Räumen gesehen zu haben. An dieser Stelle mein Dank an all denen, die dieses ermöglicht haben, nicht zuletzt an Pater Augustinus, der uns vieles sehr nahe gebracht hat.
16:00 Uhr Wir genießen noch etwas Zeit vor dem Dom bzw. einige von uns gehen auch hinein. Ich widme mich dem Fotografieren. Diesmal der kleine Playmobil-Luther vor dem großen Dom. Meine Meinung: teilweise klasse Bilder.
16:35 Uhr Wir verlassen den Vorplatz.
16:45 Uhr Kaffee, Tee und/oder weitere Kaltgetränke mit Streuselkuchen im Café bzw. im Kloster-Biergarten.
17:30 Uhr Nachtickern im Kloster-Biergarten. Ich denke, ein offener ehrlicher Austausch und wir resümieren im Kollektiv: Ein toller Tag und eine tolle gemeinsame Pilger-Wochen-Zeit mit vielen neuen Ein- und Ansichten. Die Spurensuche jedes Einzelnen geht weiter.
17:48 Uhr Es geht weiter – ab zum Parkplatz.
17:55 Uhr Wir entdecken auf dem Parkplatz zwei Motorräder aus Paderborn, ohne Fahrer, bzw. Fahrerin. Also, zwei Visitenkarten dran und weiter.
18:00 Uhr Abfahrt zur nächsten Tanke - eine Shell. Ein paar Daten: 179 km, 1,299 €/l Getankt 9,03 Liter. Verbrauch = 5,044 l/100 km. Das kann sich sehen lassen.
18:15 Uhr Abfahrt von der Tanke. Wir entdecken ein Schild. Durchfahrt verboten – Motorräder frei. Natürlich kollektives Lächeln unterm Helm.
18:30 Uhr Rückkehr an der Burg Klause in Nickenich. Angekommen für heute, zumindest geographisch. 185 km, mein Moped hat nun 78.275 km geschafft. Ich bin stolz auf sie.
19:00 Uhr Essenszeit. 3-Gänge-Menü, das wir uns schmecken lassen, ergänzt durch das ein oder andere Kaltgetränk.
21:00 Uhr Nachtickern in der großen Runde mit Reflexion auf die Woche aus verschiedenen Perspektiven.
21:45 Uhr Ende des Nachtickern mit dem „Pilgern-mit-PS-Blues“
Anschließend lassen wir den Abend im Kollektiv ausklingen. Dabei erzählt mir Martin noch, was sich bei ihnen heute in Grävenwiesbach zugetragen hat. Worum ging es? Martin wollte Diakon Pauli ein Fotobuch des diesjährigen BDW übergeben. Leider war er persönlich nicht zugegen, aber dafür lernte die Gruppe um Martin, also Sabine, Josef, Conny und Michael seine Frau kennen. Die Überraschung ist wohl dennoch gelungen. Ich denke, wenn „Pauli“ aus Kiel zurückkehrt, wird er sich melden.
Nach so vielen Worten möchte ich nun meine Ausführungen mit wenigen schließen: Vielen Dank & ich bin glücklich darüber, dass ich dies alles mit solch einer tollen Gruppe erleben darf.

Mike aus Tö.

 

 


 9. Tag (Sonntag, 16. Juli 2017)

Der letzte Tag unserer Spurensuche!

Um 7.30 Uhr wird gemeinsam gefrühstückt. Die erste Frage ist: Bleibt es trocken oder werden wir gesegnet? Es soll trocken bleiben aber bewölkt sein. Also keine Pelle anziehen, prima!

Alles zusammenpacken, Schlüssel abgeben, danach kommt der Zündfunke. Als Mike nun Lila nimmt, um vorzulesen, man glaubt es kaum, fängt es an zu regnen. Mike liest immer schnel-ler, doch Lila wird ganz schön nass. Nun Pelle an und los.

Wir fahren in unseren Gruppen nach Altenberg zum Dom. Kurz vor Altenberg wurden wir auf einer kurvenreichen Strecke durchgeschüttelt (fast wie im Riesengebirge). Am Dom ange-kommen nun Kaffee trinken und Kuchen essen.

Ich gehe allein in den Dom, bemerke sofort, dass ich nicht oft in eine katholische Kirche gehe, sonst würde mir der Weihrauch öfter in der Nase sein. Schaue mir die schönen großen Fens-ter an, nun schnell wieder raus. Auf einmal möchte ich nach Hause.
Ich verabschiede mich von allen, vielleicht sieht man sich beim Nachtreffen wieder, wäre schön.
Ich habe mich in „meiner Gruppe" immer wohl gefühlt. Es war schön, dass neue Gesichter dabei waren.

Gerade denke ich an einen Spruch von Dietrich Bonhoeffer:
Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurch finden zu den großen Gedanken, die einen stärken.
„Pilgern mit PS verbinde ich für mich mit großen Gedanken"

Rita

 

2017 | Steirische Alpen | Tour-Tagebuch

Tagebuch der Teilnehmer an der Motorrad-Pilgerfahrt in die Steirischen Alpen

2.-10. September 2017


1. Tag (Samstag, 02. September 2017)

 

Liebes Tagebuch,
ich freue mich, wieder an Dich schreiben zu können! Endlich wieder mit den „PimPSen“ unterwegs sein oder wie ich es im Freundes- und Kollegenkreis benenne: mit den Heiligenscheintours unterwegs. Denn damit ist „Ferne“ etwas anderes als die Ferne in einem normalen Urlaub. Auch spannend, neu, voller unbekannter Landschaft und Menschen – mit Pimps jedoch weit flüchtiger und immer unbekannt bleibend.
Und das ist der Punkt von vielen, der mich in die Ferne zieht – was die anderen in die Ferne zieht, durfte ich gerade beim Nachtischerfahren.

Ich bin schon wieder beseelt von diesem Gefühl der großen emotionalen Nähe mit im Grund doch recht fremden oder soll ich sagen fernen Menschen. Allein durch unsere „Überschrift“ möglich, allein durch den Willen zum Austausch und natürlich einem gemeinsamen Hobby: dem Motorrad fahren.
Das ging heute recht …….für mich an – wieder im Regen verkrampft, wieder gefühlt zu zaghaft. Warum nur kann ich in der Ferne nicht auch meine selbstzentrierte Malusorien…..
genauso zu Hause lassen wie meine berufliche Funktion mit all ihren Erwartungen und Ansprüchen. Letzteres ein ganz großer Grund, warum es mich in die Ferne zieht: da hat i.d.R. niemand Erwartungen und Ansprüche an mich. Da kann ich mich wie ein unbeschriebenes Blatt fühlen und auch sein.
Ich bin jetzt von den Sitzungsräumen des Ringberg Hotel Suhl in unser Zimmer umgezogen – im Foyer/Barbereich findet eine Art Disco statt. Kein Grund in die Ferne zu ziehen – zumindest nicht hier hin. Beruhigt bin ich durch Friedhelms Roomservice – ein kühles sehr bekömmliches Köstritzer Kellerbier – heißt es doch, dass die Pilger doch nicht der schon befürchteten Dehydrierungen zum Opfer fallen.
Über Gründe, warum es mich in die Ferne zieht oder auch diesen ersten Pilgertag könnte ich nun noch seitenweise schreiben – tue es aber nicht, was sicher auch dazu beitragen wird, morgen nicht erst mittags zu starten.

Ich freue mich ungemein auf die vor mir liegende Woche, sowohl auf alles Ferne und Fremde als auch auf alles nahe und vertraute und nicht zuletzt auf mich selbst.

Regina (…die große, mittlerweile sehr kurzhaarige Blondine)

 


2. Tag (Sonntag, 03. September 2017)

Pilsen

Hallo Tour Tagebuch,
langsam endet der 2. Tag unserer Tour in die steirischen Alpen. Inzwischen ist es 21.30 Uhr. Das Nachtickern ist soeben beendet und jetzt lasse ich dich den Tag Revue passieren. Heute Morgen beim Zündfunken bekamen wir für den heutigen Tag die Losung „Neues erfahren“ zum Nachdenken unterm Helm.

Was haben wir heute Neues erfahren?

  • kurvenreiche Strecken durch den Thüringer Wald, das Vogtland und Egerland
  • ein hervorragendes Mittagessen in einer urigen Gaststätte in Gumpertswirth/Gattendorf
  • auch mussten wir öfter schlechte Straßen erfahren, haben dafür aber eine wunderschöne Landschaft kennengelernt
  • auch haben wir erfahren, dass wir in der Gruppe voneinander lernen können

Neues erfahren heißt aber auch, sich darauf einlassen und sich auf den Weg machen. Unser Weg für heute endete in Pilsen im Hotel Purkmistr. Dort trafen wir gegen 17.30 Uhr ein in konnten das Willkommensbier so richtig nach einem erfahrungsreichen Tag genießen.

Gudrun

 


3. Tag (Montag, 04. September 2017)

Zunächst einmal: Wann jemals wieder habe ich Euer aller Aufmerksamkeit so wie jetzt, beim Vorlesen des Tagebuchs? Darum nutze ich die Gelegenheit, Euch herzliche Grüße auszurichten und eine gesegnete Tour zu wünschen von Rainer Holtgrewe und Markus Simon.

Zündfunkenthema heute: Wie kann ich mich die Gemeinschaft einbringen?
Anschließend wie gestern: Starthilfe für Hubert.
Zwar ist es recht frisch, aber die Sonne lacht! Aber nicht nur die Sonne – auch der Smiley, der sich freut, dass ich mit 49km/h in Stovlince einfahre.
Alles lächelt, auch die schöne Strecke lacht mir zu und die strahlende Aussicht.
10.35 Uhr erste Pause auf einer Fußballfeld - großen Wiese. Weil alles lächelt, besonders die Sonne, überlege ich laut, ob ich die Regenpellehose ausziehen soll. Sofort entsteht wilder Protest der Gruppe: „ Bist du wahnsinnig – lass das!!“ Ist ja gut – ist ja gut! Soviel zu Thema: „Wie kann ich mich in der Gemeinschaft einbringen…

Das Ergebnis gibt dem Protest der Gruppe Recht. Weiterhin ist die Strecke, das Wetter, die Kurven traumhaft. Achtsamkeit geht mir durch die Kopf. Lass es nicht zu, dass diese Eindrücke zur Routine vergammeln. Genieße!
Carpe diem! Sei achtsam im Hier und Jetzt. Nicht nur der Natur oder den Mitpilgern gegenüber. Auch achtsam gegenüber dir selbst. Sei achtsam – gib auf dich acht!

Mittags irgendwann: Kaffee – und Kuchenpause. Hubert will sich ……und sich in Linz eine neue Batterie einbauen zu lassen. Ich begleite ihn. Die Gruppe ist weg. Hubert und ich starten. Ein Baustellenschild und „Durchfahrt verboten“ stellen sich uns in den Weg. Ich denke, was Mike kann, kann ich auch…hat geklappt! Hubert ist zwar weiterhin hinter mir, aber Wolfgang fehlt vorne – die anderen auch! In Linz verschwindet Hubert im Batteriewechsel Fachmarkt und ich besorge Kaffee in einer Bäckerei.
Die junge Dame fragt mich irgendwas – „“Hä?“ – ich hebe fragend die Brauen. Sie wiederholt die Frage, ich wiederhole das Brauen heben. Sie winkt ab und gibt mir zwei Kaffee. Rainer Holtgreve fällt mir ein, der mir mal erklärte:“ der größte Unterschied zwischen Deutschland und Österreich ist die gemeinsame Sprache“. Hubert ist mit der Reparatur recht schnell fertig. Ab nach Groß Gerings. Und jetzt werden wir richtig nass! Die Hose wirkt wohl nur, wenn die Gruppe vollzählig ist.

Hermann Josef ist mit seiner Gruppe schon da, Mike zeigt nur, wo wir parken können. Die anderen treffen jetzt auch ein. Alle da – ein schönes Gefühl!
Das Abendbrot ist vorbei – das Nachtickern ist vorbei – es war mal wieder ein wunderbarer Tag, den ich nicht zur Routine vergammeln lassen werde!

Dank an meine Kleingruppe, Dank an alle 32, in deren …..ich mich so gut aufgehoben fühle. Und Dank auch – nach ganz oben!

Martin

 


4. Tag (Dienstag, 05. September 2017)

Groß-Gerungs – Mutterberg/Häuserl im Wald

Es ist Dienstagabend, der vierte Tag ist nun fast vorüber. Schnell wie die Zeit vergeht. Was ist heute passiert? (ein unvollständiger Versuch zu berichten)
Ein herrlicher sonniger Morgen in Groß-Gerungs.
Der morgendliche Zündfunken fand oberhalb des Hotels naher einer Obstwiese statt. So konnten einige schnell noch ihren Hunger auf eine Apfel stillen (die sind ja dieses Jahr in unseren nördlichen Gefilden etwas seltener anzutreffen)

Unser Geburtstagskind Friedhelm wurde mit einem kleine Ständchen geehrt.
Als Thema des Tages wurde „was bewegt mich, was beschäftigt mich unter meinem Helm“ als Anreiz gegeben. Dazu gleich mehr.
Denn bevor mit dem Nachdenken begonnen werden musste, wurden sowohl die Vorräte für das Motorrad (Benzin) als auch für leiblichen Genuss (Leberkäs Semmel …..Hirsch) bzw. Getränke von Feinkost Hofer gebunkert.
So gut gerüstet starten wir um das Waldviertel unsicher zu machen. Da gibt es so viele schöne Straßen und Hügel, so dass von mir gefühlt viele Berge von allen Seiten in Augenschein genommen wurden. Insbesondere der Ort Gutenbronn hatte Thomas so inspiriert, dass wir ihn zweimal anfuhren. Herrlich!

So jetzt komme ich zum Nachdenken, was bewegt mich:
Es ist doch fantastisch in einer Gruppe zu fahren, entspannt die Landschaft genießen zu können und so wissen, dass man gut und sicher an der nächsten Ort geführt wird. Einfach loslassen und so in der Nähe des Wallfahrtsorts Maria Taferl. Vom gegenüberliegenden Hügel können wir diese prächtige Kirche bereits sehen. Als könnte Thomas Wünsche erahnen, fahren wir die Kirche an und stoppen zu einer kleinen Sightseeing Tour (wir sind auch nicht die einzigen, die wir dort treffen) Zur Bekräftigung dieses Gedankens „Einfach mal loslassen und sich führen lassen“, sehe sich ein großes Plakat.
„Mal das Ruder aus der Hand geben“. Dies ist eigentlich ein Werbeplakat für eine Brauerei und passt aber ganz gut.
Kurz danach ein weiteres Plakat „Sei ohne Sorge – Gott ist da“. Passt auch irgendwie. Nach dem Wallfahrtsort Maria Taferl geht es zügig zur Donau herunter in Richtung Stift Melk ……diese riesige Anlage auf dem Hügel.
Was die Menschen wohl damals gedacht haben, als sie diese goldüberfrachtete Barockbasilika gesehen haben?
Nach dem Verzehr unserer Semmeln im Vorgarten es Stifts, sind wir gestärkt und es kann fast in einem Rutsch Richtung Steiermark gehen.

Die Berge kommen langsam immer näher. Der erste „Pass“ Hengstenpass wird genommen. Die Pferde meiner kleinen Honda jubeln. Noch ein weiterer kleiner Pass wird genommen: der ……pass . Es macht Vorfreude auf die nächsten Tage. Der Rest wurde auch noch geschafft, auch die etwas nervige Rollsplitt Strecke.
„Jetzt sind wir in der Steiermark“

Stefan

 


5. Tag (Mittwoch, 06. September 2017)

Gröbming / Mitterberg / Häuserl im Wald

Heute ist der erste Rundfahrt Tag ohne Gepäck. Wir treffen uns wie gewohnt zum Zündfunken. Dieses Mal hinter dem Hotel. Stefan verlas seinen Tagebuch Eintrag. Drei Hotelgäste, die interessiert unserem Treiben zuschauten wurden eingeladen mit uns zu beten und zu singen. Unter dem Motto „Wie ist deine Rolle in deinem Leben?“ hatten wir einen neuen Zündfunken für den Tag. Alle 4 Gruppen fuhren in verschieden Richtungen davon. Die Gruppen waren heute nicht komplett, denn Wilfried, der technisch bedingt einen Ruhetag einlegen musste und Tim und Wolfgang, die einen kulturellen Tag einlegten, waren nicht alle dabei. Nach dem die Mopeds vom Hof waren, kehrte eine ganz komische Ruhe ein. So etwas habe ich in den ganzen Jahren „Pilgern mit PS“ noch nicht erlebt. Alle Pilger sind weg und man steht alleine da. Es war eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich fahre mit Tim zum Benediktiner Stift Admont, ca. 50 km entfernt. Wir besichtigen dort die Klosterkirche, das naturhistorische und das kunsthistorische Museum. Unter dem Titel „Dem Himmel nahe“ gab es in diesem Jahr eine spätgotische Ausstellung mit Skulpturen und Bildern. Wir fühlten uns in die Zeit kurz vor Luthers Reformation hineinversetzt. Aber am beeindruckendsten war das so genannte „8. Weltwunder“. Wir bekamen eine Führung geboten durch die weltweit größte klösterliche Bibliothek mit ca. 70.000 Büchern. In der Gruppe wurde ich gefragt:“Wie kannst du jetzt den Bogen vom Stift zu unserem Motorrad Pilgern schlagen?“ Ganz einfach. Das Stift ist der Startpunkt des „Hemma Pilgerweges“ von Kloster Admont bis Kloster Gurk.

Die heilige Hemma war Gründerin des Benediktiner Stiftes im Jahre 1074. Wenn ich im stift lese, was pilgern bedeutet, nämlich „Pilgern bedeutet, die Perspektive zu wechseln, Begegnungen zuzulassen, sich auf Gott und sich selbst zu besinnen und eine Neuorientierung für die Anforderungen im Leben zu bekommen“.
Also finde ich, warum wir auch heute im Pilgerplan, selbst ohne Motorrad fahren. Zum Abschluss sage ich „Ja“, sag ja zu den Überraschungen, die seine Pläne durchkreuzen, deine Träume zunichtemachen, deinem Tag eine ganz andere Richtung geben…
ja vielleicht deinem Leben. Sie sind nicht Zufall. Lass dem himmlischen Vater die Freiheit, deine Tage zu bestimmen (Helder Camara)
Nichts desto trotz, freue ich mich heute darauf mit euch, liebe Pilger, durchs Salzkammergut zu fahren und neue Pilgerwege zu entdecken.

Wolfgang H.

 


6. Tag (Donnerstag, 07. September 2017)

Gröbming

Liebes Tour Tagebuch,
heute, an meinem Namenstag, bist du bei mir gelandet.
Nach einer stürmischen Nacht, war es zwar kalt und bewölkt, aber trocken. Zum Zündfunken sind wir in eine kleine Kapelle in der Nähe gefahren. Alle passten hinein und auch die Tür konnte noch geschlossen werden, aber die Helme mussten diesmal draußen bleiben. Als Impuls hörten wir den Poetry Slam von Marco Michalzik „ Was ist mir heilig?“ und wofür lohnt es sich zu kämpfen. Mit diesem Gedanken machten wir uns auf den Weg zur großen Seenrunde. Erster Stopp war am Gundlsee, wo es Briefmarken und Toiletten, nicht in der Tourist-Info, sondern im 500 Meter entfernten Uni Markt gab.

Weiter ging es zum Hallstättersee mit gutem Kaffee und lecker Erdbeer- bzw. Kaffeeroulade. Dann kam noch der Attersee, Mondsee und Wolfgangsee, allerdings nicht zum weißen Rößl, sondern ein kleines Café mit reichlich Wespen in Strobl.

Der Rückweg führte dann über die Postalm und am Dachstein vorbei wieder zurück nach Gröbming.
Beim Nachtickern – nach einem köstlichen Grillabendessen – haben wir noch überlegt, ob alles was uns wichtig ist, auch gleichzeitig heilig ist bzw. was dazu gehört, damit mir etwas heilig wird.

Mein Fazit: wenn mir etwas so wichtig ist, dass ich mich von meinen Gefühlen leiten lasse, dass ich nicht mehr abwäge, sondern etwas einfach tue oder mich für etwas einsetze, dann ist es mir auch heilig.
Danke, dass wir gemeinsam unterwegs sein durften.

Regina Kretschmer

 


7. Tag (Freitag, 08. September 2017)

Gröbming / Landshut

Das TOURENTAGEBUCH – auf anderen Touren ob seines Aussehens auch schon mal liebevoll „LILA“ genannt – bei dieser Tout mit Bildern früherer Touren verziert und aus Sparsamkeitesgründen oder aus ökologischer Motivation heraus, als Wende Buch ausgeführt - das TOURENTAGEBUCH also, gehört zur einer Pilgern mit PS Fahrt wie….
- das Ventil zum Schlauch
- das Öl zum Getriebe
- oder der Fahrer bzw. Fahrerin zum Moped!
Trotzdem wiederfährt dem TOURTAGEBUCH sehr häufig morgens eine Runde Nicht –Beachtung. Wobei das dem TOURTAGEBUCH durchaus nichts ausmacht. Es denkt sich „MMH mh mh – ihr könnt mich ja ruhig noch mal eine Runde kreisen lassen, einen von euch krieg ich trotzdem – denn sonst könnt ihr nicht losfahren!!!“ Der einfache Pilger hingegen denkt. „Och nöö, ich konnte doch in der Schule schon keine Aufsätze schreiben, das kann der Nachbar bzw. Nachbarin doch bestimmt besser.“ Und die oder der denkt: „Oh Gott oh Gott! In Papier wickelt man Kraut ein und raucht es, aber ich schreib doch nicht darauf“ und gibt das TOURTAGEBUCH weiter. Der Nächste „Nee, das ist doch Arbeit, ich trink lieber Bier!“ usw. usw. Ich denke, jeder von euch kann die Liste sehr gut selber vervollständigen und ich gebe zu, ich forme selbst oft innerlich einen spitzen Mund und pfeife unhörbar das Unschuldslied „Is was?“ und denke, „Lass bloß den Kelch an mir vorüber gehen“.
Aber die letzte Nacht in Gröbming beim Häuserl im Wald habe ich gut geschlafen (Klammer auf: Es gibt Stimmen, die besagen, dass ich nachts gar nicht schlafe, sondern arbeite; man wisse zwar nicht was, aber das umso geräuschvoller – ist mir gar nicht bewusst, muss wohl ein unbekanntes Ich von mir sein. PS: Angelegenheit ließ mir keine Ruhe, habe telefonisch meine Frau befragt. Erschreckender Weise bestätigt sie den Umstand an sich und verstörender Weise auch noch die Intensität – bin schockiert - versteh die Welt nicht mehr – PS Ende) Klammer zu
Also noch mal von vorne: das mir bekannte Ich hat gut geschlafen, sich am Frühstücks Buffet ausreichend gestärkt und eine kleine Dröhnung Koffein eingeschmissen. Auf dieser Grundlage wuchs der Entschluss: „TOURTAGEBUCH – heute bist du dran – heute werden wir ein Paar“
So, und was kann ich dir jetzt anvertrauen? Fangen wir mal mit dem Fahren an. Bei früheren Fahrten von Pilgern mit PS bin ich mehr in der Mitte oder vorn gefahren, diesmal darf ich und kann ich als Vorletzter fahren. Dies führt wiederum zu einer anderen Perspektive auf die Fahrgruppe. Zum Beispiel an einer Straßenmündung: da stehen von außen betrachtet 7 Motorräder wie ein Knubbel da und lösen sich dann völlig unaufgeregt in eine wohl geordnete Formation auf. Da ist die hügelige Weidelandschaft ohne Pfosten und Zäune, durch die sich das Band der Straße schlängelt. Mein Vordermann wird in die Höhe gehoben, erklimmt die Straßenkuppe um sofort dahinter zu verschwinden. Als ich die Kuppe passiere, u.U. mit einem leichten Magenhüpfer, erblicke ich ihn schon mit leichter Schräglage in einer Linkskurve während weiter vorne der Guide bereits sich in einer Rechtskurve befindet. Dazwischen die anderen Maschinen mit identischem Abstand zueinander, mit gleichen Geschwindigkeiten, die sich einer Perlenkette gleich, wie eine Einheit durch die Landschaft bewegen.
Oder die Durchfahrt in einem Wald, dessen Dunkelheit durch das heruntergelassene Sommervisier nochmals verstärkt wird, so dass ich eigentlich mir die roten Rücklichter wahrnehme, die, zwar der Straße folgend, anscheinend zwischen den Bäumen hin und her springen. Es fasziniert mich! Es begeistert mich! Ich staune, wie sich die Gruppedurch einen unsichtbaren Faden verbunden als Einheit durch die Landschaft bewegt. Fas wie ein eigener Mikroorganismus und ich freue mich und bin stolz darauf, Teil dieses Mikroorganismus, dieser Einheit zu sein und meinen Beitrag alleine dadurch zu leisten, das ich nicht aus der Reihe tanze, dass ich genauso fahre und fahren kann wie die anderen, meine Rolle in der Gruppe habe.

An dieser Stelle rührt sich was, irgendwo im Hinterstübchen, so wie ein Allergiker auch nur Spuren von z.B. Nüssen in seinem Essen erspürt und spült eine ganz andere Assoziationskette hoch:

  • Gemeinschaft
  • Einheit
  • Gleichheit
  • Gleichklang
  • Gleichtakt
  • Gleichschritt
  • Gleichmarsch

Ich denke, in der Generation meiner Eltern bzw. Großeltern wird es bei manchem einen zunächst ähnliche begeisternden Gefühle für die Gruppe „Gleichgesinnter“ gegeben haben, wie wir alle wissen und die Worte von Gestern aufgreifend „unheiligen“ Folgen.
Haben wir Anteile solchen Gedankengutes unter uns? Ich lass die Frage zunächst stehen und möchte einen persönlichen Einschub von außerhalb der Tour einbringen.

Im Mai diesen Jahres hat meine große Tochter geheiratet. Ihr Freund - nunmehr ihr Mann – also mein Schwiegersohn – ich habe noch ein wenig Gewöhnungsbedürfnis an die Nomenklatur – ist mit seinen Eltern in einem Motorradclub, der natürlich auch zur Hochzeit eingeladen war. Die Herren erschienen erwartungsgemäß, in schwarz, sicherlich frisch gewaschen, keine Frage, in einigen Fällen auch mit weißem Hemd kontrastiert, längeres Haupthaar, dann meist grau und dünn, zum Zopf gebunden in Einzelfällen auch der Kinnbart, Ketten, Ringe, Piercings frisch poliert. Wenn man sich mit Ihnen unterhielt, kann man sagen, durchaus nette Jungs, teilweise eher schüchtern, was in einem deutlichen Kontrast zu dem martialischem Gehabe auf den Maschinen mit Hochlenker und Stahlhelm stand. Und natürlich durfte die Kutte nicht fehlen, mit Logo auf dem Rücken, Abzeichen vorne – und einer Abkürzung bestehend aus 4 Buchstaben und vier Punkten „Was bedeutet das?“ „Mmmh – dürfen wir eigentlich nicht sagen…..also: einmal Mitglied im Club – immer Mitglied im Club“. Bei dieser Ausschließlichkeit, bei diesem „Glaubensbekenntnis“ der besonderen Art stellen sich mir doch arg die Nackenhaare hoch. Die übertragbare Frage ist: gibt es derartige Ausgrenzungen auch bei uns? Vielleicht Alt Pilger gegen Neu Pilger. BMW gegen Honda (oder gesamten Rest)? Katholiken gegen Evangelen? Als Antwort hierauf und die vorherige Fragen kam mir das Bild von Martin in den Sinn, wie er am ersten Abend in Suhl die T-Shirts verteilt, T-Shirts die uns ja durchaus als Gruppe erscheinen lassen sollen. Aber es gibt sie mit langem Arm und kurzem Arm, mit Beschriftung auf dem Rücken und ohne, mit roter Schrift auf schwarz, mit schwarzer Schrift auf Rot, mit gelber auf schwarz, rot auf blau, in grün, grau und Aubergine. Kurz: die Shirts, die uns als Einheit kennzeichnen, sind so verschieden wie die Menschen, die sie tragen, die Maschinen, die sie fahren und die Landschaften, die wir besuchen.
Und so lange wir Neupilger auf- und mitnehmen, Hotelgäste und andere in unseren Kreis bitten, solange kann ich gerne und mit Freuden auf Zeit, Teil einer Einheit, eines Mikroorganismus sein und im Gleichklang durch die Kurven schwingen.

So haben wir es heute bzw. gestern auf Fahrt von Gröbming nach Landshut bei herrlichem Bilderbuchwetter auch getan. So manch herrliches Bergbild konnte ich zuvor wegen fehlenden Stopps an richtiger Stelle nicht auf Platte …., sie bleiben aber als schöne Erinnerung in meinem Kopf mit Sicherheit erhalten.
So, liebes TOURTAGEBUCH. War schön mit dir geplaudert und Gedanken gesponnen zu haben. Ich gebe dich jetzt zurück in deine Runde und wünsche dir die Achtung, die dir zusteht.
Tschüss

Ulrich R.

 


8. Tag (Samstag, 09. September 2017)

7.00 Uhr
Der Wecker klingelt. Aufstehen?
Nee – lieber noch einmal auf´s Nachwecken stellen. Frühstück gibt’s ja erst um viertel vor acht.
Um 7.10 Uhr dann: „Moin Klaus! Bist du gestern wach geworden, als ich ins Bett kam?“ „Nee. Du warst schön leise. Aber dass du das so kannst…Den ganzen Tag auf´m Moped und abends dann noch so lange aufbleiben – in deinem Alter!“ Der Jungspund ist gerade mal drei Wochen jünger als ich.

9.00 Uhr
Thema: Was nehme ich von der Pilgertour in den Alltag?
Dann geht’s los. Wilfried fährt wieder mit. Gestern – nach der Reparatur der Bremse hinten – so teilt er mit, habe er sich bei einem Unfall den Fußbremshebel verbogen. Aber alles gut, die Reparatur sei zügig vonstattengegangen. Der Himmel seiht bedrohlich aus. Erste kurze Pause – Pelle an. Eine weise Entscheidung!

12.27 Uhr:
Mittagspause auf´m platten Land in Wassertrüdingen. Gasthof „Zum Brui“. Ist zu empfehlen. Jetzt noch 111 km bis….
Bei der Weiterfahrt durch strömenden Regen fällt mir ein, dass wir heute zum letzten Mal in dieser Gruppenkonstellation unterwegs sind. Morgen werden sich neue Heimatgruppen bilden. Und das Thema des Zündfunkens fällt mir ein: „Was bleibt hängen?“ Das „Laudate“ im Kloster Waldsassen, die zügige Fahrt mit Christian und den beiden Italienern über eine sehr geile Strecke, durch ein sehr geiles Tal – ich habe knapp die …..verpasst. Der Wolfgangssee und der Ohrwurm, den wir alle jetzt nicht mehr loswerden. Und:“ Was genau, Jörg, hast du an der Formulierung „freier Fahren“ nicht verstanden?“
Natürlich bleibt sehr viel mehr hängen – so einiges fällt mir ein, heute, am letzten Fahrtag in dieser Konstellation.
14.55 Uhr
Kaffeepause: Wir sind uns einig, dass der Begriff „Ankommen Bier“ bei Wikipedia dieselbe Präferenz besitzen solle wie …äh…z.B. Objektprävalenz. Und jetzt noch 20 km bis…
um 15.07 Uhr schmeiße ich den Anker. Ulla und Otto: Ihr erinnert euch? Ihr hattet im letzten Jahr 50.000 km Jubiläum. Ich jetzt um 15.07 Uhr 100.000 km voll! Natürlich mach ich ein Foto! Und jetzt sitze ich auf der Terrasse einer Almhütte und genieße den Blick in die Hammelburger Weinbergwelt. Große Nachtickerrunde vor dem Nachtisch – was nehme ich mit?
Dankbarkeit für das Erlebte, das Erfahrene, die Gemeinschaft und dafür, dass nichts Dramatisches passiert ist.
Und ich danke Gudrun, die mir überhaupt den Anstoß gegeben hat, mich als TN für die steirischen Alpen anzumelden. Gottes Segen und kommt gut nach Hause!
Möge die Straße…

Martin

 


 9. Tag (Sonntag, 10. September 2017)

Wieder zurück
Nach 3245,4 km erlebnisreicher Kilometer ist nun auch diese Pilger Reise zu Ende, aber auch am heutigen Tag ist doch wieder einiges passiert.
Nach einer guten Nacht und gutem Frühstück ging es wieder pünktlich um 9.00 Uhr zum Zündfunken, in dem natürlich das irische Segenslied „Möge die Straßen uns zusammenführen“ nicht fehlen durfte. Ich empfinde dieses immer wieder aufs Neue sehr berührend und zeigt deutlich auf, dass das Ende und somit der Abschied kurz bevor steht. Ein letztes Mal stellen wir uns Schulter an Schulter auf, geben uns über Kreuz die Hände und drehen uns zeitgleich um die eigene Achse, so dass wir in alle Himmelsrichtungen ausschwärmen können – ein schönes Ritual mit Wirkung.
Es bilden sich die letzten Fahrgruppen, die dann jeweils gemeinsam die Heimfahrt antreten. Ich werde mich mit Wolfgang, Conny und Wilfried auf den Weg machen – und das in dieser Reihenfolge. Plötzlich dieser Rollenwechsel. Auf der Pilger Reise stets auf der 2 hinter Herman-Josef, gefolgt von Udo und Gudrun, Franz-Josef, Thomas, Ulrich und als Schlussfahrer Gerd, aber jetzt vorn und wegweisend.
Dank Navi Einstellungen kurvenreich auf kleinsten Straßen erfahren wir tolle Strecken – ich frage mich immer wieder, woher Tom Tom all diese Routen kennt?
Mit Vertrauen aufs Navi und dem regelmäßigen Blick in den Spiegel fahren wir Kilometer für Kilometer und ich stelle fest – läuft alles.
Es kommt sogar Raum für Gedanken auf, was so alles in dieser Woche passiert ist. Ich denke an das Vortreffen, den gemeinsamen Abend vor der Reise, die Hotels, all die tollen Momente, die Tagesaufgaben, unserer tolle Fahrgruppe,….aber auch so langsam an das Ende dieser Zeit wie auch an den Anfang der Zeit danach.

Ich überlege, was ich für mich aus dieser Pilger Reise mitnehme und da fallen mir folgende Gedanken ein:
…wie schön es doch ist, sich mal so richtig in die Kurve zu legen und mit Elan daraus zu beschleunigen
…einfach mal an Nr. 2 fahren und führen zu lassen und Raum für Gedanken zu haben
…mit Abstand fahren, um Raum und Zeit zu lassen und aus verschiedenen Perspektiven beobachten und genießen
…mal runterschalten zum anschließenden konzentrierten und kraftvollen Durchstarten
Vielleicht schaffe ich es ja, das ein oder andere ins echte Leben zu übertragen.

In Alsfeld machen wir noch mal Halt, Tanken – für Maschine, Leib und Seele. Hier verabschiedet sich nun Wilfried.
Mir kommt in den Sinn „10 kleine Negerlein“, langsam aber sicher werden wir weniger.
um 16.11 Uhr und nach 307 km erreichen wir die Drüggelter Kapelle, hier wollen wir unsere Reise beenden, doch wir sind nicht allein. Es laufen gerade die letzten Vorbereitungen für ein Konzert, aber uns wird dennoch Eintritt gewährt.

Wir singen ein letztes gemeinsames „Laudate omnes gentes“ und vernehmen, wie die anderen Anwesenden mit einstimmen – ein schönes Gefühl.
Noch ein paar Fotos und wir machen uns auf den Weg.
Und nun beginnt sie, die letzte Etappe.

Um 18.20 Uhr und nach 105 km stehe ich dort, wo dieser Tagebucheintrag begann – wieder zurück, zurück zu Hause.
An dieser Stelle möchte ich gern noch einfach mal DANKE sagen.
Danke an die, die zu dieser tollten Pilger Reise ihren Teil beigetragen haben, sie es als Organisatoren, Teilnehmer, Gruppenmitgliede, Zimmergenossen, Gesprächspartner, aber auch als Person, die wir auf unserer Reise angetroffen haben.
Von den Eindrücken, Erfahrungen, Gedanken und Erinnerungen werde ich sicher noch lange zehren können.
In diesem Sinne habt ´ne gute Zeit und „Möge die Straße“

Mike aus Tö

 

 

2018 | Südtrentirol | Tour-Tagebuch

Tagebuch der Teilnehmer an der Motorrad-Pilgerfahrt Südtrentirol

7.-15. Juli 2018


1. Tag (Samstag, 07. Juli 2018)

Meister Eckhart: Es ist Zeit etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen

Liebes Tourentagebuch,
es geht los – die Tour beginnt. Die Zeit der Vorfreude ist vorbei und ist am heuteigen ersten Tag einem Gefühl gewichen, das mindestens so vielschichtig ist wie meine Haut.
Freude – des Wiedersehens, des Beginns, des Loslassens und des Ausbrechens vom Alltag, des Stolz seins auf mich selbst, dass ich es wirklich mache und dass ich es auch kann, körperlich, geistig und finanziell…und diesbezüglich unendliche Dankbarkeit.
Dies ist keine abschließende Aufzählung – ich muss jetzt erst einmal bei der Wiedersehensfreude weitermachen – unabhängig von meinen Mitpilgern auf dieser Tour habe ich heute Morgen sage und schreibe 10 temporäre „Ex-PilgerInnen“ begrüßen können, die einzig und allein aus dem Grund nach Paderborn gekommen sind, um uns zu Verabschieden und uns ihre besten Wünsche mit zu geben! Die Guides mussten erst einmal sortieren, um klar zu bekommen, ob alle von der aktuellen Tour anwesend sind. Auch das eines der vielschichtigen Gefühle – Gänsehaut.

Und dann geht los – eine relativ kleine Gruppe – sechs – schließt sich unserer Guidin Anne an – drei neue und drei alte. Sensationell schnell stellt sich bei mir das Gefühl ein, schon immer in dieser Gruppe gefahren zu sein – immer der „BI – MO“ hinterher. Vertrauen nach vorn und nach hinten – und natürlich zu Anne.
Warum baut man so schnell dieses Gefühl auf? Ein Mysterium – ein sehr schönes von Pimps.
Die Tour, ein einziges Träumchen – weite Blick durchs Waldecker Land, den Vogelsberg und den Spessart – Kaiserwetter, Felder, Wiesen und Wälder und erst dieser Geruch nach Heu, Tannenwäldern bei 30 Grad, Kornfelder und natürlich Sprit.

Wir stimmen uns ein, finden schnell Wellenlängen auf denen wir fahren, aber auch miteinander sprechen können. Und auch das sind wieder Schichten der Vielschichtigkeit dieses Tages – so viel Zauber der diesem Anfang innewohnt.
Ich bin jetzt und hier – die nächsten acht Tage – allen geschätzten „Altpilgern“ wieder einmal auffrischen, mit allen „Neupilgern“ Schwingung aufnehmen. Mich auf mich konzentrieren können, mich loslassen können und mich einlassen können und wieder reicher werden durch diese Tour mit ihren Begegnungen, denn nicht nur dem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Abschließend hoffe ich sehr, dass Markus` BMW wieder flott wird bzw. wir ihn mit seinem „Ersatz“ Motorrad wieder in Wutach begrüßen können.
Allen Zweiflern, Unlustigen, Zögernden sei zugerufen: schreibt einfach, was euch einfällt – es geht ums Individuelle in diesem Tagebuch, also: wer kommt als Nächstes?

Regina (…die große Blonde mit den schwarzen Stiefeln)

 


2. Tag (Sonntag, 08. Juli 2018)

Nach einiger Wartezeit nach dem Zündfunken geht es endlich los. Eine lange Etappe liegt vor uns. Thomas navigiert uns direkt nach dem Start durch eine eigentlich gesperrte Baustelle. Der grobe Schotter ist schon verdichtet und lässt sich gut befahren. Also keine Umleitung und die Zeit stimmt wieder.
Es geht über schöne kleine Straßen, durch Wälder und Felder, so wie dat muss! Dann wird´s immer wärmer. Thomas findet einen Schattenplatz für die erste Pause, wo auch schon Annes Gruppe stand.

Weiter geht´s zum 1. Tankstopp – ein nicht sehr einladender Autohof, also nur Tanken und weiter zu einer Mittagspause. Ein schwäbischer Landgasthof muss dran glauben und wir müssen lange warten, aber es war sehr gut. Wir sollten nach der Mittagspause eigentlich am Kabel ziehen, hat aber nicht funktioniert; wahrscheinlich Suppenkoma.
Erst nach der nächsten kurzen Pause vor einem Friseurladen, weil kein einziger Schattenplatz, geht es dann schneller weiter bis Rottweil.
Die mit dem „süßen Zahn“ wollen an einer überfüllten Eisdiele ein Eis ergattern. Thomas erbarmt sich und stellt sich in die Schlange.
Nachdem Michael seine mega Portion aus dem Eimer weg geschlabbert hat, geht es auf die letzte Etappe. 15 km von dem Hotel noch mal tanken und dann – GESCHAFFT!

Statt „Ankommen Bier“ erstmal Duschen, um dann den Abend genießen zu können.
Wer weiß, was morgen so alles kommen mag?
Nachtrag: Das „Durchfahrt verboten“ Schild an einer Baustelle haben wir dann am Nachmittag noch einmal ignoriert, mit Erfolg. Bei der 3. Gelegenheit hat Thomas dann allerdings gekniffen – wohlweislich: „Zufahrt frei bis Brücke“

Dirk ( mit den langen Haaren)

 


3. Tag (Montag, 09. Juli 2018)

Pimps 3. Tag gemeinsam unterwegs!
Nach einem leckeren, ausgewogenen Frühstück starten wir gemeinsam in einen neuen Tag. Ich bin voller Freude und Energie. Denke darüber nach, was dieser Tag wohl für schöne Ereignisse, Augenblicke und Begegnungen für mich (uns) bereithalten mag.
Helme werden zu einem Kreuz zusammengelegt, letzte Informationen ausgetauscht, jeder nimmt seine Position in unserem gemeinsamen Pilgerkreis ein. Und dann begegnet mir Nelson Mandela. Seine Antrittsrede von 1994 ist mir so vertraut, ich habe sie schon häufig in meinem Leben gelesen und überdacht. Er spricht von unserem Licht und nicht von unserer Dunkelheit. Er fragt: wer bist du? Ich frage mich: wer bin ich? Was zeichnet mich aus, wo bin ich großartig, was kann ich gut, wo liegen meine Talente und meine Fähigkeiten?

Mit diesem Gedankengang steige ich auf mein Motorrad, gerüstet mit Unterstützung meiner Pilgermotorrad Gruppe. Die Menschen, die mir in den letzten drei Tagen, so vertraut und wertvoll geworden sind. Matthias, der als Guide die Übersicht der Wegstrecke, den Blick auf die Gruppe, die km Zahl und die kleinen Bedürfnisse des Einzelnen im Visier behält. Helmut, der hinter mir die Stellung hält und jegliches Bremsen, Beschleunigen und stoppen, mit tragen und – teilen wird.
Der Rest der Truppe, die hinter mir die Stellung behalten, damit auch bis zum Ende der Kette alles gut verläuft.
Ich fühle mich sicher und behütet. Eines der Geschenke die man einem Menschen machen kann. Ich danke Euch dafür!
Wir sausen in einem Team, mit viel Verständnis durch Städte, Dörfer, Pässe, enge und breite Kurven, Gassen und Straßen.
Mit den Tunneln, die wir heute mehrmals passieren, bin ich am häufigsten in Verbindung.
Sie lassen mich immer wieder auf den Text von Nelson Mandela zurück finden, erst die Dunkelheit im Tunnel, dann das auf mich zukehrende starke, intensive helle Licht.
Jeder Mensch ist dazu bestimmt zu leuchten!
Ich erlebe es, hier und jetzt mit euch und wenn wir unser Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun.
Ich wünsche euch allen heute einen strahlenden, sonnigen Weg!

Sabine

 


4. Tag (Dienstag, 10. Juli 2018)

Der heutige Tag
Wenn man den Tag fragen könnte: „was zeichnet dich aus, wo warst du besonders?“
Er würde wohl antworten: Ich war sehr vielfältig. Ich habe Euch blauen Himmel gezeigt und Sonne, aber auch Regen und Kälte, Fernsicht auf die Berge, aber auch Nebel.
Ich habe Euch Kurven geboten zum sanften Schwingen, aber auch harte Kehren zum Arbeiten. Ich habe euch Zufriedenheit geboten über gelungene Fahraktionen, aber auch Anspannung und „Schmetterlinge im Bauch“ angesichts schmaler Passstraßen ohne Einsicht in die nächste Kurve. Ich habe Euch das Abenteuer geboten, das Euch verbindet und werde in Eurer Erinnerung bleiben.
Und das tun nur die besonderen Tage.

Martin

 


5. Tag (Mittwoch, 11. Juli 2018)

Rundfahrtag
Zündfunke und Tagesaufgabe, „Welche Schicksalsschläge haben dich ereilt, dich vielleicht im ersten Augenblick aus der Bahn geworfen, sich aber im Nachhinein als positiv herausgestellt?“ Eine Hammer Aufgabe.
Aber erst einmal Helm auf und los!

Leider ist unsere Truppe neue nicht komplett. Rita und Jürgen mussten pausieren.
Auch technisch hatten wir Schwächen. Georg musste in Trento eine neue Batterie einbauen lassen. Aber dann! Kaum dem Gewimmel der Stadt entflohen, durften wir eine Bergrennstrecke testen.
Nach einer Kaffeepause ging es in langgezogenen Kurven wieder zum Trail.

Herrlichstes Wetter begleitete und auf unserer Fahrt. Thomas fand das ideale Picknickplätzchen. Wie auf einer Postkarte mit Bänken und Tischen und idyllischem Wasserfall und weißen Wölkchen am strahlend blauen Himmel. Schattenspendende Tannen nicht zu vergessen!
Anstatt durch den Regen zu hasten, durften wir heute auch die Anfahrt zum Hotel im Sonnenschein genießen. Ein herrlicher Tag!
Auch Rita und Jürgen sind beim Nachtickern wieder bei uns. Wie sich in diesem Gespräch herausstellt, hat jeder von uns Schicksalsschläge erlitten, kleinere und größere haben ins Leben und zu dem gemacht, was wir sind – und uns hier und heute zusammen gebracht – wenn das nicht positiv ist?

Georg S.

 


6. Tag (Donnerstag, 12. Juli 2018)

Von Mont Penegal nach St. Jakob im Defreggental

Zündfunke: „Ist da jemand?!“
Ein letztes Mal den Mendel hinunter…
Der Start lief gut, durch die lieblichen Ortschaften Girlan und Eppan. In aller Ruhe nachdenken. Die Durchfahrt durch die große Stadt Bozen war eher anstrengend, wegen Baustellen und viel Verkehr ging es nur langsam voran.
Nach dem Ortsausgang führte uns unsere Route durch Kastelruth nach St. Ulrich, wo wir beim Baumwirt eine Kaffeepause einlegten.
Der Weg führte uns über Sella und Pordoijoch, wobei der erstere aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens überhaupt gar keinen Spaß beim Fahren machte. Die Mittagspause im Gasthof Pordoi in Arabba war fantastisch.

Danach ging es dann über den Passo Giau, der fahrerisch viel Vergnügen bereitete und auch mit wunderbarer Aussicht auf Berge belohnte (und Rinder)
Schnell über Cortina d´Ampezzo (schöner Ort) an den Misurina See, ein kurzer Halt, bevor wir uns auf den Weg zum Staller Sattel machten, um den passenden Zeitpunkt für die Durchfahrt nicht zu verpassen. Das hat gut funktioniert, wir hatten mit unseren Motorrädern freie Fahrt bis zur Paßhöhe, was auf diesem Single-Track ohne Gegenverkehr ein besonderes Erlebnis war. Die doof auf der Paßhöhe völlig frei laufenden Kühe waren auch sehr interessant, gut, dass sie am Straßenrand blieben. Der restliche Weg bis zu unserer Unterkunft verlief flott und unkompliziert. Die Wirtin begrüßte uns sehr herzlich mit einem Marillenschnaps, was auf unserer Reise bisher einmalig war. Essen und Trinken beim Tundler 1a!

Beim nachtickern wurde festgestellt, dass das Tagesmotto den eine oder anderen doch sehr ergriffen hat. Das Tal um Bozen empfängt uns – wie immer – mit drückender Hitze. Der nötige Besuch in der Apotheke führt uns in eine Baustelle, neuer Asphalt wird aufgebracht, wie sind wir privilegiert, trotz unserer Motorradanzüge im Vergleich zu den Arbeitern.
Die Fahrt durch die Weinberge und Apfelplantagen schärft meinen Blick dafür, dass hier wirklich jeder cm2 Boden ausgebeutet wird. Apfelkisten türmen sich zu Bergen. Üppige Häuser zeugen vom Wohlstand der Bewohner. Was mir immer wieder auffällt, dass jeder kleine Weiher seine eigene Kirche hat. Wie viel Mühe haben sich die Menschen gemacht, an entlegenen Orten Bauwerke, die die Zeiten überdauern, zu errichten? Die Kirche ist Mittelpunkt des Ortes und seiner Bewohner gewesen, das hat sich heute gründlich geändert. Schade!

Thomas und Dirk

P.s. Zum ersten Mal auf dieser Reise macht sich bei mir schon die Gewissheit breit, dass wir auf dem Heimweg sind. Das Ende des Weges ist sichtbar, für mich und für uns als Gemeinschaft. Lasst uns den Rest genießen und festhalten.

 


7. Tag (Freitag, 13. Juli 2018)

Heimweg – jetzt ist es unumkehrbar, wir sind auf dem Weg zum Glockner. Es ist buchstäblich der Höhepunkt unserer Alpentour. Ist er es wirklich? Was ist mit all den anderen Erfahrungen – ob auf der Straße oder bei gemeinsamen Runden. Dennoch, wir haben die Alpen hinter uns gelassen und werfen bei Traunstein einen letzten Blick auf die Berge.

Es wird flacher. Viel flacher.
Die Kirchtürme bekommen Zwiebeltürme und unser Tempo steigt.
Wir kommen gut voran. Schade, so hätte es noch einige Tage weiter gehen dürfen. Aber es gibt noch Menschen, die sich für uns interessieren, hier in der Gruppe und vor allen Dingen zu hause. Der Tag war lang, sehr lang. Die Landschaften haben gewechselt – aus den Alpen nach Oberbayern. Die Begegnungen wurden intensiver – wie es wohl weiter gehen wird – spannende Frage.

Markus

 


8. Tag (Samstag, 14. Juli 2018)

Vom Hotel Wild in Eching zum Hotel Kaiser in Hammelburg

Der Tag als Brainstorming der Gruppe:
Wecker klingeln – Aufstehen – Zündfunke: Was tust du für die Gruppe, was tut die Gruppe für dich? – Gruppenstart – Straße ohne Asphalt – Staub – (von nun an nicht mehr in chronologischer Reihenfolge) – Hopfenfelder – ein paar Regentropfen – Tankstopp Shell. Pelle an und nicht nass geworden, Pelle aus und nass geworden, aber auch wieder trocken – Störche – Trecker vorn und RTW mit Blaulicht und Sirene von hinten – uralter Mähdrescher – Wohnwagen mit Traktor – Mittagspause Enduropark Hechlingen – Eispause am See Markt Obernzenn – Unterhaltungsbeitrag: 1,50 – Sekundenschlaf – Red Bull – Tankstopp Avia – Donauüberquerung in Neuburg – (Ansonsten) – Inn, Altmühltal, Amper und Main – Motorrad gekippt – Feuerwehrfeste und Umleitungen – Stadtrundfahrten besonders kurvenreich und extra Kopfsteinpflaster – Tom Tom Thommy, der Mann der schneller fährt als sein Navi – Kabelziehwettbewerb gen Hammelburg – gemeinsames Nachtickern in großer Runde – Grillen im Weinberg – gigantisch !!!

Gruppe und Dirk (immer noch mit langen Haaren)

 


 9. Tag (Sonntag, 15. Juli 2018)

Unser letzter Tag
Um 9.00 Uhr gab es den Zündfunken.
Wir haben alle zusammen gesungen, Texte gelesen und dann, Hand in Hand mit allen verbunden, kurz innegehalten.
Ein gutes Gefühl

Für die Heimfahrt stellt sich die Frage: Wer fährt mit wem?
Ruck zuck sind wir „7“ (Jürgen, Regina, Friedhelm, Georg, Thomas, Georg W. und ich)
Schnell stand Jürgen als unser Tourguide fest. Das war prima mit euch zu fahren!
Diese letzte Woche möchte ich nicht missen. Schöne Landschaften gesehen, viele Kurven gefahren, neue Menschen kennengelernt, bekannte Gesichter wieder getroffen, verschiedene Meinungen gehört; einfach genießen! Jeder auf seine Art und Weise.

Ohne euch Tourguides gäb es Pilgern mit PS nicht.
DANKE

Rita

 

2018 | Schweiz & Oberitalienische Seen | Tour-Tagebuch

Tagebuch der Teilnehmer an der Motorrad-Pilgerfahrt in die Schweiz & Oberitalienische Seen

1.-09. September 2018


1. Tag (Samstag, 01. September 2018)

Drüggelter Kapelle – Auberge Le Journal, St. Wendel

Um 9 Uhr trafen wir uns an der Drüggelter Kapelle am Möhnesee bei frischen ca. 7 Grad aber herrlichem Sonnenschein.
Wir legten das Helmkreuz in der alten historischen Kapelle und machten uns um 9:30 Uhr in 3 Gruppen auf die Reise Richtung St. Wendel.
Entfernung ca. 360 km. Wir fuhren durch wunderschöne Landschaften und machten eine längere Rast am Loreleyfelsen. Von dort waren es noch 120 km zu unserem heutigen Ziel.

Unser Zündfunke zu Beginn unserer Reise hieß: „Was lasse ich hinter mir? Worauf freue ich mich?“

Am Ziel angekommen wurden wir verwöhnt mit leckerem Rindergoulasch, selbstgebranntem Schnaps einem üppigen super leckeren Nachtisch. Anschließend noch in jeder Gruppe ein kurzes aber intensives Nachtickern über den Zündfunken.
Ich persönlich empfand den ersten Tag mit wunderbaren Wetter, gut gelaunten Pilgern und traumhafter Landschaft als ein Geschenk in meinem Leben und bin sehr dankbar, dass ich dabei sein durfte.

Elke

 


2. Tag (Sonntag, 02. September 2018)

Auberge Le Journal – Hotel Landgasthof Kranz, Görwihl-Segeten

Heute Morgen stand im Mittelpunkt des Zündfunken, das Gebet um Lebensfarben. Und so war unsere „Aufgabe“ im Laufe des Tages darüber nachzudenken, welche zwei Farben (heute) für uns wichtig sind.
Wir hatten eine lange Strecke vor uns und haben uns gemeinsam entschieden durch Frankreich zu fahren. Über einige Nationalstraßen und dann kleinere ging es durch´s Elsass mit vielen schönen Orten, Straßen, Feldern und Wäldern. Hier warteten auch ein paar schöne Kurven auf uns. Bei Marckolsheim ging es über den Rhein in den wunderschönen Kaiserstuhl und irgendwann durch´s Münstertal die hohen Schwarzwaldberge hoch über tolle Strecken zum heutigen Ziel.
Welche Farben sind mir wichtig? Ich habe es nicht auf heute bezogen, sondern eher allgemein aufgefasst.
Immer schon ganz wichtige Farben für mich sind grün und blau. Das Grün der Bäume und des Grases, ganz frisch im Frühling lässt meine Lebensgeister jubilieren. Wenn dann noch das Strahlen eines blauen Himmels dazu kommt ist die Freude an der Natur kaum noch zu toppen.
In der Schule konnte ich von meinem Platz aus durch ein schmales Fenster die Krone einer Birke vor dem Himmel sehen. Wenn im Frühling die frischen Birkenblätter vor dem blauen Himmel sich im Wind bewegten, hätte ich vermutlich was anderes tun sollen, als nur aus dem Fenster zu schauen und zu träumen und zu staunen.

Ich wollte auch immer gerne blau und grün bei meiner Kleidung kombinieren, was aber nicht geklappt hat. Die Generation über mir, nicht nur meine Mutter, auch andere, sagten mir das passe nicht zusammen und das trägt man nicht. Den genauen Spruch, den ich hörte, möchte ich hier nicht zitieren.
Viele Jahre später heiratete meine Schwägerin und meine Schwiegermutter bot sich an, mir ein Kleid zu nähen. Mit dem Stoff, den ich mir ausgesucht habe, ein Karo aus mint, eisblau und weiß, war sie nicht einverstanden, aber trotzdem hat sie mir ein wunderschönes Kleid genäht.
1 Jahr später, ich war mit unserem 3. Kind schwanger und zu einer weiteren Hochzeit eingeladen, hat sie es mir den Umständen entsprechend geändert. Das hat mir viel bedeutet.

Oft habe ich darüber nachgedacht, warum blau und grün nicht zusammenpassen sollten. Für mich sind es immer schon Farben, die einfach zusammen gehören. Warum hat Gott den sonst so viele Bäume mit so vielen unterschiedlichen Grüntönen bei den Blättern oder Nadeln und den Himmel mit so vielen verschiedenen Blautönen im Laufe eines sonnigen Tages versehen???
Heute bei der Fahrt durch die Rheinebene auf den Schwarzwald zu, habe ich es wieder gesehen. Zugegeben: der Himmel war mehr grau als blau, aber die Farbe der Berge machte alles wett. Sie waren in der Ferne blau, je näher wir kamen, desto mehr löste sich dieses Blau auf in verschiedene Farbtöne zwischen blau und grün, bis aus der Nähe jeder Baum und jeder Strauch, jede Pflanze wieder ihr eigenes Grün hatte.
Wie hat doch Gott diese Farben so wunderbar erschaffen.

Elisabeth

 


3. Tag (Montag, 03. September 2018)

Hotel Landgasthof Kranz – Hotel Grimsel, Obergesteln

Hallo Rosa,
als Nachfolgerin von Lila ist das zwar nicht dein offizieller Name, aber ich nenne dich jetzt einfach so!

Ich sitze hier in der Abendsonne im Hotel Grimsel im Wallis mit einem traumhaften Blick in die Schweizer Bergwelt. Heute ist der dritte Tag der Pilgern-mit-PS-Tour in die Schweizer Alpen und an die Oberitalienischen Seen. Gerade haben wir „nachgetickert“ und unser „Einlaufgetränk“ genossen und festgestellt, dass es ein wunderbarer Tag war.

Aber von Anfang an…
Heute Morgen starteten wir unsere Tour in Görwihl, einem kleinen Ort im Schwarzwald. Nach einigen schönen „Schwingkurven“- die wir gestern übrigens alle durch das Münstertal zum Landgasthof Kranz sehr super fanden – kam der erste Halt schon sehr schnell, denn die Versorgung mit Proviant für unser Picknick und noch Tanken vor der Schweizer Grenze waren der zweite Programmpunkt dieses Tages.
Was war der erste? Na, natürliche der morgendliche „Zündfunke“ mit dem Impuls für den Tag – und dem etwas misslungenen Versuch, „Laudate omnes Gentes“ zweistimmig zu singen – Wir üben dran!
Der Impuls des Tages lautete: „Was ist mir heute besonders gut gelungen?“… aber darüber später. Also, weiter ging es über die Schweizer Grenze, nicht ohne dass Wolfgang uns nochmal eindringlich auf die Geschwindigkeitsbeschränkung in der Schweiz hinweist – hohe Strafen drohen bei Nichteinhaltung. 55 € bei einem km/h Übertritt, bei Nicht-Bezahlen Beschlagnahmung des Moppeds – Knast!
Ich erwähne das, weil es mich und auch andere in der Gruppe anfangs etwas gestresst hat – der Blick ging mehr auf den Tacho als auf die Straße. Wobei ich persönlich zum Teil die Entschleunigung auf der Landstraße auch genossen habe, da konnte ich mehr in die Gegend schauen… Schön!
Dann wurde es echt „ätzend“. In Aarau gefühlte 250 Baustellen. Stop and Go usw. In den ersten beiden Stunden Durchschnitt von 35 km gefahren. Nervig!
Aber dann, nach der Kaffeepause stieg die Stimmung wieder und die Fahrt über den Glaubenbüelenpass entschädigte uns für die bisherige Fahrt – besonders Gerd, Elke und Rainer, die beim „Freien Fahren“ mal endlich richtig am Kabel ziehen konnten.
Wir anderen vertrauten lieber weiterhin der Führung unseres Tourguides Wolfgang.
Und dann kam der Nebel, man sah, dass man (fast) nichts sah… das beeinträchtigte aber unsere gute Laune nur wenig – wir fanden kurze Zeit später bei der Abfahrt einen super Picknickplatz mit toller Aussicht und nahmen danach den Grimsel-Pass in Angriff – Überwältigend, ich hätte mich nicht über ein paar Trolle am Straßenrand gewundert, fühlte mich wie in einer Märchenwelt… und unten glitzerte der See. Leider auch hier, kurz vor der Passhöhe und auf dem Pass: Nebel! Schade!

Deshalb kein Furka-Pass, sondern direkt ins Hotel Grimsel – tja, und wieder die Ersten!!! ?
Was mir ermöglicht, dir jetzt schon vor dem Abendessen mitzuteilen, wie dieser Tag war.
Und… was meine Gedanken zum Tagesimpuls sind. Denn für mich war es der bisher wichtigste Impuls, da ich in den vergangenen beiden Tagen Angst hatte, diese Tour nicht zu schaffen – als relative Anfängerin und zum ersten Mal mit einer Gruppe in den Alpen.
Das habe ich gestern Abend auch in der Großgruppe gesagt – und sehr viel Verständnis und Zuspruch erfahren!
Dadurch habe ich wieder Mut gewonnen (und endlich gut geschlafen) und Selbstvertrauen - in mich, die Gruppe und in meinen Schutzengel.
Dafür danke ich Euch! …Auf zu neuen Pässen!

Ute

 


4. Tag (Dienstag, 04. September 2018)

Hotel Grimsel – Agriturismo Giacomino, Sorico

Pilgern mit PS in den Schweizer Alpen und auf dem Weg nach Italien.
Der Morgen begrüßt uns mit Sonnenstrahlen durch den teils blauen Himmel, die Gipfel des Wallis erscheinen schon im Sonnenlicht. Nach dem ausgiebigen Frühstück beginnt unser Pilgertag mit dem Lobgesang – dem Zündfunken.
Der Gedanke des Tages wird durch die Fragen nach unserem Ziel und Beweggrund dieser Reise mitgegeben. Nach einer kurzen Tour-Besprechung starten die drei Gruppen ihren spannenden Weg. Uns erwartet bereits nach kurzer Fahrt die erste Passstraße zum Nufenen-Pass. Welch eine grandiose Bergwelt, welche großartigen Bilder, die kühle Luft erfrischt uns. Die Highlights werden heute nicht abreißen. Den Gotthard wollen wir über die alte Kopfstein-Straße erklimmen und werden erstmal an einer Baustellenampel gesammelt. Dort treiben uns die Senner ihre Kuh-Herde entgegen. Wohlgenährt und selbstbewusst wählen sie ihren Weg durch die wartenden Fahrzeuge. Die Tiere haben bereits einen langen Weg hinter sich und haben uns einen Kuh-Fladenslalom aufgebaut. Oben am Pass schauen wir erstmal wo die Sommersprossen des Kuhdungs getroffen haben. Wir besuchen die Kapelle mit ihrer einzigartigen Akustik. Unser Gebet und Gesang erfreuen auch die anderen Zuhörer.

Dann zum Oberalp-Pass und durch mehrere Schluchten der Rheinschlucht und der Rofflaschlucht. Es war manchmal (kritisch) eng, besser gesagt „spannend“ zusammen mit Baugerät, LKW und anderen „Rockern“ unterwegs zu sein.
Unser Weg führt uns durch die Via Mala zum Splügen-Pass, dem Grenzübergang nach Italien.
Die lange Anfahrt zum Alm-Gasthaus Giacomino fordert uns heraus, dafür belohnt uns der Blick auf den Comer See und die Stadt im Tal geschätzte 1000 m unter uns.

Der heutige Tag hat meine Erwartungen reichlich erfüllt. Mein Ziel ist es aber auch als Pilger unterwegs zu sein umgeben von lieben netten Menschen. Unsere Lieder in der Gotthard-Kapelle berühren mich. Laudate omnes gentes - singt und lobt den Herrn, unsere Freunde und unser Dank bekamen einen Ort an dem wir dies ausdrücken konnten.

Matthias B. aus E.


5. Tag (Mittwoch, 05. September 2018)

Agriturismo Giacomino – gepäckfreier Tag

Bergfest – die Hälfte ist schon geschafft!!
Nach einem süßen italienischen Frühstück treffen sich die Pilger zum Zündfunken auf einer sonnenbeschienenen Wiese mit großartigem Blick ins Tal. Anlässlich des Bergfestes gibt es einen kleinen Gottesdienst mit dem Gedanken – was bedeutet die Pilgerreise für mich.
In 6 Gruppen werden Gedanken dazu ausgetauscht – in der großen Gruppe danach reflektiert. Stichworte dazu; eine Reise antreten, Reise ins Innere, Grenzerfahrung, Verantwortung, Achtsamkeit.

Da heute gepäckfreies Fahren angesagt ist, teilen sich die Fahrergruppen auf. Eine nicht ganz kleine Gruppe von Pilgern möchte den Tag im Giacomino und Umgebung verbringen, den Strapazen des vorigen Tages geschuldet. Eine Kleingruppe aus 2 Pilgern – Wolfgang K. und Gerd fahren als erste los um mal ordentlich am Kabel zu ziehen.

Unser 1. Ziel nach einem Tankstopp ist der Pass St. Marco, sehr lang und kurvenreich. Es ist wieder eine grandiose Landschaft, die sich auftut, weite Täler, bewaldete Berge, schroffe Felsformationen, Ausblicke, die das Herz öffnen und die man nicht so schnell vergisst. Oben angekommen ist vom Mittelmeerklima nichts mehr da bei 15 Grad. Nach einem kurzen Aufenthalt geht es wieder passabwärts und die Eindrücke der Landschaft ringsherum bleiben überwältigend. Eine schöne Straße durch eine Schlucht wird passiert und als Sozia kann ich mich nicht sattsehen. So viele Eindrücke…
In Bergamo angekommen durchfahren wir die Stadt bis wir auf ein aufgeregtes Winken aufmerksam werden. Vor einer Panetteria sitzen die Heizer. Sie sind schon mit dem Essen fertig und empfehlen uns Panini und Tramezzini die unseren Hunger stillen.
Die Rückreise führt uns durch kleine, von der Nachmittagssonne beschienene Örtchen, durch lange Tunnel und schließlich ein Stückchen am Comer See entlang.
Die gefürchtete Auffahrt zum Giacomo hat einiges von ihrem Schrecken verloren, dennoch gibt es kleinen Zwischenfall.

Wir sind froh und dankbar, dass wir am Ende des Tages alle wieder zusammen sind und genießen ein üppiges Abendessen.
Das war ein schöner Tag, dem sicher noch einige folgen.

Bärbel C.


6. Tag (Donnerstag, 06. September 2018)

Agriturismo Giacomino – Hotel Edelweiß, Schlinig

„Die Freuden und Leiden der Kleinen Hondi“.
Ich glaube, ich muss mich erstmal kurz vorstellen.
Ich bin die kleine CBF, ich möchte aber lieber Hondi genannt werden. CBF klingt fast so schrecklich wie GS oder ZR, ätzend, deshalb lieber Hondi.
Mein Besitzer ist auch dieses Jahr wieder auf einer Pilgerfahrt unterwegs. Und dazu braucht er mich. Ich finde es immer spannend, bevor es losgeht. Dann gibt es frisches Öl und dieses Jahr gab es auch ein Paar neue Schuhe…

Jetzt sind wir aber schon seit einigen Tagen unterwegs und in Italien angekommen. Wie ihr sicher wisst: ich habe italienisches Blut in mir. Ach war das schön, mal wieder die Kurven ausfahren zu können. Letzte Nacht habe ich ja schön geschützt unter einem Dach geparkt. Aber am Morgen war ich doch etwas unruhig. Plötzlich standen so viele nackte Schafe um mich herum und schnupperten an mir. Bääh!!!! Gut, dass ich keine kleinen Köddel abbekommen habe.
Mein Fahrer war währenddessen mit dem Zündfunken beschäftigt:
Wo will ich ankommen?
Wer bin ich?
Das sind ganz schön schwierige Fragen, auf die ich so auch keine Antworten parat habe.
Heute wollen wir jedenfalls erstmal wieder Richtung Heimat in den schönen Vintschgau fahren.
Nach der schönen, jetzt schon fast bekannten Abfahrt zum Comer See geht es erstmal im italienischen Gewusel Richtung Maloja-Pass - schön, dass wir hinter Chiavenna wieder freie Fahrt haben. In Bondo passieren wir den mächtigen Gebirgssturz von 2017. Es liegen immer noch mächtige Geröllmassen im Dorf und in der Nähe der Straße. Wie mächtig und auch schrecklich kann die Natur sein.

An einer kleinen schlichten Kirche ist ein kurzer Stopp, wo ich kurz verschnaufen kann. Als wir wieder in der Schweiz angekommen sind und die Passhöhe erreicht haben, öffnet sich das Tal. Ein strahlend türkisfarbener See tut sich auf. Am Silvaplanersee kann man sich sehen lassen und auch gesehen werden. Herrlich ist es auf den ordentlichen nicht so holprigen Straßen der Schweiz dahinzufahren. Aber ehrlich, in St. Moritz, dieser mondänen Welt möchte ich nicht Urlaub machen.
Schnell ist der Bernina-Pass erklommen, bei der Einfahrt in Livigno werde ich nun doch richtig nass. Vorher hatte mich auf der Bernina-Passstraße auch so ein blödes Straßenreinigungsfahrzeug schon ein wenig geduscht. Ich bin auch wieder etwas durstig geworden. Gott sei Dank steuert mein Besitzer eine Tankstelle an. Nach einigen technischen Problemen mit der Zapfsäule gibt es wieder etwas Sprit. Ich hoffe nur, es ist kein billiger Fusel, weil sich mein Fahrer über den günstigen Spritpreis freut.
Eine etwas längere Verdauungspause steht auch an, denn auch mein Fahrer muss wohl etwas trinken.

Gott sei Dank ist es auch schnell mit dem Regen vorbei. Etwas holperig geht es an einer Baustelle aus Livigno heraus, wie hasse ich das Stoppen und Anfahren im Stau. Kurz vor Bormio fahren wir auf einer genialen Abkürzung direkt auf die Stilfser-Joch-Straße. Schnell geht es weiter in die Höhe. Schnee- und Eisbedeckte Berge tauchen auf.
In einem schmalen Tunnel muss ich noch einmal kurz die Luft anhalten, ganz schön eng darin. Gut, dass jetzt hier eine Ampel installiert ist.
An einer Felswand kann man die Verwerfungen im Gestein deutlich erkennen. Mit welcher Kraft sind die Alpen in die Höhe gepresst worden.
Oben am Umbrailpass tauchen wieder dunkle Wolken auf. Rasch geht es deshalb runter ins Tal. Glück gehabt, nur einige Tropfen abbekommen! Unten angekommen sieht man schon von weitem den Vinschgauer Sonnenberg. Nur noch rasch in das Schlinig-Tal hinein, an der mächtigen Klosteranlage Marienberg vorbei.

Was war das wieder eine schöne Tour. Toll, was die Organisatoren von Pilgern mit PS immer wieder planen. Aber das Beste kommt wie immer zuletzt: Meine Garage, ich konnte es kaum glauben, ist wie ein Wohnzimmer für mich. Schön seine Räder nach so einer Tour auf einem Teppichboden ausstrecken zu können. Mein Besitzer muss wohl in der Küche schlafen.
Vielen Dank!

Stefan


7. Tag (Freitag, 07. September 2018)

Hotel Edelweiß – Braugasthof Adler, Hundersingen

Hallo Rosa!
Deine große Schwester Lila war die erste, die ihren Weg zu mir gefunden hat, insofern freue ich mich, nun auch Dich einen Tag lang begleiten zu dürfen. Die Entscheidung ist dir heute Morgen ja nicht leicht gefallen. Lag es an den Wetteraussichten?
Erst als Wolfgang dir das kleine Schwarze überzog, hast du deine unentschlossene Kurverei beendet.
Ich fand die Sache mit dem Überzieher eine gute Idee und habe mich nach dem Zündfunken für das leuchtkeks-gelbe Ensemble aus dem Hause Michelin entschieden.

Stefans kleine Hondi durfte – wie wir heute Morgen erfahren haben – die Nacht im Wohnzimmer verbringen. Meine Große hingegen hat über Nacht Kopf und Schultern unterm Dach hervorgestreckt. Insofern war sie in der Früh etwas ungelenk. Und ich in meiner Montur zunächst etwas hüftsteif. Die gemeinsame Bewegungstherapie auf den ersten Kilometern hat uns deshalb echt gut getan.
Die weitere Strecke würde ich am ehesten als Transitstrecke beschreiben: gut ausgebaute Straßen, viel Verkehr, wenig Alternativen. Überrascht und beeindruckt war ich wirklich von den vielen – wirklich vielen - !!! Motorrädern, die uns am Reschenpass entgegenkamen. Wo die so „früh“ am Morgen wohl schon herkamen?
Das Wetter blieb trübe, die Berge wolkenverhangen, der Verkehr reichlich. Stop – and – go von Landeck bis Imst. Das Hahntennjoch bei 7-13 Grad und Regen. So gesehen hatten wir schon schönere Tage. Aber das Allgäu empfing uns zuletzt mit herrlicher Spätnachmittags-Sonne und das Schwingen auf kleinen Straßen vom Hof zu Hof hat noch einmal richtig Spaß gemacht.

Zum Zündfunken hatten wir uns heute Morgen übrigens in der kleinen aber feinen Kirche von Schlinig zusammen gefunden. Trotz der üblichen, gewohnten Kirchenstruktur stellten wir uns bestmöglich im Kreis um unser Helmkreuz und drückten ihr (der Kirche) so gesehen unseren Pilger-Stempel auf. Der Text (Seite 22 im Roadbook) knüpfte, vermutlich nicht ganz zufällig, an unser gestriges Nachtickern an:
Jeder Mensch ist dazu bestimmt, zu leuchten!
Auf die gestrige, schwierige Frage „wer bin ich“ hatte Dagmar nämlich eine wunderbare Antwort: In den Momenten, wo ich begeistert bin, da bin ich „ich“. Da bin ich authentisch und neben der Begeisterung und dem Strahlen bleibt kein Raum für „Rollendenken“.
Mein Strahlen und meine Begeisterung kann andere anstecken – muss es aber nicht.
Ich „darf“ nicht erwarten, dass es so ist.
Aber ich sollte mich durch verhaltene oder gar negative Reaktionen nicht davon abhalten lassen zu strahlen, begeistert zu sein, ICH zu sein.
Das bringt mich zum heutigen Impuls:
Was macht mir Freude? Oder vielleicht auch: was begeistert mich? Darüber haben wir uns in den letzten Tagen immer mal wieder ausgetauscht.
HEUTE war es bei mir vor allem eins:
Dass wir immer mal wieder die eine oder auch andere Gruppe am Wegesrand gesehen haben, und sie uns auch ?.
Und unser Winken und Strahlen und die Action einer namentlich hier nicht weiter benannten Person hat ganz offensichtlich einigen Mitmenschen viel Freude bereitet.

Eine andere Freude hat Regina mir heute bereitet, als sie bei unserem ersten Halt in „ich-weiß-nicht-wo“ in der örtlichen Kirche „Engel-Karten“ entdeckte und „spendierte“. Kunstvoll gestaltete Karten mit Engel-Motiven und Sprüchen von Anselm Grün, die mir persönlich Trost und Hoffnung zusprachen. Am Nachmittag dann eine weitere Engel-Begegnung: wir waren nach einer kurzen Pause gerade wieder aufbruchbereit, da kommt ein Motorroller angefahren, hält sozusagen quer vor Michaels Motorrad, der Fahrer fragt nach dem „Anführer“ unserer Gruppe und schenkt uns einen kleinen, aus Holz geschnitzten Engel, verbunden mit seiner Lebensgeschichte in wenigen Sätzen. Wir freuen uns. Er fährt weiter, wir überholen ihn, winken zum Dank, er freut sich. Und den ganzen Tag über begleitet mich ein Lied:

„Gott hat mir längst einen Engel gesandt,
mich durch das Leben zu führen.
Und dieser Engel hält meine Hand.
Wo ich auch bin, kann ich´s spüren.
Mein Engel bringt in Dunkelheit mir Licht.
Mein Engel sagt mir: „Fürchte Dich nicht!!!
Du bist bei Gott aufgehoben!“

Conny


8. Tag (Samstag, 08. September 2018)

Braugasthof Adler – Hotel Oberschnorrhof, Dammbach

Letzter Tag!
Eine wunderschöne Woche geht (leider) zu Ende!
Besondere Erfahrungen und Eindrücke, die dieses Jahr ganz besonders und intensiv waren.
Freundschaften und Irritationen, die glücklicherweise zum Guten gewendet wurden.
Ich habe die intensive Gruppendynamik sehr genossen und mich sehr wohl gefühlt. Eine für mich sehr bereichernde Zeit und Woche.
Ich freue mich schon auf das Nachtraffen und die für nächstes Jahr neu geplanten Fahrten evtl. auch wieder mit Euch.

Gerd

Etwas, das mir heute nach dem Zündfunken in die Hände gelegt wurde. Ich möchte es gerne mit Euch teilen:
„Kerzen-Sache“

Mit Poesie in kleinen Stücken
will ich heut Dein Herz erquicken.
Wir brauchen nicht den „Roten Punkt“,
bei unserer Freundschaft hat es auch so gefunkt.
Nicht eine Träne musste fließen,
auch Blumen taten wir nicht gießen,
wir brauchten kein Polareis brechen,
ja, es taten die Gefühle sprechen.

So können kleine Dinge zu großen reifen,
das sei doch ganz einfach zu begreifen,
doch wie klar vom Berg herab das Wasser,
sind die ungetrübten Gedanken vom „Verfasser“.
Darum sei jedes Abendbrot dir ein Gebet,
der andere Tag noch in den Sternen steht.

Von Franz Bauer, dem Mann mit dem Besen, den leuchtenden Augen und den unbeschwerten Kerzen.

Renate

 

Das Kostbarste von dieser Fahrt „für die farblosen kalten Wintertage“ sind
• Die vielen Ermutigungen welche mich tief berühren
• Das gemeinsame Schwingen durch die unzähligen Kurven
• Die wunderbaren Begegnungen zwischen uns und mit anderen
• Jedes Lachen und Weinen
• Das Gefühl der Dankbarkeit Euch etwas + etwas mehr kennenlernen zu dürfen!

Dankbarkeit erfüllt mich, dass ich als Sozia mit Udo diese Fahrt erleben und erfahren durfte. Unterwegs, vorbei an vielen Obstbäumen, die eine Fülle und auch Last von ihren Früchten tragen, musste ich immer wieder über den Impuls vom Zündfunken nachdenken.
Was nehmen wir/ich an Vorrat für unsere/meine Seele von dieser Fahrt mit:
Es ist nicht nur der Vorrat für meine Seele sondern auch, dass gerade die Landwirte ihre Ernte/Vorrat einbringen.
Dankbarkeit erfüllt mich, dass wir in einem so reich gesegneten Land leben dürfen.
Für mich und meinen „Vorrat“ nehme ich mit:
• die Wärme der Sonnenstrahlen auf meinem Rücken
• die Gemeinschaft der Gruppe, in der ich unterwegs war
• die vielen guten Gespräche mit den Mitpilgern
• und die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit vielen Mitpilgern

Danke an Euch alle für eine wunderbare Zeit mit Euch!

Gudrun

 

Eine tolle Pilgerwoche geht zu Ende!
Viele wunderschöne Landschaften, fast kein Regen und keine Ausfälle lassen diese Reise mich wieder für das ganze Jahr zehren.
Liebenswerte Mitpilger machten die Woche zu einem Erlebnis; ich freue mich auf 2019.
Danke Euch allen für die wunderbare Zeit!

Elke

 

Abreisetag

Einfach mal nicht aufregen, wenn etwas schiefgeht.
Kannst Du das?
Einfach mal keine Leistung bringen, ohne Termine sein.
Kannst Du das?
Einfach mal in der Sonne sitzen und nichts tun.
Kannst Du das?
Einfach das Leben genießen.
Kannst Du das nicht mal ausprobieren?
Ich konnte es in dieser Woche!!!

Danke für tolle Menschen, danke für die Fürsorge, danke für das Lachen, Danke für das Weinen.
Bleibt gesund….

Eure Lis


 9. Tag (Sonntag, 09. September 2018)

Der letzte Tag der Pilgerfahrt!

Um 9 Uhr ist der Zündfunken an der Reihe.
Es wird gesungen, gebetet und das Tagebuch vorgelesen.
Diese Momente waren mit viel Gefühl und Tränen verbunden.
Dann eine Hand links auf die rechte Schulter meines linken Nachbarn, die andere Hand rechts auf den Rücken meines rechten Nachbarn. Inne halten.
Die Gänsehaut kommt und geht wieder.

Nun kommt die Verabschiedung – für viele sehr bewegend.
Man freut sich auf das Jahrestreffen Ende Oktober um sich wiederzusehen.

Nun geht es heimwärts, einige allein, andere in Gruppen.
In einigen kleinen Städten und Dörfern finden Feste statt; die Feuerwehr ist dabei. Na wo wohl? Am Grillstand!
Ein Dorf war gesperrt, dort gab es ein Sattelfest. Die Umleitung ging über die Autobahn. Also Navi an, da ich nicht auf die Autobahn fahren wollte.
Nach einigen Umleitungen und Baustellenampeln geht das Navi aus.
Nun fahre ich durch das Sauerland nach Hause.

Für mich war es eine schöne Woche, viel gesehen, viele Kurven gefahren, neue Menschen kennengelernt, viele Eindrücke bekommen, viele Gespräche geführt.
Das Positive bleibt hängen und das Negative rutscht durch und ist weg, wie bei einem Sieb.
Negative Momente sollte man nicht zu nah an sich ranlassen, dann überwiegen die positiven Momente, von denen man zehren kann. Bis zur nächsten Reise mit Pilgern mit PS.

Ein DANKE an das Team von Pilgern mit PS!

Rita

 

2018 | Spurensuche - Europas Kultourerbe | Tour-Tagebuch

Tagebuch der Teilnehmer an der Motorrad-Pilgerfahrt Spurensuche - Europas Kultourerbe

26. Mai bis 2. Juni 2018

Liebes Tagebuch,
Michael und ich erhielten diese Woche eine Mail von Tim. In dieser beschrieb er, was er von seiner "to-do"-Liste bereits abgearbeitet hatte, ob mir noch was einfiele und stellte - mehr oder weniger zwischen den Zeilen - die Frage, wie weit wir denn seien.
Mein Gott: Das Tagebuch! Ich hatte doch versprochen, eins zu besorgen. Was man nicht im Kopp hat ....
Und dann war es Tims Idee, dich, liebes Tagebuch, bereits vor dem Start zu füttern - meine Schuld ist es nicht!

Mein Mopped übrigens habe ich vor der Spurensuche nicht nochmal extra geputzt, obwohl Michael meinte, dass das zwingend notwendig sei, da man sonst später nicht genau sehen könne, wie dreckig es während der Tour geworden ist.
Mit Dietmar und zwei weiteren Arbeitskollegen war ich über Pfingsten an der Tonenburg im Weserbergland. Wenn diese Fahrt ähnlich klasse wird wie unser Pfingsttrip, dann will ich mal mehr als zufrieden sein.
So! Luftdruck geprüft, Öl okay, Mopped gepackt - morgen geht´s endlich los! Um 7:30 Uhr treffe ich mich mit Dietmar und Markus.
Doch ja: So´n bisschen aufgeregt und nervös bin ich schon, aber die Freude darüber, dass es endlich losgeht, überwiegt.

Uns allen wünsche ich eine entspannte Spurensuche, viele Kurven, gute Gespräche und den Segen desjenigen, der uns begleiten wird.

1. Tag (Samstag, 26. Mai 2018)

Liebes Tourtagebuch,
on the road again, ja es ist wieder so weit; nach "Beginne deinen Weg" die erste große Tour in diesem Jahr. Meine Vorbereitungen waren wieder so knapp wie im letzten Jahr; diesmal musste noch die Kette gewechselt werden. Und dabei wollte ich es diesmal ganz locker angehen lassen, etwas chilliger halt. Aber so ist das mit den Erwartungen und besonders mit denen, die man an sich selbst hat. Und dann ist das Thema "Erwartungen" auch noch Motto beim Zündfunken.
Und wie so meist, "et is ja allet no ma joot jejangen." Ich treffe mich, wie schon so oft, mit Michael und Barbara bei Decathlon in Herne. Ich freue mich auf die beiden. Auch wenn ich mich meist erst spät melde, nehmen sie mich immer gerne auf der Anfahrt mit. Danke an euch beide. Auf sie ist Verlass, sie haben immer ein gutes Timing.
Kurze Begrüßung und es geht auch direkt los zum "Altenberger Dom", und das bei bestem Wetter. Es ist schon imposant, auf den Dom, dieses große alte Gebäude der Christenheit, zuzufahren. Hier starten wir diesmal zu unserer Spurensuche. Um es mit Martins Worten auszudrücken: "boah ey".

Ein paar Mitpilger - oder sagt man Spurensucher oder vielleicht sogar Spurenfinder - sind schon da. Langsam füllt sich der Vorplatz, alle trudeln ein.
Herzliche Umarmungen, Wiedersehensfreude, Vorfreude; sogar zahlreiche Weggefährten - Freundinnen und Freunde - die diesmal nicht mitfahren, sind gekommen; einfach schön!
Hey, da ist ja auch Mike, mein alter Spezi aus Tönisheide! Beim gestrigen Telefonat hatte er sich nichts anmerken lassen. Auch er ist mit seiner Frau Gabi gekommen, um uns begrüßen und auch wieder zu verabschieden - einfach klasse - Erwartungen übertroffen!
Nun noch schnell das T-Shirt bezahlt (sieht echt schick aus), aber ich hätte doch lieber Größe L nehmen sollen. Nun ja, bei den heutigen Umweltbelastungen wird die Luft doch auch kalorienhaltig.
Und schon geht es los. Der erste Zündfunken auf der Spurensuche 2018. Michael liest den Text auf Seite 14 im Roadbook vor. "Aller Anfang ist schwer .....". Es spricht mich an, diese Zeilen werden mich begleiten.
Das Tagebuch wird verlesen und kreist 1 x, 2 x - ich greife zu! Mann, bin ich spontan. Warum eigentlich?

Wir treffen uns noch in den Kleingruppen. Andreas fehlt, er stößt erst heute Abend zu uns. Und Conny sagt auch leise "servus". Sie hat noch eine private Feier und ist erst morgen früh wieder bei uns. So bleiben von Sechsen nur Viere, also Kleinstgruppe statt Kleingruppe. Reihenfolge wie besprochen - und schon geht es los: Michael, Regina, ich (Wolfgang) und Thomas.
Zunächst durch kleinere Ortschaften und dann ist kurvenreiche Strecke angesagt, und das bei optimalen Wetterbedingungen. Doch was noch geiler ist, ist die orchestrale Begleitung, die mir widerfährt, ein wahres Sounderlebnis: vor mir die Ducati von Regina und hinter mir
Thomas mit seiner Kawa und der E-konformen Auspuffanlage. V2-Klang vom Feinsten, ich steh drauf. Da muss ich doch an meine Honda Hawk denken, die mich letztes Wochenende begleitet hat.
Erste kurze Pause, bisserl was trinken, alles ok, gut eingerollt - alle zufrieden, Erwartungen erfüllt!

Und weiter gehts! Noch mal 60 km, jetzt tanken, vielleicht ´nen Kaffee? Auch Thomas gelüstet danach, aber nee, erst mal weiter. Gefühlte 100 km später erreichen wir Weilburg, ca. 13:00 Uhr. Michael steuert zielstrebig auf den großen Parkplatz zu, den Kirmesplatz von Weilburg. Und mitten drauf die Bratwurstbude der "Fleischerei Bleul". Hier gibt es Schnitzel, Bratwurst, Mantaplatte und Getränke - hm! Ich glaube, Michael ist kein Kuchenfreund! Auch wir bestellen ..... und endlich mal sitzen!
Die Bratwurstbude füllt sich, scheint ein Geheimtipp zu sein; aber die Wurst war auch echt lecker. Zum Abschluss noch den anstehenden Toilettengang erfüllen. Dem Hinweis der Bedienung auf das gegenüber liegenden Café (versteckt gegenüber der Hauptstraße) folge ich nur zu gerne. Ich kann euch sagen: ein urgemütliches Café, dies ist im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses (alter Villenstil) untergebracht und mit einem tollen Garten versehen. Aber erst der Kuchen, eine Nussecke "für auf die Hand" muss reichen.
> lecker! Erwartungen übertroffen!

Und schon geht es auch wieder weiter. Die Saalburg ist uns unterwegs irgendwie abhanden gekommen. Woran lag es? War es das Navi, das warme Wetter oder doch die Gelüste aufs kühle Willkommensbier? Egal! Wir sind noch früh dran und machen einen Abstecher zum Feldberg; nochmal was Flüssiges, Aussicht genießen und Moppeds gucken.
Und jetzt aber los nach Schmitten, zum Hotel "Kurhaus Ochs". Da war ich dieses Jahr schon mal mit "Beginne deinen Weg". Das war auch eine schöne Einstimmung für die Saison 2018.
Und die Erwartungen? Tja, Begrüßungsbier und lecker Essen, so hoffen wir! Auch Martins und Tims Gruppe kommen an.

Das Essen ist wieder lecker. Auch Andreas ist jetzt dabei, kommt aus Süddeutschland. Unsere Gruppe füllt sich - gut so!
Ach ja - die Erwartungen wieder mehr als erfüllt
Ende

Wolfgang, der mit der blauen Suzi

 


2. Tag (Sonntag, 27. Mai 2018)

Start am Hotel Ochs in Schmitten

Es ist wieder 8 Uhr, und es geht zum Frühstück im Hotel Ochs. Wie bei vielen anderen Teilnehmern ist es erst drei Wochen her, seit wir beim BdW hier übernachtet haben. Aber etwas ist heute anders. Herr Pauli kommt zum Zündfunken.
Um 9 Uhr stehen wir mit Herrn Pauli aus Gräwenwiesbach im Kreis. Als Gäste können wir heute noch den Inhaber des Hotels, Herrn Ochs, und zwei Motorradfahrer, die auch im Hotel übernachtet haben, willkommen heißen.

Der Zündfunke beginnt mit einem "Laudate omnes gentes". Dann erfahren wir, dass heute der Dreieinigkeitssonntag ist. Damit habe ich ja immer meine Probleme. Es kommt halt immer der kleine Häretiker durch. Aber der Gedanke, dass die Dreieinigkeit eine Gemeinschaft beschreibt, gefällt mir. Da ist auch unsere Pilgergemeinschaft eingeschlossen.
Nach einem "Vater unser" und einem Segen geht es wieder auf die Tour. Natürlich auch mit einer Aufgabe für den Tag: "Was bedeutet dieser Segen für dich?" Erst mal eine Frage. Ich packe sie virtuell in den Tankrucksack und los gehts.

Nach einer kurzen schönen Waldstrecke quälen wir uns um Frankfurt herum. Diese Stadt und ich werden in diesem Leben wohl keine Freunde mehr. In Bayern angekommen, machen wir erst mal Mittag in einem Wirtshaus mit einer sehr dynamischen Bedienung. Sie hat alle Hände voll zu tun, macht dies mit einer besonderen Freundlichkeit. Durch Bayern geht es weiter und gegen 17:30 Uhr erreichen wir unseren Ponyhof. Heute sind wir auf einem Reiterhof untergebracht, auf dem auch Reiter auf Motorrädern willkommen sind.

Zum Nachtickern geht es in die große Runde mit allen zusammen. Es entwickelt sich ein lebhaftes Gespräch zum Thema "Segen". Da hatte der Tagesgedanke wohl gezündet. Die große Frage ist "was unterscheidet einen Segen von einem Wunsch für jemanden und richte ich den Wunsch an Gott, damit er das regelt oder ist es die Bitte um seine Mithilfe".

Im Anschluss an das Nachtickern wurde der Tag in einer fröhlichen Runde beschlossen.

Danke für die Vielfalt unserer Gemeinschaft!
Danke für die Einigkeit in unserer Gemeinschaft!
Danke, dass du uns eine solche Gemeinschaft gibst!

Rainer

 


3. Tag (Montag, 28. Mai 2018)

Oh Schreck! Das Tourtagebuch kreist seine übliche Morgenrunde und ... bleibt bei mir hängen!
Was hat es sich dabei nur gedacht?

Die Spurensuche begann in diesem Jahr ganz ungewöhnlich:

Freitag früh: Guten Morgen, Familie - Tschüs Familie - bis morgen Familie!

Freitagabend: Vorübernachtung zu Viert (Dagmar, Regina, Rainer, ich) - Thomas "zu Besuch" - Sozusagen ein erstes "kleines Hallo" - eine inzwischen liebgewonnene Tradition

Samstag früh: "großes Hallo" am Altenberger Dom - guten Morgen Pilgerfamilie - Tschüss Pilgerfamilie - bis morgen Pilgerfamilie (seltsames Gefühl)

Ich fahre den ganzen Tag alleine, und doch begleitet IHR ALLE mich in meinen Gedanken.

Samstagabend: Familienfeier - so viel dazu - Punkt!

Sonntag früh, na ja, also, Vormittag: Meine Gruppe holt mich gegen 11 Uhr am Hotel ab. Ich freue mich wie ein kleines Kind und bin total dankbar. Endlich kann es so richtig losgehen!

Soweit die Vorgeschichte - sorry ..... Nun zu heute, also quasi gestern ...

Tim lädt uns beim Zündfunken dazu ein, heute ganz besonders auf die Spuren zu achten, die wir im Laufe des Tages entdecken werden. Und beim Nachtickern kommen da tatsächlich ganz unterschiedliche Spuren zusammen.

Im www.urmu.de in Blaubeuren erfahren wir, wie hier im Tal in verschiedenen Höhlen archäologische Funde geborgen und gedeutet werden. Der Neandertaler und der "moderne Mensch" haben hier gelebt, sind sich hier aber wohl nie begegnet. Neandertal? Moment mal!
Das ist doch gar nicht weit weg von unserem Startpunkt! Da muss ich auch unbedingt mal hin ....

Im Museum lernen wir auch, dass die Schwäbische Alb aufgrund des Karst-Gesteins immer schon arm an Oberflächenwasser war und dass durch diesen Umstand die Bevölkerung bis ins 18./19. Jahrhundert hier in Armut lebte. Alexander hat dazu seine ganz persönliche Spur: Seine Vorfahren wanderten aufgrund dieser Wasserarmut von hier aus - ins Gebiet von Odessa (heute Ukraine). Und nun ist er sozusagen zurück. Wir waren alle beeindruckt, die Entwicklung von Kultur so anschaulich und hörbar vor Augen und Ohren geführt zu bekommen. Sei es die Spezialisierung von z. B. Werkzeugen, die Herstellung von Schmuck oder von Instrumenten - unser heutiges Kulturerbe!

Bei unseren Fahrten durch Deutschland wundere und amüsiere ich mich immer wieder gern über Ortsnamen und wie sie wohl entstanden sind - auch eine Form von Kulturerbe, wie ich finde. Am ersten Tag fuhr ich durch Dirkingen (schönen Gruß an meinen Mann), kam an Husten und sogar Halb-Husten vorbei (klingt beides nicht gesund).

Heute kamen wir nach einer ausgiebigen Schotter- bzw. Splitstrecke nach Ohmenheim. Es war zum Glück kein schlechtes Omen für den Tag. Bei nachmittäglichen 26 Grad fuhren wir dann durch Hitzkofen. Wer will bei dem Wetter noch zusätzlich Hitze kofen?

Die letzen Kilometer führten uns durchs wunderschöne obere Donautal zum Kloster, Verzeihung zur Erzabtei St. Martin zu Beuron, wo wir herzlich willkommen geheißen wurden. Ich freue mich sehr, an diesem schönen Ort für drei Nächte verweilen zu dürfen - auch eine Besonderheit bei dieser Tour.

Bevor nun diese Zeilen allzu viele Spuren bei euch hinterlassen .... nur noch ein Wort:

DANKE!!!

Conny

 


4. Tag (Dienstag, 29. Mai 2018)

Hallo Tagebuch,
da sind wir beide also wieder auf Spurensuche. Zur Zeit sind wir im Kloster Beuron, wo wir uns etwas länger aufhalten. Der heutige Tag war ein ganz besonderer.

Martin sagt, er habe nur 30 km auf dem Tacho, das habe er noch nie erlebt. Es begann schon mit dem Zündfunken. Der fand nämlich nicht draußen bei den Motorrädern (bei schönstem Wetter), sondern im Tagungsraum im Stuhlkreis statt. Glücklicherweise erinnerte wenigstens das Helmkreuz an "Pilgern mit PS".

Der Grund war Pater Daniel, der seit ca. 30 Jahren als Benediktinermönch hier im Kloster lebt. Er gab uns einen sehr interessanten Einblick in das Leben eines Mönchs in der Gemeinschaft. Beeindruckt hat mich seine Aussage, dass Mönchsein eigentlich bedeutet "frei zu sein für das Lesen und Studieren der Heiligen Schrift". Besonders in den Stunden von 9 -12 Uhr vormittags. Er sagte, dass das nicht mehr gelingt in unserer Zeit, weil es morgens vielfältige andere Aufgaben gibt, die zu erledigen sind. So ist unsere schnelllebige Zeit auch hinter den Klostermauern angekommen.

Anknüpfend an unseren Zündfunken sagte Pater Daniel auch, dass ein wichtiges benediktinisches Glaubensmotto nicht "ora et labora" sei, sondern das Hören einen übergeordneten Rang einnimmt. "Höre .... dann wirst du ankommen."
Dazu fällt mir ein Text von Sören Kierkegaard ein, der in etwas so lautet:
Ein Auszug: ".... ich dachte zuerst, Beten sei Reden mit Gott. Beten heißt aber: still werden und still bleiben, bis der Betende Gott hört." Dann bin ich angekommen.
Eigentlich, liebes Tagebuch, ist es jetzt genug, aber wir sind ja auf Spurensuche. Wir haben zwar wenige km gefahren, aber dennoch viel erreicht.

Nach einem leckeren Mittagessen im Kloster starteten wir nach Meßkirch (15 km) zum "Campus Galli". Das ist ein Projekt, in dem man versucht, mit den Mitteln des 9. Jahrhunderts eine Klosteranlage zu bauen. Als Vorlage dient eine von Mönchen erstellte Zeichnung (kein Bauplan) aus eben jener Zeit. Sehr, sehr interessant und beeindruckend. Da muss man schon selber hinfahren, das kann man nicht erzählen. Wir sind in 5 Jahren wieder dort!

Noch ein kurzer Gedanke zur Spurensuche und dann höre ich auf, obwohl es noch so viel zu sagen gäbe. Ich denke, wir sind in diesem Jahr auf den Spuren der Menschheit. Wie sie lebten in den verschiedenen Epochen, wie sie überlebten, was sie antrieb, was sie suchten.
Und wir schlagen immer wieder den Bogen zu uns.
Was treibt uns an?
Wie leben wir?
Was suchen wir?
Welche Spuren hinterlassen wir?
Wir sind mittendrin. Spurensucher eben. Wie schön, dass wir gemeinsam suchen.

Marita (Spurensucherin)


5. Tag (Mittwoch, Mittwoch 30. Mai 2018)

Liebes Tagebuch,
dieses Jahr hast du gar keinen Namen wie letztes Jahr "Tagebuch lila"! Egal, ich schreibe gerne in dir! Vor dem Zündfunken ist endlich mal Tau auf dem Motorrad. So kann ich mit dem feuchten Tuch die Scheiben und das Visier reinigen. Beim Zündfunken liest Martin ein Gedicht von Rudolf Otto Wiemer vor, das uns verdeutlicht, dass Engel keineswegs himmlische Wesen sind, sondern Menschen wie du und ich! Ja, es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel!

Danach verabschieden wir Markus, der arbeiten muss, danach aber wiederkommt!

Barbara schont ihr Motorrad und fährt bei Martin als Sozia mit! Dann geht es in den bewährten drei Gruppen auf zur Insel Reichenau!
Unterwegs in Stockach erblicken meine Augen einen großen Honda-Betrieb! Freude kommt auf und ich denke, warum gibt es hier unten so wenig BMW-, Suzuki-, Kawasaki-, Triumpf- Betriebe?

Dagmar beginnt zu schwitzen, sie meint, für höchstens 5 km noch Benzin zu haben! Vollgetankt geht es dann weiter durch herrliche Obstplantagen, an Blumenwiesen vorbei durch herrliche Wälder. Die Obstkulturen stehen für das Paradies, wo es ja auch Obst gab, zumindest Äpfel. Ja, dieses Fleckchen Erde ist ein Paradies, ein Ort von Gott geküsst! Das ist auch die Insel Reichenau, wo wir von Messner Müller vor dem Münster St. Maria und St. Markus begrüßt werden! Um 724 n. Chr. entstand hier die erste Klosterkirche der Benediktiner. Der erste romanische Bau mit maurischen Bögen wurde spätgotisch von 1447 - 1477 verlängert! Wir erfahren, dass dies die erste Vierungskirche nördlich der Alpen ist, die die Reliquien des Apostels Markus beherbergt. Hier auf der Reichenau in der Abtei gibt sich Europa die Hand.

Da wir inzwischen eine Gruppe sind, die gut zusammengewachsen ist und sich gut versteht, darf hier auch gesagt bzw. geschrieben werden, dass Dagmar einen Anruf erhielt, dass es ihrer Mutter im Hospiz sehr schlecht geht und sie sterben könnte. Die Familienmitglieder sind bei ihr, Dagmar ist bei uns! Ihr Vater möchte, dass sie bei uns bleibt! Liebe Dagmar, dir, deiner Mutter, deiner Familie viel Mut und Kraft und Gottes Nähe! Wir denken an euch, besonders an deine Mutter und dich! Er schicke euch einen Engel, von dem wir morgens gehört haben!
*) siehe Nachtrag

Nach einer Stärkung auf der Insel Reichenau fährt meine Gruppe nach Konstanz, um mit der Fähre nach Meersburg überzusetzen. Wieder durch herrliche Landschaften zurück mit einer Einkehr im Schloss und Kloster Salem, einer Zisterzienserabtei, geht es durchs Donautal zurück nach Beuron. Bevor wir dort ankommen, machen wir einen Abstecher, um einen tollen Blick von einem Berg auf die Erzabtei Beuron zu bekommen! Wir halten an und machen
Fotos.

Ein toller Tag für alle drei Gruppen, wie wir abends beim Nachtickern austauschen. Für mich nach der Luther-Tour von 2017 die zweite große Tour, bei der vieles leichter und lockerer für mich ist, weil ich letztes Jahr Anfänger war und von lieben Menschen bis heute viel lernen durfte, viel mehr als wie man Ketten schmiert, wie mir Tim so liebevoll erklärt hat! Dass ich bei euch so viel lernen durfte, nur ein Wort, dafür umso herzlicher:

DANKE

Josef


6. Tag (Donnerstag, 31. Mai 2018)

Fronleichnam

Hallo Tagebuch,
ich grüße dich, wir werden heute den Tag zusammen verleben, beginnend nach einigen Runden beim Zündfunken. Lass uns schauen, wie es wird. Zu deiner Info: wir werden diesen Tag mit Michael, Regina, Andreas, Conny und Wolfgang verbringen.

Los gehts mit einem tränenden Augen des Abschieds von der Erzabtei St. Martin, aber mit einem herzlichen Willkommen im Kloster St. Maria
- wieder mit wunderschönen kurvenreichen Strecken
- einem Abstecher über den Rhein mit einer Fähre nach Frankreich
- mit interessierten Mitmenschen, die uns durch Fragen erst einmal darauf aufmerksam machen, was für ein zusammengewürfelter Haufen wir sind, da wir in unser Gruppe alle unterschiedliche Nummernschilder haben. Wir haben dann den Zusammenhang erklärt. Die Reaktion war Faszination und Bewunderung über das Pilgern mit Motorrad.

Ein gemeinsames Ziel verfolgen. Und du, liebes Tagebuch, nimmst an all diesen Dingen teil und das Beste ist, in dir sind diese Dinge auch festgehalten.
So, jetzt aber nach der Kaffeepause in Landau auf die Zielgerade zum Kloster St. Maria, wo wir uns wieder mit allen treffen. Nach dem Abendbrot - ein Drei-Gänge-Menü - wird uns über das Kloster erzählt. Auch hier wieder eine herzliche Aufnahme, die uns bis jetzt überall zukam.

Jetzt Nachtickern, den Tag Revue passieren lassen, ein Austausch, Gedanken!
Ach so, hinsetzen, schreiben, in dir auf den Seiten Eindrücke des Tages festhalten.

Ich glaube, ich bin fertig

Thomas

P.S. Ein schöner Tag mit dir!
"Weiß ich den Weg auch nicht, so kennt ihn Gott!"


7. Tag (Freitag, 1. Juni 2018)

Hallo Tagebuch - oder besser: "hello again"! Wir kennen uns ja schon ein wenig. Heute beginnt der Tag mit dem Zündfunken vor dem Kloster St. Maria in Esthal. Zusammen mit zwei Gästen stehen wir im Kreis um das Helmkreuz, und Martin trägt von Kurt Tucholsky "Drei Minuten Gehör" vor. Es ist schon erstaunlich. Ich kenne den Vortrag von Martin von einer anderen Fahrt, aber mit einem anderen Hintergrund liegt der Fokus auch auf einem anderen Teil des Gedichts. Für mich stehen heute die Frauen und Mütter im Vordergrund. Sie lässt man mit den Folgen der Weltpolitik allein. Ist das heute anders? Oder sind die Frauen und Mütter des 1. Weltkriegs heute wir alle, die mit ansehen müssen, wie Ideologien Gemeinschaften in mitunter tödliche Feindschaften verwandelt?

Im Anschluss an den Zündfunken fahren wir zum Hambacher Schloss. Auf dem Weg dorthin geht mir ein Lied der Studentenbewegung des 19. Jahrhunderts nicht aus dem Kopf: "Die Gedanken sind frei". 1832 haben Tausende für das Recht, ihre Meinung frei äußern zu können, eine beschwerliche Reise durch die deutschen Länder auf sich genommen.

Im Anschluss an das Hambacher Fest mussten viele dieser Mutigen für die Äußerungen ihrer Idee nach einem in Freiheit geeinigten Deutschland ins Gefängnis. Bis wir alle in einem Land leben konnten, sollte es noch 158 Jahre dauern. Wir sollten uns dieser Freiheiten immer bewusst sein.

"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei auszudrücken. Eine Zensur findet nicht statt." (Grundgesetz)

Nach dem Hambacher Schloss fuhren wir Richtung Mosel. Leider hatten die Verkehrsplaner in Kaiserslautern noch eine Rundfahrt durch die wichtigsten Industriegebiete der Stadt vorgesehen. Zumindest kann ich die Kombination von Sperrungen und Umleitungen nicht anders deuten. Was die Verkehrsführung jedoch mit den Leistungen des örtlichen Fußballs zu tun hat, darf Martin hier eventuell ergänzen.

Nicht unerwähnt sollte hier bleiben, dass wir nach der Kaffeepause gegen 15.30 Uhr in einen ordentlichen Regenschauer geraten sind. Sechseinhalb Tage Pilgern mit PS ohne Regen bei tollem Wetter! Da fällt dieser Regen in die Rubrik "Kleinigkeiten, die dazugehören".

Kurz nach 17 Uhr erreichen wir das Ziel "Kloster Himmerod" in der Eifel. Als ich mein Zimmer betreten habe, glaubte ich, in einer anderen Zeit zu sein. Nach der Kontrolle des Datums auf dem Telefon habe ich nach dem Schild "Bitte nicht berühren" gesucht. Das muss doch ein Museum sein oder?

Um 19 Uhr wurden wir zu einer Führung durch das Kloster empfangen. Neben vielen Details zur Bau- und Entwicklungsgeschichte des Klosters haben mich besonders die Ausführungen zu den Entscheidungen der Zisterzienser im Kapitel beeindruckt. Schon seit mehreren Hundert Jahren wurden hier die Entscheidungen für die Gemeinschaft demokratisch getroffen. Hier schließt sich der Kreis zu unserem Besuch des Hambacher Schlosses. In der Nachtickerrunde am Abend wurde neben den Ereignissen des Tages auch die gesamte Woche betrachtet. Es hat mich besonders fasziniert, wie sich die einzelnen Stationen der Pilgertour verbunden haben. Sicher hat hier jeder seine eigenen Schwerpunkte.
Für mich war es der Campus Galli und die Motivation, ein Ziel zu verfolgen. Nicht alleine, sondern in der Gemeinschaft gehen sie es an und ich denke, dann werden sie es auch schaffen. Irgendwann.

So, für mich ist diese Tour damit zu Ende. Ich bedanke mich bei meiner Gruppe, bei Tim, unserem Guide, bei Dagmar, Josef, Alexander und Joachim, dass ich mit euch fahren durfte.
Ich bedanke mich bei all den anderen Spurensuchern aus den beiden anderen Gruppen für die tolle Gemeinschaft und die Impulse, die über diese Woche hinaus wirken.
Dankbar bin ich auch für alle, die uns in dieser Woche aufgenommen haben. Ich denke, wir haben an vielen Orten mehr erhalten als ein Bett und ein Stück Seife, aber das trägt jeder selbst in seinem Herzen mit.

Bis zur nächsten Tour!

Rainer


8. Tag (Samstag, 2. Juni 2018)

"Hallo, liebes Tagebuch",
ich rede dich mal vorsichtshalber auch so an, wie die anderen vorher. So wird es ja wohl richtig sein. Erlaube mir bitte trotzdem die Frage: "Wer bist du eigentlich?" Wen füttere ich hier? Oder mit wem rede ich bzw. schreibe ich? Bist du ein imaginäres Wesen oder bist du stellvertretend für alle anderen Biker-Pilger der Ansprechpartner unserer Tour? Oder steckt hinter dir auch so was wie ein Geist, vielleicht sogar wie der Heilige Geist? Du bist ganz sicher nicht nur Papier-Materie. Wir "Futtergeber" oder "Fütterer" bekommen keine direkte Antwort von dir, aber ich glaube schon, dass irgendetwas passiert. Ach ja, zumindest gab es immer einen freundlichen Applaus. Aber den meine ich natürlich nicht. Nein, jetzt ist es mir ganz klar geworden, du bist der Verteiler und Vermehrer der Gedanken, Worte und Gefühle der Fütterer. Dazu fällt mir spontan die wunderbare Brotvermehrung ein. Na ja, Schluss jetzt mit dem Philosophieren, ich versuche endlich loszulegen, bevor du voll bist.

Der letzte Morgen, das letzte Frühstück, der letzte Zündfunke nach einer Woche, die unbeschreiblich schön und wertvoll war. Ich freue mich nun auch wieder auf zu Hause und weiß von einigen anderen, dass es ihnen auch so geht. Aber ..... vorher heißt es, Abschied zu nehmen. Und das fällt mir sehr schwer. So ist meine Stimmung entsprechend gedrückt, traurig und gleichzeitig voller Dankbarkeit und Glück.

Nach dem Zündfunken mit dem nahegehenden Lied "Möge die Straße uns zusammenführen ..... und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!" folgt zum Abschluss ein "Vater unser". Dann erst mal Abschied nehmen von Sechsen, die jeweils von hier auf direktem Weg nach Hause oder zu einem anderen Ziel fahren. Das sind Alexander, Andreas, Marita und Matthias sowie Reinhard und Rainer. So manche Träne fließt beim herzlichen
Abschied und Danke, man sagt auch dazu: "Die hatten Pipi inne Augen".

Alle anderen 13 wollen noch zum Altenberger Dom fahren, um dort gemeinsam Abschied zu nehmen. Die Idee, mit den restlichen Fahrern nur zwei Gruppen zu bilden, wird verworfen.
Da der "Schwund" die drei bisherigen Gruppen gleichmäßig betrifft, wird nicht umgestellt.
Die Gruppen fahren wie folgt:
Martin mit Barbara, Dietmar und Markus
Michael mit Regina, Conny, Wolfgang und Thomas
Tim mit Dagmar, Josef und Joachim

Mein Gruppenführer Martin zieht in Anbetracht des Wolken verhangenen Himmels direkt morgens die Hosen-Pelle über, Dietmar auch. Es ist kühler als in den letzten Tagen. Wird es Regen geben oder bleiben wir verschont? Ich will keinen Regen! Also erst mal keine Pelle!
Ich höre von weitem, dass Josef sagt: "Die schwerste Entscheidung beim Motorradfahren ist: Pelle an oder aus?!" Finde ich auch (grins). Martin sagt zu uns, dass wir zuerst zu einem "Aldi, Lidl, Penny, Netto, Rewe oder Edeka" fahren, um die Getränke-Pfandflaschen der ganzen Woche loszuwerden. Es taucht aber lange nichts dergleichen auf.

Die Straßen sind am Morgen schön leer. Das verleitet, viele Gedanken durch den Kopf laufen zu lassen. Natürlich taucht wieder mein Begleiter auf, mein "tock tock-tock - rumpelrumpel-rumpel - du-dumm-du-dumm-du-dumm - bumm-bumm-bumm usw." Leider hat er relativ viel Gedankenzeit in dieser Woche beansprucht bzw. geklaut. Schade! Aber gut, dass sich meine Befürchtungen nicht realisiert haben.

Wir kommen zum Nürburgring. "Siedend heiß" fällt mir ein, dass Tim zu mir im Hambacher Schloss gesagt hat, dass ich Martin sagen solle, dass wir dort nicht entlangfahren sollten, weil dort "Rock am Ring" - also eine riesengroße Veranstaltung ist. Das habe ich vergessen. "Au, Mist"! Hoffentlich geht es gut, und wir kommen gut durch! Wir wundern uns nur über die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h in dem Bereich über eine längere Strecke, obwohl es sich um eine breite Straße handelt. Und eine Kolonne Oldtimer-Autos tuckert mehr oder weniger langsam vor uns her. Sie versetzen meine Gedanken in die Zeit vor "1000" Jahren, als ich auch solche Autos hatte.

Dann ist Zeit für eine kurze Pause. Martin packt die letzten Kekse von Marita aus, und wir teilen sie uns und denken an Marita und Matthias. In dem Moment fährt Michas Gruppe vorbei und winkt fröhlich. Dietmar - von Martin Ditze genannt - hat keine Geschwindigkeitsanzeige mehr am Mopped - wie ich so am Rande mitbekomme. Er sagt, die Tachowelle ist weg, hat sich wohl versteckt. Man kommt nicht dran. Ich habe ja keine Ahnung von so was! Martin meint nur: "das spart Kilometer". Markus steht derweil mit nackten Beinen da, weil er sich eine Jeans unter der Motorradhose anzieht - "wegens die Kälte". Da ich mich nicht traue, das zu fotografieren, muss ich es wenigstens hier erwähnen.

Bei der Weiterfahrt suchen wir immer noch nach einem Aldi etc. Es regnet zum Glück bisher noch nicht. Wir können schön zügig fahren. Dabei vermisse ich wieder, wie öfter mal, einen 7. Gang. Ich versuche zu schalten, aber es geht nix mehr.

Dann endlich taucht doch noch ein Rewe auf. Aber - oh je - die Pfandflaschen-Automaten sind blockiert, also wieder nix. Dafür trinken wir einen leckeren Kaffee und Cappuccino an den Moppeds. Uiii, da fällt die Packung mit den letzten drei Keksen von Martin, die Sorte mit den 52 Zacken pro Stück, vom Mopped. Darüber können sich nun die Vögel freuen. Markus kauft eine leckere Schokolade seiner Spezialmarke, Ditze kauft leckere kleine rote Gummiteilchen. Dabei kommt die Sonne durch - schön, aber direkt sehr warm - zu warm "für ohne Fahrtwind". Ditze findet auf einmal sein Roadbook der Seele unter seinem Nierengurt, den er umhat. Gutes Versteck! Während wir so dastehen, kommt ein alter Mann zu uns und fragt, wo wir denn herkommen. Ich sage "aus dem Ruhrgebiet". Da sagt er doch tatsächlich: "Da war ich noch nie!" Unglaublich! Das geht ja "gaaaanich"! Dann erzählt er was von seinem alten Motorrad, das er aber nicht mehr fährt. Ich erzähle ihm von unserem christlichen Hintergrund beim Motorradfahren. Er meint "nee, jetzt im Alter hab ich damit nicht mehr so viel am Hut. Die Kirche hat in letzter Zeit so viel negativ verändert." Ich will gerade anfangen zu missionieren, da meint er zu Markus, dass er ein Haar an der Nase hätte. Markus sagt, dass
sein Rasierer da nicht so gut drankäme. Der Mann sagt, er solle sich einen Braun-Rasierer kaufen, damit könnte man alles rasieren und sogar Muster machen und Figuren schneiden.
So kann man auch die Pausen verbringen - und sich köstlich amüsieren.

Gut gelaunt fahren wir weiter Richtung Rheinfähre Linz-Kripp, die nicht mehr weit weg ist. Als wir ankommen und uns direkt an die Auffahrt zur Fähre hinstellen, sehen wir Tims Gruppe am Imbiss. Joachim kommt grinsend und meint: "Man denkt an nichts Böses - und dann kommt ihr!"

Nach der kurzen Rheinüberquerung ist es noch ein Stündchen bis zum Altenberger Dom. Wir brauchen eine "Tanke". Die Suche ist bald erfolgreich. Mir ist es lästig, dass ich selbst bezahlen muss. Wenn ich mit Micha zusammen fahre, bezahlt er immer für mich mit. Martin meint, dann werden wir nächstes Jahr alle bei Micha mitfahren. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch die Toilette dort "inspizieren". Dies ist leider nicht möglich, weil der Besitzer weggefahren ist und den Schlüssel irrtümlich mitgenommen hat. Was will man machen? Wir suchen eine andere, dieses Mal in der Natur. Ich frage Martin, wo hier im Wald denn die Damentoilette sei. Ditze zeigt auf einen Abfalleimer und meint: "da - es fehlt nur die Brille". Ich bevorzuge eine etwas entfernt liegende Stelle. Die drei Herren suchen auch jeder eine
eigene. Bei dieser Klärung und Unterscheidung stellen wir fest, dass wir drei BMWs sind und eine andere, dass wir drei Männer sind und eine andere, dass wir drei Kollegen sind und eine andere, dass wir drei Nichtraucher sind und ein anderer ........

Wir sind die erste Gruppe, die am Altenberger Dom gegen 14.15 Uhr ankommt. Trotzdem gibt es einen Empfang: Mike ist da! Die Freude ist groß. Er sagt, dass er die ganze Woche hier auf uns gewartet hat! Es findet gerade eine Hochzeit statt. Dadurch können wir nicht auf den Domplatz fahren und auch nicht in den Dom gehen. Martin parkt "extra" auf einem Parkplatz mit Matsche, weil ihm die Stiefel von Ditze bisher zu sauber aussahen. Kurze Zeit später kommen die anderen beiden Gruppen mit Tim und Michael. Markus muss zuerst seine Jeans unter der Motorradhose ausziehen, es ist schön warm geworden. Dazu geht er in den
Beichtstuhl. (grins)

Wir übrig gebliebenen - und hier heil angekommenen Pilger (außer einem recht harmlosen, aber natürlich trotzdem etwas ärgerlichen Umfaller ist nichts Schlimmes passiert - Gott sei Dank) machen es uns draußen beim Restaurant - natürlich mit Mike - gemütlich mit viel Fröhlichkeit, Freude, Dankbarkeit, Lachen ...... und köstlichen Leckereien wie Kuchen, Torte, Eis ..... Nach etwa einem Stündchen kommt dann der endgültige Abschied in einer Runde mit Helmkreuz am Rande des Restaurants. Nach Texten und Gebet legen wir alle die rechte Hand auf die linke Schulter unseres rechten Nachbarn und die linke Hand auf den Rücken unseres linken Nachbarn - spüren uns - und sagen tschüs, macht´s gut, kommt gut heim.

Laber - laber - laber - jetzt ist Schluss. Ich möchte eigentlich noch passend zum Ausdruck bringen, wie gut und wertvoll und segensreich für mich diese 8 Tage waren, aber mir fehlen dazu leider die Worte, die das richtig zum Ausdruck bringen könnten. Ich schließe mich daher allen bisherigen "Lobeshymnen in vollem Umfang" an!

HERZLICHEN DANK euch allen und dem lieben Gott, der ja bekanntlich durch andere Menschen wirkt und für seinen Segen an allen Tagen und ganz besonders am/ab Mittwochabend - ihr wisst, was ich meine!

Nun kann ich nur noch hoffen, dass ich morgen nach dem Frühstück von dem Letzten, dem ich den Tagebucheintrag vorlese, auch einen Applaus bekomme.

Barbara

Ach, eine Frage muss ich unbedingt noch loswerden: Warum habe ich, wenn ich die Helme des Kreuzes morgens gezählt habe, immer nur 18 gezählt und nicht 19, auch wenn wir 19 Pilger waren? Dieses Rätsel wird mich sicher noch lange beschäftigen! (grins)

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